Werder-Geschäftsführerin gibt Einblicke
Bedrohliches Hochwasser und mehr: Warum Werder Bremen beim Umweltschutz Ernst machen muss
Der SV Werder Bremen muss sich immer mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen, schließlich ist der Verein nicht nur aufgrund seiner geografischen Lage dazu angehalten, sondern auch, um Vorgaben der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zu erfüllen. Anne-Kahtrin Laufmann, Werders Geschäftsführerin, gab während einer Podiumsdiskussion und im Gespräch mit der DeichStube einen ausführlichen Einblick.
Bremen - Hochwasser in Deutschland, Hochwasser in Bremen, Hochwasser beim SV Werder. Rund um das Wohninvest Weserstadion ist in den vergangenen Tagen ein bedrohlich anmutender Pegelstand erreicht worden. Ein Naturereignis, das keinen Einzelfall darstellt und die Alarmglocken beim SVW durchaus schrillen lässt. Schließlich dürfte auftretendes Hochwasser durch den Klimawandel in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter zunehmen. Ein Szenario, mit dem sich der Club allein wegen seiner geografischen Lage auseinandersetzen muss, wie Anne-Kathrin Laufmann, Geschäftsführerin Sport und Nachhaltigkeit, erst Anfang Dezember bei Werders Nachhaltigkeitspartner-Treffen in der „Grünen Bude“ verdeutlichte: „Wir sind direkt betroffen vom Klimawandel, liegen direkt an der Weser und bald in der Weser“, sagte Laufmann, die beim SV Werder Bremen für die Profisport-Sparten Tischtennis, Schach und Handball sowie den großen Bereich Nachhaltigkeit zuständig ist. Während einer Podiumsdiskussion und im Gespräch mit der DeichStube gab die 44-Jährige einen ausführlichen Einblick in die Nachhaltigkeits-Themen des SV Werder und des deutschen Fußballs.
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Der Begriff der Nachhaltigkeit umfasst nicht nur den Umweltschutz, sondern auch wirtschaftliche und soziale Aspekte. Vor allem bei Letzterem sieht sich der SV Werder Bremen beispielsweise mit dem Spielraum-Projekt nach Aussagen von Anne-Kathrin Laufmann „im Ligavergleich extremst gut“ aufgestellt. Beim Nachhaltigkeitspartner-Treffen stand derweil vor allem der Umweltschutz im Fokus.
Die aktuelle Hochwasser-Lage rückt das Thema Umweltschutz noch etwas mehr in den Vordergrund. Und Anne-Kathrin Laufmann betonte bereits vor den hohen Pegelständen: „Wir kämpfen darum, was eigentlich mit unseren Plätzen passiert, wenn die Weser zu hoch steigt. Können wir dann überhaupt noch trainieren?“ Auch im Sommer ergäben sich durch mögliche Dürren und die dann notwendige Bewässerung Probleme, die Auswirkungen auf die sportlichen Möglichkeiten hätten – und damit wohl auch auf den Erfolg. „Das sind Themen, die unser Kerngeschäft betreffen. Deshalb ist es wichtig, zu schauen, wo wir besser werden können“, erklärte Laufmann mit Blick auf den Umweltschutz, der nicht nur den SV Werder Bremen, die Arena und die umliegenden Trainingsplätze, sondern jeden einzelnen Menschen auf der Welt betreffe.
Werder Bremens Anne-Kathrin Laufmann über Nachhaltigkeit: „Global gesehen steckt der Fußball in vielen Widersprüchen
In der „Grünen Bude“ legte auch Tanja Ferkau, deren Unternehmen IMPCT GmbH im Auftrag der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Nachhaltigkeitskriterien für den deutschen Profi-Fußball festgelegt hat, den Finger in die Wunde: „Der Fußball sagt ja gerne von sich, er habe sich auf den Weg gemacht. Ich finde, er hat sich nicht ausreichend auf den Weg gemacht – sowohl an Geschwindigkeit als auch beim Ambitionsniveau ist da noch eine Menge Luft nach oben.“ Die IMPCT-Gründerin spielt damit auch auf die Vorbild-Rolle an, die der Profi-Fußball innehabe - diese aber auch laut Anne-Kathrin Laufmann nur bedingt erfüllt: „Global gesehen steckt der Fußball in vielen Widersprüchen: Zum einen steht er dafür, Menschen zu begeistern und mitzunehmen. Auf der anderen Seite schaffen wir es mit bestimmten Themen nicht, genau diese Begeisterung hervorzurufen“, urteilte sagt die Geschäftsführerin des SV Werder Bremen selbstkritisch. WM-Vergaben an fragwürdige Austragungsorte oder die viele Fliegerei der Mannschaften zu Fußball-Spielen auch innerhalb Deutschlands würden den Aspekt der Nachhaltigkeit nicht nur schlichtweg nicht erfüllen, sondern sogar „konterkarieren“.
