Misslungene Sommer-Vorbereitung
Werder vor dem Pflichtspielstart: Alles andere als bereit
Erst zwei Neuzugänge, zwei Leistungsträger verletzt und fünf Testspiele in Folge ohne Sieg: Der SV Werder Bremen hat eine mehr als bescheidene Sommer-Vorbereitung hinter sich - warum der Pflichtspielstart schwer werden dürfte.
Bremen – Die Vorstellung hat ohne Frage etwas Romantisches und dürfte bei nicht wenigen Fans Vorfreude auslösen: Vor Abendspielen wird das Weserstadion künftig in atmosphärisches Grün getaucht, das die vier Flutlichtmasten von hoch oben auf die Arena herabwerfen. Möglich wird das durch das neue LED-Beleuchtungskonzept, in das erstmals auch grüne Strahler integriert wurden. Werder Bremen in ganz neuem Glanz – rein optisch trifft das definitiv zu. Der Blick auf die aktuelle Verfassung und Zusammensetzung der Bundesliga-Mannschaft ist da kurz vor dem Pflichtspielauftakt aber deutlich weniger erbaulich. Nach einem Transfersommer, der am Osterdeich bisher in beide Richtungen schleppend verläuft, nach höchstens mäßigen Auftritten in den Testspielen sowie angesichts der massiven Verletzungssorgen wirken die Bremer alles andere als bereit für die neue Saison, die am Freitagabend mit dem DFB-Pokalspiel bei Arminia Bielefeld (20.45 Uhr/DeichStube-Liveticker) beginnt. Eine Betrachtung.
Verantwortlichen des SV Werder Bremen bisher nicht gelungen, für adäquaten Ersatz im Sturm zu sorgen
Die missglückte Generalprobe gegen Udinese Calcio (1:2) hat die Probleme des SV Werder Bremen am vergangenen Wochenende noch einmal deutlich unterstrichen, vor allem offensiv krankte das Spiel unübersehbar. Zug zum Tor und Chancen waren absolute Mangelware, was einen besorgniserregenden Trend bestätigte: Die letzten vier Testspiele des Sommers hat Werder allesamt verloren, ohne dabei einen Treffer aus dem Spiel heraus zu erzielen. Am neuen Cheftrainer Horst Steffen und der Veränderung des Bremer Spielsystems liegt das weniger. Während der Trainingseinheiten ist zu sehen, dass die Mannschaft dem 56-Jährigen folgt und Gefallen an dessen Fußball findet. Frischer Wind ist also vorhanden. Das Problem ist nur, dass Steffen weiterhin wichtiges Personal für seine Ideen fehlt.
Nach den Abgängen von Oliver Burke (Union Berlin), Dawid Kownacki (Hertha BSC) und zuletzt auch Marvin Ducksch (Birmingham City) ist es den Verantwortlichen des SV Werder Bremen um Sportchef Clemens Fritz und Leiter Profifußball Peter Niemeyer bisher nicht gelungen, für adäquaten Ersatz in der Sturmspitze zu sorgen. Der muss aber dringend her, zumal die Mittelstürmerposition für Horst Steffens 4-2-3-1-System elementar wichtig ist. Einzig und allein mit dem unerfahrenen und in der Vorbereitung blassen Keke Topp (21) in die Saison zu gehen, wäre hochriskant, fast fahrlässig. Nur zieht sich die nach wie vor angestrebte Verpflichtung von Leipzigs André Silva weiterhin wie Kaugummi. Ausgang offen.
Maximilian Wöber und Samuel Mbangula sind zwei spannende Neuzugänge für den SV Werder Bremen
Gleiches gilt für die Rechtsverteidigerposition, wo Isaac Schmidt nach dem Ausfall von Mitchell Weiser (Kreuzbandriss) längst als Backup auserkoren ist, Leeds United die Bremer aber weiter zappeln lässt. Planungssicherheit geht definitiv anders. Positiv: In Maximilian Wöber hat Werder Bremen bereits einen Spieler von den Engländern verpflichtet. Mit seiner Erfahrung und Qualität ist der 27-Jährige ein sinnvoller Transfer, der sich auf der linken Abwehrseite auf Anhieb durchsetzen dürfte. Auch Flügelstürmer Samuel Mbangula (21), der zweite Neuzugang des Sommers, ist ein hochgradig spannender Profi mit großem Potenzial, bei dem erfahrungsgemäß aber abzuwarten bleibt, wie schnell er in der Bundesliga Fuß fassen kann. Dass beide Neuen während der Vorbereitung mit kleineren Blessuren zu kämpfen hatten und aus dem Rhythmus gebracht wurden, dämpfte die Euphorie im Umfeld merklich. Ebenso wie die Tatsache, dass neben Weiser in Jens Stage (Belastungsreaktion im Fuß) ein zweiter Leistungsträger und Führungsspieler auf unabsehbare Zeit ausfällt.
Werder Bremen fehlt dadurch der Antreiber im Mittelfeld. Auch wenn Leonardo Bittencourt seinen Job auf der Doppelsechs in der Vorbereitung ordentlich erfüllt hat – mit Bordmitteln kann der Kader das Fehlen von Stage nicht kompensieren. Immerhin: Mit dem Dänen planen können die Bremer vermutlich über den Sommer hinaus, als sicherer Verkaufskandidat gilt er wegen seiner Verletzung nicht mehr. Anders Romano Schmid. Der Österreicher ist nach wie vor die heißeste Aktie des Aufgebots, Anfragen oder gar Angebote liegen für ihn aber weiterhin nicht vor, was die Planungen erschwert. Aus sportlicher Sicht ist der Zeitpunkt nicht mehr allzu fern, an dem er nicht mehr abgegeben werden darf, weil kein angemessener Ersatz mehr verpflichtet werden kann. Anders formuliert: Ohne Schmid, der gegen Udinese noch einer der auffälligeren war, kommt das Offensivspiel des aktuellen Teams komplett zum Erliegen.
Trainer Horst Steffen setzt im Tor des SV Werder Bremen weiter auf Stammkeeper Michael Zetterer
Viele Baustellen also am Osterdeich, die sich vor dem Pflichtspielauftakt bei Arminia Bielefeld nicht alle in Luft auflösen werden. So betrachtet ist die Entscheidung von Cheftrainer Horst Steffen nachvollziehbar, im Tor weiterhin auf den erfahreneren Michael Zetterer anstatt auf Top-Talent Mio Backhaus zu setzen. Eine gute Vorbereitung gespielt haben beide Keeper, sportlich hätte Backhaus den Sprung fraglos verdient gehabt. Und doch ist es angesichts der aktuellen Umstände sinnvoll, die Mannschaft nicht mit noch mehr Umstellungen und offen Fragen zu konfrontieren, sondern auf Bewährtes zu setzen. Schwer genug werden dürfte der Start am Freitag (20.45 Uhr, live im TV) in Bielefeld ins neue Jahr für den SV Werder Bremen auch so schon. (dco)
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