DeichStube-Interview
Nick Woltemade im DeichStube-Interview: Hat Werder Bremen bei ihm etwas versäumt?
Nick Woltemade spricht im DeichStube-Interview über das Wiedersehen mit dem SV Werder Bremen, seine Entwicklung und die Frage, ob Werder bei ihm etwas versäumt hat.
Bremen – Nick Woltemade begeistert die Liga, der ehemalige Offensivspieler des SV Werder Bremen reiht bei seinem jetzigen Club VfB Stuttgart eine auffällige Leistung an die nächste. Viel wird deshalb über den 23-Jährigen gesprochen – gern auch mal populistisch und mit dem Hang zu platten Stammtischparolen -, die DeichStube spricht lieber mit dem gebürtigen Bremer. Im exklusiven Interview verrät Woltemade vor dem direkten Duell am Sonntag (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) unter anderem, ob sich Werder tatsächlich so schlecht um ihn gekümmert und bemüht hat, wie immer gern behauptet wird.
VfB-Stuttgart-Profi Nick Woltemade im DeichStube-Interview über das Wiedersehen mit Werder Bremen
Beim Spiel gegen Werder in der Hinrunde haben Sie Ihrem guten Kumpel Michael Zetterer kurz vor Schluss fast noch das 3:2 eingeschenkt. Wie lange war die Szene hinterher zwischen Ihnen noch Thema?
Kurz nach dem Spiel war es tatsächlich noch sehr präsent. Ich hätte den Ball gern noch reingeschossen, weil ich das aus der Position eigentlich ganz gut kann. Aber so hat Zetti sich dann gefreut. Ich hoffe, dass ich dann an diesem Wochenende treffe.
Ist er auch der Ex-Teamkollege, mit dem Sie sich am häufigsten vor dem jetzigen Spiel austauschen oder gibt es da noch andere?
Mit Zetti habe ich eigentlich immer Kontakt, aber auch mit Marco Friedl oder Tony Jung habe ich gequatscht. Mit Leonardo Bittencourt und Mitchell Weiser auch. Es gibt also noch recht viel Kontakt.
Was erwarten Sie für ein Spiel am Sonntag?
Ich glaube, dass es Fußball auf einem sehr guten Niveau zu sehen geben wird. Es treffen zwei Mannschaften aufeinander, die auf jeden Fall kicken wollen. Wir haben eine sehr erfolgreiche Woche hinter uns, auch Werder hat gegen Frankfurt gut ausgesehen. Beide Teams werden mit viel Selbstvertrauen auflaufen, in Kombination mit der Qualität der Spieler ist da viel Platz für ein gutes Spiel.
Schauen Sie denn Werders Spiele, wenn es die Zeit zulässt?
Auf jeden Fall. Es sind ja immer noch Jungs da, mit denen ich mich sehr gut verstehe und viel erlebt habe.
Es schlagen also jetzt zwei Herzen in Ihrer Brust?
Das war eigentlich schon immer so. Ich hatte schon immer eine enge Verbindung zu beiden Vereinen und deshalb ist es so schön, dass diese beiden Clubs – mit dem Zwischenschritt Elversberg – meine ersten beiden großen Stationen sind.
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Nick Woltemade über Europapokal-Chancen für Werder Bremen und den Pokal-Traum des VfB Stuttgart
Geht es am Ende für beide Teams nach Europa?
Hoffentlich. Wir müssen und wollen Spiele gewinnen – dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Tabelle nach oben geht. Für Werder würde ich mir auch wünschen, dass es klappt. Im letzten Jahr war es ja sehr knapp. Ich hoffe wirklich, dass am Ende der VfB und Werder europäisch vertreten sind.
Für Sie und Ihre Mannschaft gibt es noch die Bonuschance im DFB-Pokal-Finale. Haben Sie schon bei Ihren ehemaligen Mitspielern nachgehakt, wie man auf keinen Fall gegen Bielefeld spielen sollte?
Nein, da frage ich nicht extra nach. Man hat gesehen, was Bielefeld leisten kann – in jeder Runde wurde ein Erstligist rausgeworfen. Das ist Aussage genug. Es wird ein Riesenerlebnis für uns, bei dem du gar keine Möglichkeit hast, darüber nachzudenken, dass gegen einen Drittligisten gespielt wird. Wir werden so oder so mit voller Power spielen müssen.
Kommen wir zu Ihnen persönlich: Können Sie eigentlich so richtig glauben, was innerhalb der vergangenen zwölf Monate alles passiert ist?
Es war wirklich sehr viel. Das ist natürlich genau die Situation, die ich mir erhofft und erwünscht habe – aber sie ist auch sehr extrem eingetreten. Es waren verrückte zwölf Monate und ich genieße den Moment, aber ich habe in den vergangenen Wochen und Monaten auch sehr hart dafür gearbeitet. Ich werde alles daransetzen, dass es so weitergeht.
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Was haben Sie genau investiert und vielleicht anders als vorher zu Bremer Zeiten gemacht?
Ich bin raus aus Bremen, meinem gewohnten Umfeld. Das war generell ein Schritt für mich, der zwar groß, aber auch sehr wichtig war. Natürlich gab es dann am Anfang beim VfB auch Entscheidungen – wie etwa die Nichtnominierung für die Champions League -, nach denen man denkt, dass man noch mehr machen muss. Ich habe viel auf athletischer Ebene getan, wodurch mein Spiel viel sicherer geworden ist. Insgesamt habe ich viel mit dem Trainerteam gearbeitet, bei Video-Sitzungen oder auf dem Platz. Das alles hat mich zu dem Punkt gebracht, an dem ich jetzt bin.
