Werder-Fans zündeln gegen BVB

Das eigene Stadion ist nicht mehr tabu: Nächste saftige Geldstrafe winkt - so reagiert Werder Bremen auf die Pyro-Show in der Ostkurve

Die Fans des SV Werder Bremen zündeten im Heimspiel gegen Borussia Dortmund (1:2) massiv Pyrotechnik in der Ostkurve des Weserstadions.
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Die Fans des SV Werder Bremen zündeten im Heimspiel gegen Borussia Dortmund (1:2) massiv Pyrotechnik in der Ostkurve des Weserstadions.

Die Fans des SV Werder Bremen zündeten im Heimspiel gegen Borussia Dortmund (1:2) massiv Pyrotechnik in der Ostkurve des Weserstadions - dabei ist das Zündeln im eigenen Stadion eigentlich tabu. Dem Verein dürfte damit bald die nächste saftige Geldstrafe des DFB ins Haus flattern - obwohl die Sanktionen nicht für einen positiven Effekt sorgen.

Bremen – Als Schiedsrichter Deniz Aytekin in seine Pfeife blies, wurde es plötzlich hell in der Ostkurve. Heller als sonst. Und erste Nebelschwaden entwickelten sich, die fortan für einige Minuten durch das Weserstadion zogen. Die zweite Halbzeit beim Heimspiel des SV Werder Bremen gegen Borussia Dortmund (1:2) hatte just begonnen, als in der vorderen Reihe des Fanblocks pyrotechnische Gegenstände entzündet wurden. Nicht nur ein paar, sondern vom einen bis zum anderen Ende der Kurve erstreckte sich das Flammenmeer. Unterbrochen wurde die Partie nicht, der nächste Bußgeldbescheid dürfte dem Verein dennoch bald ins Haus flattern. Wie schon so oft in den vergangenen Jahren. Einen positiven Effekt hatten die entstandenen Kosten nicht, vielmehr scheinen die Sanktionen zu verpuffen. Doch eine Lösung des Problems ist fern. Ligaweit.

Werder Bremens Anne-Kathrin Laufmann: „Wir sprechen uns grundsätzlich gegen das Abbrennen illegaler Pyrotechnik aus“

„Wir sprechen uns grundsätzlich gegen das Abbrennen illegaler Pyrotechnik - ob bei Heim- oder Auswärtsspielen - aus. Es ist potenziell gefährlich und kann großen Schaden zufügen“, betont Anne-Kathrin Laufmann, Geschäftsführerin Sport und Nachhaltigkeit beim SV Werder Bremen, auf Nachfrage der DeichStube. „Zudem treffen uns die hohen Strafzahlungen empfindlich. Diese Haltung ist unserer Fanszene bekannt.“ Und trotzdem brennt es immer wieder im Block. In der Regel eher auswärts als daheim. Knapp zwei Monate ist es jetzt her, dass gegen die Bremer mal wieder eine Strafe wegen des Abbrennens von Pyrotechnik verhängt wurde. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sanktionierte Werder mit einer Rechnung in Höhe von 94.000 Euro, die für Zündeleien in der Hinrunde während der Auswärtsspiele bei Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart fällig wurde. Allein in der aktuellen Spielzeit war das die dritte saftige Geldstrafe, zuvor hatten sich aufgrund zweier Vergehen bereits Bußgelder in Höhe von 131.000 Euro angesammelt – in der Vorsaison waren es insgesamt 150.000 Euro gewesen.

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Das Thema ist keines, das ausnahmslos den SV Werder Bremen beschäftigt. Auch an anderen Bundesliga-Standorten wird mit Sorge auf die Zündeleien im Fanblock geschaut. Jahr für Jahr müssen die Clubs zusammengerechnet mehrere Millionen Euro an Strafgeldern für das Fehlverhalten der Anhängerschaft zahlen. Doch die Sanktionen des DFB sorgen offenbar keineswegs für Abschreckung. Vielmehr sind die Summen, die nach Urteilen des Sportgerichtes verhängt wurden, seit der Corona-Pandemie noch einmal erheblich gestiegen. Wo in der Saison 2018/2019 rund 3,3 Millionen Euro fällig wurden, waren es in der Spielzeit 2022/23 schon rund vier Millionen Euro. Allein in der Bundesliga. Eine Etage tiefer kamen noch einmal etwa 3,1 Millionen Euro zusammen, in Liga drei war es eine Million Euro. „Das Verhältnis ist in Schieflage geraten“, monierte kürzlich Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Philipp Reschke und verwies auf einen „pyrotechnischen Paradigmenwechsel“, der stattgefunden habe. So sei es mittlerweile kein Tabu mehr, auch im eigenen Stadion Feuerwerkskörper abzubrennen.

Werder Bremens Anne-Kathrin Laufmann wünscht sich, „mögliche Lösungswege bundesweit und gemeinsam mit Fans zu erarbeiten“

So wie auch jetzt in Bremen, wo nicht nur vereinzelt Fackeln brannten, sondern dies koordiniert geschah. Welche Folgen dieses Verhalten der handelnden Ultras für andere Fans und Zuschauer in der Arena haben könnte, ist offenbar nicht von Bedeutung. Die komplette Ostkurve zu vernebeln ist alles andere als ungefährlich. Und Werder Bremen trägt dieses Risiko mit, toleriert es ohne ein Vorgehen gegen die eigenen Anhänger. Da ändert es auch nichts, dass der Verein vom jetzigen Pyro-Einsatz ebenso überrascht wurde wie alle anderen Besucher des Weserstadions. „Es gibt weder Absprachen im Vorfeld noch ein Agreement jeglicher Art mit der Fanszene“, betont Anne-Kathrin Laufmann. „Wie alle Vereine investieren wir hohe Beträge in Sicherheits- und Präventionsstrukturen, für die wir von der DEKRA regelmäßig mit „Sehr gut“ bewertet werden.“ Doch sie sagt auch: „Es ist aber anzuerkennen, dass das Thema Pyrotechnik den Fußball mehr als 20 Jahre beschäftigt. Strafen und Verschärfungen haben eine Eskalationsschraube in Gang gesetzt, ohne dass eine wesentliche und dauerhafte Verbesserung der Situation zu erkennen wäre.“

Das eine Patentrezept zur Lösung des Problems gibt es aktuell nicht. Werder Bremens Geschäftsführerin Anne-Kathrin Laufmann hat deshalb einen klaren Wunsch: „Wir würden es begrüßen, wenn mögliche Lösungswege bundesweit und gemeinsam mit Fans erarbeitet werden“, sagt sie. Ob das gelingt? Fraglich. Und somit werden vorerst weitere Strafbescheide am Osterdeich eintrudeln, die jetzige Pyroshow dürfte dabei erneut ziemlich teuer werden. Die sogenannte Rechts- und Verfahrensordnung des DFB sieht im deutschen Fußball-Oberhaus für das Abbrennen von Pyro pro Gegenstand eine Strafe in Höhe von 1000 Euro vor. Wird ein pyrotechnischer Gegenstand abgeschossen, steigen die Kosten je Exemplar auf 3000 Euro. Auch das Werfen von Gegenständen (1000 Euro), die Verwendung von Laser-Pointern (4000 Euro), das Eindringen aufs Spielfeld (3000 Euro) oder das Zeigen von unsportlichen Botschaften (bis drei Quadratmeter: 2000 Euro; ab 3 Quadratmeter: 8000 Euro) ist dort geregelt. (mbü)

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