Pikante Interview-Aussagen
Naby Keita attackiert Werder Bremen: „Über den Bus-Vorfall werden wir eines Tages sprechen müssen“
In einem pikanten Interview greift Naby Keita Werder Bremen wegen seiner Suspendierung an, spricht über seine Fitness und erklärt, warum er keinen Gedanken ans Karriereende verschwendet.
Bremen/London – Lange war von Naby Keita selbst nichts zu hören, nun hat sich der beim SV Werder Bremen schwer in Ungnade gefallene Profi doch mal öffentlich geäußert und dabei seinen Noch-Arbeitgeber attackiert. Gleichzeitig behauptete der in der Vergangenheit so verletzungsanfällig 29-Jährige, topfit für neue Aufgaben zu sein. Und dabei würde er sogar sehr gerne wieder für Werder spielen. Doch das ist nahezu ausgeschlossen. Die Verantwortlichen haben ihm nun ein Mannschaftstraining in der U23 verordnet, um die Voraussetzungen für einen Wechsel im Winter zu verbessern.
Naby Keita liebäugelt mit Comeback für Werder Bremen - Verein schickt ihn zum Training in die U23
„Viele Leute sagen zu mir: ‚Naby, du bist verletzt, warum willst du nicht für Bremen spielen?‘ Ich sage: ‚Nein, mir geht es gut‘“, berichtete Naby Keita in einem Interview mit der englischen Zeitung „Guardian“: „Seit ich im Februar vom Afrika-Cup zurückgekommen bin, wollte ich nur noch für die Fans und den Verein spielen. Aber das liegt nicht an mir. Der Verein hat beschlossen, mich in die U23 zu schicken. Ich trainiere mit ihnen und helfe den jungen Spielern, während ich darauf warte, dass sich die Räder drehen.“ Dabei liebäugelt der Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen offenbar mit einem Comeback für die Grün-Weißen in der Bundesliga: „Die Fans haben mir viel Liebe entgegengebracht und sie verdienen es, dass ich ihnen diese Liebe auf dem Platz erwidere.“
Bei den Werder-Verantwortlichen trifft das nicht auf Gegenliebe, sie sehen ihn nur noch in der U23. „Wir haben mit Naby und seiner Agentur über unsere Entscheidung gesprochen. Es ist sehr gut und wichtig für Naby, dass er mit einer Mannschaft trainieren kann. Das ist noch einmal etwas ganz Anderes, als wenn du dich nur mit individuellem Training fithältst. Da müssen wir alle auch an den Winter denken, wo wir eine Lösung anstreben“, erklärte Werder Bremens Sportchef Clemens Fritz auf Nachfrage der DeichStube. Nach seiner Olympia-Teilnahme im Sommer mit Guinea hatte Keita in Bremen allein oder mit der Unterstützung eines Fitnesstrainers der Bremer trainiert. Parallel wurde intensiv an einem Wechsel gearbeitet. Vergeblich! Eine letzte Möglichkeit, in dieser Transferperiode in die Türkei zu wechseln, ließ der Mittelfeldspieler in letzter Sekunde platzen. Eine sportliche Perspektive in Bremen hat Naby Keita trotz seines bis Sommer 2026 laufenden Vertrags nicht mehr. Das stellte Fritz noch einmal unmissverständlich klar: „Eine Rückkehr zu den Profis ist aus bekannten Gründen kein Thema. Naby wird in der U23 aber nur trainieren und nicht spielen.“
Naby Keita droht Werder Bremen: „Über den Bus-Vorfall werden wir eines Tages sprechen müssen“
Im Juni 2023 war der ablösefreie Wechsel von Naby Keita an die Weser verkündet worden. Und der einstige Topstar vom FC Liverpool und zuvor von RB Leipzig galt als großer Hoffnungsträger, aber eben auch als sehr verletzungsanfällig. Nur Letzteres war dann in Bremen zu sehen. Der 29-Jährige verletzte sich schon vor dem ersten Testspiel und wurde danach nie mehr richtig fit. Als ihn Trainer Ole Werner dann Mitte April für die Partie in Leverkusen nur in den Kader und trotz großer Personalnot nicht in die Startelf berief, verweigerte Keita die Busfahrt ins Rheinland. Der Verein reagierte mit einer Suspendierung des Profis bis zum Saisonende. Keita selbst fühlt sich ungerecht behandelt. „Über den Bus-Vorfall werden wir eines Tages sprechen müssen, aber jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein Profi bin und nicht undiszipliniert“, sagte er dem „Guardian“ und behauptete: „Trotz allem habe ich mich noch vor Ende der letzten Saison bei der Gruppe entschuldigt, denn wir sind alle nur Menschen und niemand ist perfekt. Wo auch immer ich war, von Salzburg über Leipzig bis Liverpool, habe ich immer versucht, vorbildlich zu sein.“
Naby Keitas Worte verwundern allerdings. So hatte Teamkollege Marvin Ducksch Anfang August in der Vorbereitung auf die neue Saison auf Nachfrage verraten, dass sich Keita bislang nicht entschuldigt habe. So war es auch von anderen Spielern und den Verantwortlichen zu hören. Die Kommunikation mit Keita gestaltete sich schwierig. Im Club hätte man sich gewünscht, dass der Streik-Profi sowohl intern als auch extern deutliche Worte der Einsicht für sein unprofessionelles Verhalten zeigt. Doch da kam nichts. Keita lehnte alle Interview-Wünsche ab.
Wechsel? Aussortierter Werder Bremen-Profi Naby Keita: „Ich fühle mich großartig und warte, was die Zukunft bringt“
Mit dem „Guardian“ sprach er nun und dabei betonte er: „Ich bin jetzt 29 Jahre alt - und fühle mich großartig. Ich trainiere und warte ab, was die Zukunft bringt. An dem Tag, an dem ich merke, dass mein Körper nicht mehr mitmacht, werde ich aufhören, aber im Moment fühle ich mich gut. Ich habe dem Fußball noch ein paar Jahre zu geben.“ Die Eindrücke, die Naby Keita bei Werder Bremen im vergangenen Jahr und auch bei seiner Olympia-Teilnahme mit Guinea im vergangenen Sommer hinterließ, sind allerdings andere. Ihm fehlte das nötige Tempo, der früher so dribbelstarke Mittelfeldmann agierte fast nur in einer Geschwindigkeit und konnte kaum noch Einfluss auf das Spiele nehmen. Dazu kamen Auszeiten – ganz offensichtlich, um Verletzungen zu vermeiden. Davon hat der Ex-Liverpooler in den vergangenen Jahren zahlreiche erlebt, gerade in Bremen.
Deshalb gab es kaum Interessenten für eine Verpflichtung. Angeblich soll im Sommer der englische Zweitligist AFC Sunderland angeklopft haben, genauso wie einige türkische Clubs. Nun ist Geduld gefragt. Erst im Winter sind wieder realistische Wechsel möglich. Bis dahin kann sich Naby Keita damit trösten, dass er zumindest für Werder Bremens Verhältnisse gar nicht so schlecht verdient. Sein Grundgehalt pro Saison soll 1,5 Millionen Euro betragen. Lediglich die hohen Einsatzprämien, die ihm einen Transfer an die Weser schmackhaft gemacht hatten, entgehen ihm. (kni)