Kommt diese Leichtigkeit, die Ihr Spiel derzeit auszeichnet, dann ganz automatisch?
Selbstvertrauen tut jedem Spieler gut. Ich habe davon sehr viel in den letzten Monaten gesammelt. Auch in Bremen ist es in meinen letzten Monaten damals schon besser geworden, als ich viel Spielzeit hatte. Es kommen aber auch eine enorme fußballerische Qualität innerhalb des Kaders und das starke Coaching hinzu, das wir hier beim VfB haben. So ergibt sich ein Gesamtpaket, das mir sehr guttut.
Sie haben die Qualität angesprochen: Spielt es eine entscheidende Rolle, dass Sie nun in einer Mannschaft sind, die nicht nur anders spielt, sondern auch besser besetzt ist?
Wir haben auch in Bremen eine sehr gute Mannschaft gehabt. Wenn man jetzt vor allem auf die Expected-Goals-Werte und sonstige Statistiken schaut, ist es sicherlich so, dass wir beim VfB mehr Aktionen im gegnerischen Sechzehner haben. Ich würde trotzdem nicht sagen, dass dies der ausschlaggebende Punkt ist. Bei Werder haben wir auch schon daran gearbeitet, die Wahrscheinlichkeit für mich zu erhöhen, mehr Tore zu schießen. Das hat also nicht allein mit dem VfB zu tun, sondern ist auch schon in Bremen passiert. Bei Werder wurde auch gut gearbeitet, da wurde mir genauso auf die Finger geschaut. Jetzt ist zwar der Ertrag höher, aber das ist alles ein Prozess, den ich in Bremen schon gestartet habe.
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Viele Fans und Experten kritisieren dennoch immer wieder, dass Werder sich um Sie nicht genug gekümmert und später bemüht hätte – weshalb es zum Wechsel kam. War das auch Ihr Empfinden?
Nein, das war gar kein Grund für mich. Der Hauptgrund war wirklich, dass ich etwas Neues erleben wollte. Natürlich war ich dann sehr glücklich, dass ausgerechnet der VfB angeklopft hat, der für eine bestimmte fußballerische Qualität steht und zu dem ich eine besondere Bindung habe. Und selbstverständlich hat man mir hier einen Plan für mich aufgezeigt und mir gesagt, was man mit mir vorhat. Das hat man bei Werder aber ganz genauso. Dort wurde sich genauso gut um mich gekümmert, ich hatte nie ein schlechtes Gefühl in Bremen. Im Gegenteil. Es gab ein sehr gutes Angebot von Werder, aber ich wollte diesen Schritt einfach machen.
Unter dem Strich hatte Werder also gar keine richtige Chance?
Ich habe damals in Elversberg gemerkt, wie gut es mir getan hat, etwas Neues zu erleben. Im vergangenen Jahr gab es dann wieder den Punkt, wo ich eine neue Herausforderung wagen wollte. Und das habe ich dann getan.
Haben Sie eigentlich das Gefühl, dass die Wertschätzung für Ihre Person in Bremen jetzt größer ist als zu der Zeit, als Sie noch hier gespielt haben?
Wenn jemand in einer anderen Mannschaft spielt und dort viele Tore schießt, kann jeder ganz einfach hinterher sagen, dass er das von Anfang hat kommen sehen. Und ja, wahrscheinlich tun das gerade sehr viele. Bei Werder haben Ole Werner oder Clemens Fritz aber die ganze Zeit sehr viel von mir gehalten und an mich geglaubt. Dass es hier beim VfB nun sportlich besser läuft, hat mit mehreren unterschiedlichen Faktoren zu tun, die ich schon erwähnt habe.
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Sie haben in der Vergangenheit schon öffentlich erwähnt, dass Sie Fan-Äußerungen wie „Stolpermade“ damals sehr gekränkt haben. Ist bei Ihren jetzigen Leistungen auch ein Stück weit Genugtuung dabei?
Nein, wirklich Nullkommanull. Das gehört zum Fußball dazu, auch wenn man sich daran erst einmal gewöhnen muss. Es war damals das erste Mal, dass es negative Kommentare in meine Richtung gab, denn ich hatte vorher in der Jugend gespielt und viele Tore erzielt. Dort kannte ich das nicht. Doch von mir gibt es da überhaupt keine Kritik. Die Werder-Fans haben mich immer sehr unterstützt und ich hatte auch nach meinem Wechsel nicht das Gefühl, dass es mir niemand gönnen würde, dass ich nun für den VfB spiele. Bei Social Media schreiben mir immer noch viele Werder-Fans und sagen, dass sie stolz auf mich sind. Das freut mich sehr.
Hat sich Julian Nagelsmann eigentlich schon bei Ihnen gemeldet?
Nein.
Warten Sie auf einen Anruf?
Ich empfinde das Warten auf bestimmte Situationen immer als etwas komisch. Ich lebe lieber im Moment und genieße ihn. Und wenn ich weiter an mir arbeite, dann wird es vielleicht irgendwann kommen. Aber deswegen warte ich jetzt nicht auf einen Anruf. Ich freue mich sehr auf die U21-EM im Sommer, alles andere wird kommen, wie es kommen soll. (mbü)
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