Doch es gab auch Lob - denn in den Augen von Tanja Ferkau werde sich beim SV Werder Bremen nicht weggedeckt. Im Gegenteil. „Ihr seid einer der wenigen Vereine, gemeinsam mit der TSG Hoffenheim, wo ich sage: ‚Wow, da bewegt sich wirklich was.‘“ Werder bemühe sich laut Anne-Kahtrin Laufmann neben der Schulung und Sensibilisierung der Spieler alle Altersklassen vor allem um Projekte, mit denen der Wasserverbrauch und der Abfall reduziert und die Mobilität verbessert werden können. Der Partner Ornamin etwa stelle nachhaltiges Mehrweggeschirr her, darüber hinaus werde ein Pendlerportal angeboten, mit dem sich Werder-Fans zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen können. Außerdem setzen die Grün-Weißen auf „Mini-Maßnahmen, die dann doch nicht so irrelevant sind“, schilderte Laufmann: „Wir haben überall Wasserperlatoren eingesetzt, um den Wasserverbrauch um 25 Prozent zu reduzieren und mehr Ladesäulen im Stadion integriert, um immer mehr auf Elektro-Mobilität umzustellen.“
Trotz Vorreiter-Rolle: Werder Bremen bietet auch Angriffsfläche beim Thema Nachhaltigkeit
Gerade beim Aspekt der Mobilität bietet auch der SV Werder Bremen Angriffsfläche: Ist es wirklich nötig, die Auswärtsreise zum gerade einmal 324 Kilometer entfernten Borussia-Park in Mönchengladbach mit dem Flugzeug zu bestreiten? Die Anfahrt mit dem Bus oder der Bahn würde schließlich nicht nur eine Menge CO2 einsparen, sondern Werder die Gelegenheit geben, „als Vorbild voranzugehen“, sagte Anne-Kathrin Laufmann. Sie verwies aber gleichzeitig auf die „nicht ganz einfache Diskussion“, die damit einhergeht: „Es ist auch die Frage, ob wir einen Wettbewerbsnachteil haben, wenn wir mit der Bahn fahren und die anderen fliegen.“ Deshalb wünsche sie sich eine allgemeingültige Lösung, „dass es Kurzstreckenflüge nicht mehr gibt oder die DFL Vorgaben macht“. Das sei „immer der wirksamste Weg“. Eine derartige Entwicklung erscheint unrealistisch, schließlich könnte das Verbot von Inlandsflügen auch einen Wettbewerbsnachteil für international spielende deutsche Teams bedeuten, weil diese mit Blick auf ihre internationale Konkurrenz bei der An- und Abreise größere Reisestrapazen auf sich nehmen müssten. Ein kompliziertes Themengeflecht, das erst entzerrt werden muss.
Und trotzdem versucht die DFL, die alle 36 Profi-Clubs der 1. und 2. Bundesliga unter sich vereint, das Thema Nachhaltigkeit voranzutreiben. Denn seit dieser Saison müssen für die Lizenzierung erstmals Nachhaltigkeitskriterien erfüllt werden. Wie damit in den kommenden Jahren verfahren wird, ist noch in Gesprächen, berichtete Anne-Kathrin Laufmann auf Nachfrage der DeichStube: „Es gibt Überlegungen, zu provisionieren, wenn die Kriterien erfüllt sind, also einen Bonus zu geben. Das muss aber nochmal in die Diskussion.“ Beschlossen sei dagegen das grundsätzliche Verhängen von Sanktionen, wenn Kriterien nicht erfüllt werden – allerdings noch nicht, in welcher Form. Zur Debatte stünden laut Laufmann sowohl Geldbeträge als auch Punktabzüge. Doch auch dieses Thema ist sensibel. „Uns würde ein Geldbetrag wehtun, dem FC Bayern nicht. Dem würde ein Punktabzug wehtun.“ (tos)