Nach Werder-Pleite in Leipzig
Philosophie auf grünem Rasen: Werders Niederlage in Leipzig schmerzt zwar, stärkt aber auch das eigene Wohlbefinden
Warum die Profis des SV Werder Bremen nach der Niederlage gegen RB Leipzig (0:2) zwischen Frust und Zuversicht schwanken - der Nachbericht der DeichStube.
Leipzig – Um eines direkt zu betonen: Fußballerische Zauberkunst hatten die Profis des SV Werder Bremen auch dieses Mal nicht durchweg zu bieten gehabt. Aber es gab sie eben, die kleinen Momente, in denen das spielerische Können des Bundesligisten während des Auswärtsspiels gegen RB Leipzig aufblitzte. Bis in die zweite Halbzeit hinein hatte es zwar gedauert, ehe sie zu sehen waren, doch dann schien plötzlich ein Sieg möglich – und just handelten sich die Bremer die beiden entscheidenden Gegentreffer ein und verloren mit 0:2. Das sorgte für Enttäuschung, ohne Zweifel. „Es ist sehr bitter, das zu akzeptieren“, meinte etwa Innenverteidiger Amos Pieper. Aber abseits dieser Verärgerung war auch eine veränderte Stimmung in den Katakomben wahrzunehmen, wie Chefcoach Horst Steffen registriert hatte. Eine, die trotz Niederlage Zuversicht für die nächsten Wochen produzieren soll. Klingt komisch, ist aber so. Die Suche nach dem Grund führt dabei fast schon ins Reich der Philosophie.
Werder Bremen ärgert sich über Resultat gegen RB Leipzig: „Waren einverstanden damit, wie wir gespielt haben“
„In der Kabine gab es ein gutes Gefühl. Die Jungs waren einverstanden damit, wie wir gespielt haben“, erklärte der 56-Jährige. „Sie haben gesehen, dass wir uns Lösungen nach vorne erarbeiten können – auch gegen starke Gegner.“ Dieses Empfinden ist deshalb bemerkenswert, weil es in den Vorwochen noch ganz anders ausgesehen hatte. Werder Bremen hatte spielerisch selten überzeugt, was das Team wurmte – doch anders als jetzt gegen RB Leipzig gab es damals eben Punkte. Was unweigerlich die verzwickte Frage aufwirft: Welches Szenario sagt einem mehr zu? Lieber schwächere Leistungen zeigen und Zählbares mitnehmen, oder doch lieber fußballerisch mehr anbieten und dafür auch mal eine Pleite in Kauf nehmen? „Ich habe am liebsten Punkte“, betonte Horst Steffen, seines Zeichens eigentlich ein Liebhaber unterhaltsamer Spielzüge und spektakulärer Strafraumszenen. „Wenn die Jungs aber sehen, dass sie richtig gut zocken können gegen einen starken Gegner, dann ist das ein Gefühl, das in den letzten Wochen nicht so sehr da war. Jetzt ist es dazugekommen, und das nehmen wir mit, auch wenn mir Punkte lieber sind.“
Viel hatte allerdings nicht gefehlt und die Aussicht auf Punkte wäre gegen die Sachsen früh erloschen. Den Gastgebern gehörte klar die erste Halbzeit, Werder-Torhüter Mio Backhaus verhinderte mit mehreren starken Paraden einen Rückstand. Das Bremer Umschaltspiel ließ zu diesem Zeitpunkt sehr zu wünschen übrig, weshalb der gegnerische Druck immer größer wurde. „Da haben wir zu viele einfache Fehler gemacht. In Ballbesitz waren es zu viele Ungenauigkeiten. Das können wir besser“, bemängelte Fußball-Chef Clemens Fritz. Auch Horst Steffen räumte ein: „Angesichts des Spielverlaufs hätte es eher 0:2 zur Halbzeit stehen können.“ Doch der Trainer des SV Werder Bremen betonte auch: „Ein 0:2 nach der zweiten Halbzeit kann ich hingegen nicht akzeptieren.“
Werder Bremen-Frust nach Niederlage gegen RB Leipzig: „Ein 0:2 nach der zweiten Hälfte kann ich nicht akzeptieren“
Weil seine Mannschaft eben mit einem veränderten Gesicht den zweiten Abschnitt bestritt. Erst köpfte Keke Topp ans Außennetz (48.), dann prüfte Cameron Puertas RB-Keeper Gulacsi (52.). Und nach einer Stunde war es dann Jens Stage, der nach einem fabelhaften Puertas-Pass allein aufs Leipziger Tor zulief, aber von Yan Diomande noch am Abschluss gehindert wurde. Es war DIE Szene, die alles für Werder Bremen zum Guten hätte wandeln können. „Ich hätte mir gewünscht, dass eher ein anderer Leipziger in der Nähe gewesen wäre“, meinte Fritz ob der Sprintstärke des Ivorers und wollte dem dänischen Mittelfeldspieler der Hanseaten deshalb keinen Vorwurf machen. „Der Weg ist dann schon sehr weit. Wenn du im Dribbling bist, mitten im Vollsprint, werden die Beine von Meter zu Meter schwerer. Schade.“
Verfolgt Werder Bremen live im TV und im Livestream gegen den 1. FC Köln!
Vor allem, weil danach auf der anderen Seite nach Treffern von Assan Ouédraogo (64.) und Xaver Schlager (80.) gejubelt wurde. Dass Keke Topp zwischenzeitlich beim vermeintlichen 1:1 hauchzart im Abseits gestanden hatte, machte das Ergebnis nur noch bitterer. Trotzdem hielt Steffen fest: „Die Jungs haben kämpferisch und läuferisch alles reingeschmissen. Es war ein gutes Auswärtsspiel gegen einen starken Gegner.“ Yukinari Sugawara stimmte in den positiven Grundtenor ein. „Das Ergebnis ist sehr enttäuschend, aber auch nur das Ergebnis. Der Unterschied lag einfach in der individuellen Qualität“, sagte der Rechtsverteidiger des SV Werder Bremen und erhielt verbale Unterstützung von Romano Schmid: „Die fünf Spiele davor müssen wir so nehmen, aber da haben wir bei Weitem nicht so gespielt wie heute - mit der Überzeugung, mit dem Willen, einander zu helfen. Deshalb kann man da ganz viel mitnehmen.“
Werder Bremen will Niederlage gegen RB Leipzig schnell abhaken: „Wir können mit breiter Brust nach Hause fahren“
Schon am nächsten Samstag können die Bremer beweisen, ob sie das tatsächlich tun. Der 1. FC Köln ist dann ab 15.30 Uhr (DeichStube-Liveticker) im Weserstadion zu Gast – und damit ein direkter Tabellennachbar. Er soll im Idealfall direkt zu spüren bekommen, dass Werder Bremen durch die Leipzig-Niederlage an Reife gewonnen haben will. „Wir können viele gute, spielerische Ansätze mitnehmen. Ich sehe es als nächsten Schritt in unserer Entwicklung, was das Ballbesitzspiel angeht“, sagte Clemens Fritz. „Auch wenn wir keine Punkte geholt haben, können wir mit breiter Brust nach Hause fahren und auf diesem Spiel aufbauen. Wir wollten und waren mutig. Da muss niemand die Köpfe hängen lassen.“ (mbü)
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