Neuzugang stellt sich vor
„Ich mag es nicht, im Rampenlicht zu stehen“: Mbangula über Werder-Wechsel, Vorbild Neymar und ein Horror-Erlebnis beim Teamabend
Samuel Mbangula, Neuzugang des SV Werder Bremen, spricht bei seiner offiziellen Vorstellung über seinen Transfer, Vorbild Neymar und ein Erlebnis beim Teamabend, das für ihn „der absolute Horror“ war.
Zell am Ziller – So richtig wohl fühlt sich Samuel Mbangula nicht – also in jenem Moment, in dem ihm am Montagnachmittag mehrere Mikrofone unter die Nase gehalten werden. „Ich bin ein wenig schüchtern, spreche nicht so viel und bin am liebsten für mich selbst. Um ehrlich zu sein, mag ich es nicht, im Rampenlicht zu stehen“, gesteht der 21-Jährige, der in der vergangenen Woche von Juventus Turin zum SV Werder Bremen gewechselt ist – und deshalb genau das seither tut. Jeder Fan im Zillertal-Trainingslager will ihn unbedingt sehen, gern ein Foto oder Autogramm abstauben. Und auch medial ist das Interesse am belgischen Offensivspieler erwartungsgemäß groß. Schließlich haben die Norddeutschen nicht einfach nur einen neuen Spieler verpflichtet, sondern den zweitteuersten Transfer der Vereinsgeschichte getätigt. Zehn Millionen Euro wandern in vier Raten Richtung Italien, die Summe kann durch Boni-Vereinbarungen noch um weitere zwei Millionen Euro anwachsen. Das weckt Erwartungen. Mit denen Mbangula erst einmal umgehen muss.
Werder Bremen-Neuzugang Samuel Mbangula über Juventus Turin-Aus, Horst Steffen-Überzeugung und Vorbild Neymar
„Ich würde es nicht Druck nennen, denn Druck gibt es überall im Fußball“, sagt der achtfache U21-Nationalspieler demonstrativ gelassen. „Ich möchte dieses Vertrauen einfach an den Verein zurückzahlen und auf dem Platz überzeugen.“ Rein vertraglich soll Samuel Mbangula das bis zum Sommer 2030 tun – oder in der Zwischenzeit sportlich derart überzeugen, dass womöglich ein anderer Verein irgendwann bereit ist, eine noch deutlich höhere Ablösesumme zu zahlen. „Die Verantwortlichen des Clubs haben mir in den Gesprächen von Anfang an sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Ich bin überzeugt davon, dass das hier der perfekte Platz ist, um arbeiten zu können.“ Insbesondere Horst Steffen hinterließ beim Neuzugang einen bleibenden Eindruck. „Er hat mir seine Idee vermittelt und erzählt, wie er mich sieht – und diese Idee teile ich“, sagt Mbangula. „Ich habe sofort gemerkt, dass er mich bereits gut kannte und wusste, was ich kann, wie ich spiele und wie ich dem Team am besten helfen kann. Das war sehr wichtig für mich.“
Einen knappen Monat ist das nun her, erzählt der Flügelflitzer. Kurz nachdem er bei Juve die Info erhalten hatte, dass mit ihm bei der „Alten Dame“ nicht mehr geplant werde. „Das war im ersten Moment hart zu akzeptieren, aber so ist eben der Fußball“, meint Samuel Mbangula, der mit den Turinern kürzlich noch an der Club-WM teilnahm, dort aber nicht mehr zum Einsatz kam. Durch den etwas späteren Urlaub wird der Mann aus Brüssel nun behutsam an die erhöhte Belastung beim SV Werder Bremen herangeführt, in den kommenden Tagen dürfte sich immer mehr herauskristallisieren, welche Qualitäten Mbangula mitbringt: ein amtliches Tempo, gute Passqualitäten, offensive Flexibilität und viel Intensität auf den Flügeln. Ganz so, wie es sein großes Vorbild in seiner absoluten Blütezeit getan hat: „Ich habe wegen Neymar viel Fußball geguckt“, sagt der 21-Jährige. „Egal, ob er ganz vorne oder auf dem Flügel gespielt hat, jeder hat ihn geschätzt.“
Werder Bremens Samuel Mbangula musste als Neuzugang beim Teamabend im Zillertal singen: „Der absolute Horror“
Die harte Profischule des Fußballs, die absolvierte Samuel Mbangula jedoch vorwiegend in Turin. Fünf lange Jahre war er dort, erst beim Nachwuchs, dann zuletzt bei den Profis. Dabei führte er viele Gespräche mit dem dortigen Chefcoach und Ex-Profi Thiago Motta. „Er hat mir am meisten beigebracht. Thiago Motta hat zwar mit mir viel über meine Fehler gesprochen, aber ich wusste immer, dass es mir zugutekommt“, schildert Werder Bremens Neuverpflichtung. „Es war keine einfache Zeit, aber ich habe eine Menge gelernt. Ich bin ihm unheimlich dankbar.“ Wie auch einem Jugendtrainer, der ihn einst in die Feinheiten des Verteidigens einführte. „Als ich neun oder zehn Jahre alt war, da hatte ich einen Coach, der mich plötzlich als Verteidiger gebracht hat. Und deshalb weiß ich, wie es ist zu verteidigen“, verrät der praktizierende Katholik schmunzelnd. „Und wenn ich nach hinten zum Verteidigen kommen muss, dann tue ich das.“
Auch am vergangenen Samstag tat Samuel Mbangula genau das, was getan werden musste. Und wieder war ein Mikrofon im Spiel. Folglich bewegte sich die Vorfreude auch in einem überschaubaren Rahmen. Doch beim Teamabend während des Trainingslagers in Zell am Ziller ist es nun einmal ein ungeschriebenes Gesetz, dass alle Neumitglieder der Mannschaft ein Liedchen trällern müssen – also auch Mbangula. Welchen Song er genau ausgewählt hatte, verriet der Rechtsfuß nicht, sondern gestand einfach nur lächelnd: „Es war der absolute Horror für mich, weil ich nicht die komplette Aufmerksamkeit brauche. Aber wir hatten eine gute Zeit als Team.“ Und davon soll es ab sofort noch weitere geben. Mit Samuel Mbangula als zentrales Element. „Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt und ich freue mich sehr darauf, dort nun spielen zu können.“ Die Werder-Fans, das zeigen die Tage in Österreich, ganz offensichtlich auch. (mbü)
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