Ex-Werder-Profi im DeichStube-Interview

„Ich habe beim BVB einen Torschuss pro Spiel weniger als bei Werder“: Niclas Füllkrug über seine Rolle in Dortmund und seine Rückkehr nach Bremen

Niclas Füllkrug (links) spricht im Interview mit DeichStube-Reporter Björn Knips über seine Rolle beim BVB, Vergleiche mit Erling Haaland und das Duell mit Borussia Dortmund gegen Ex-Club Werder Bremen.
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Niclas Füllkrug (links) spricht im Interview mit DeichStube-Reporter Björn Knips über seine Rolle beim BVB, Vergleiche mit Erling Haaland und das Duell mit Borussia Dortmund gegen Ex-Club Werder Bremen.

Niclas Füllkrug spricht im DeichStube-Interview über seine Rolle beim BVB, Vergleiche mit Erling Haaland und das bevorstehende Duell mit Borussia Dortmund gegen seinen Ex-Club Werder Bremen.

Dortmund – Seit einem halben Jahr trägt Niclas Füllkrug nun schon Schwarz-Gelb, aber in dieser Woche taucht der Stürmer noch einmal in die grün-weiße Welt ein. Im Medienraum des Trainingsgeländes von Borussia Dortmund spricht der Nationalspieler in einem exklusiven Interview mit der DeichStube über die Partie am Samstag bei seinem Ex-Club Werder Bremen (18.30 Uhr/DeichStube-Liveticker). Der 31-jährige Angreifer des BVB, der von 2006 bis 2013 und von 2019 bis 2023 für die Norddeutschen gespielt hat, freut sich dabei über die Entwicklung von Werder und ärgert sich über die Kritik an Marvin Ducksch.

Niclas, was dürfen Sie überhaupt nicht vergessen, wenn Sie am Freitag und Samstag mal wieder in Bremen sind?

,Grosso’ umzugrätschen oder mindestens einmal Kopf-an-Kopf mit ihm zu stehen. (lacht).

Wer muss sich neben Christian Groß noch warm anziehen?

Keiner! Ich möchte mich aber unbedingt noch bei der Ostkurve bedanken. Es tut mir wirklich leid: Ich habe diese tolle Geste im Hinspiel mit dem Banner ,Danke für deinen Einsatz, Lücke!’ leider im Stadion nicht gesehen. Das wäre ein mega schöner Moment für mich gewesen. Den würde ich gerne nachholen. Ich freue mich wirklich sehr auf das Stadion, die Fans und das ganze Umfeld in Bremen.

Haben Sie keinen Bammel?

Ne, null. Warum auch? Ich kann mir nicht vorstellen, dass da etwas Negatives kommt.
 
Aber es könnte vielleicht emotional schwierig werden.

Nein, das glaube ich nicht. Ich komme doch in ein gewohntes Umfeld zurück, ich habe bestimmt 100 Spiele dort gemacht. Die Stimmung ist immer top. Im Weserstadion machen alle mit und sorgen für ein ganz besonderes Flair.

BVB-Star Niclas Füllkrug im Interview über Duell gegen Werder Bremen: „Ich muss gar nicht so viele Karten besorgen“

Was werden Sie dem BVB-Busfahrer raten: Direkt die Rampe runter mitten durch die Werder-Fans oder den ruhigeren Schleichweg?

Osterdeich lang, Rampe runter – das ist doch klar.

Und dann geht es für Sie in die Gäste-Kabine.

Die kenne ich, weil ich zwei Mal mit Hannover in Bremen gespielt habe.

2017 gab es eine 0:4-Klatsche und 2018 ein 1:1.

Beim 0:4 habe ich aber nicht von Anfang an gespielt (lacht). Das war damals auch eine andere Situation. Jetzt bin ich viel weiter. Es liegen ganz intensive Jahre in Bremen hinter mir – eine unglaubliche Berg- und Talfahrt. Wir haben so viel erlebt, das prägt enorm.

Auf wen freuen Sie sich am meisten?

Christian Groß, den Physio Florian Lauerer, mit dem ich viel gearbeitet habe – auch in den nicht so schönen Jahren. Marvin Ducksch natürlich, wir telefonieren wirklich oft. Leonardo Bittencourt, eigentlich die ganzen Jungs – und das Trainerteam, den Zeugwart, den ganzen Staff.

Mussten Sie viele Karten besorgen?

Gar nicht so viele. Meine Frau und meine Kleine werden natürlich da sein. Das ist für sie ein Stück Erinnerung. Unsere Tochter Emmi ist in Bremen geboren. Wir wohnen zwar in Dortmund, haben aber auch noch unser Haus in Bremen.

Sie werden vor dem Spiel offiziell verabschiedet, ein guter Zeitpunkt?

Ja klar. So eine Verabschiedung ist quasi der letzte Akt und gehört dazu. Ich werde immer Fan dieser Mannschaft und dieses Vereins sein.

Schon gelesen? So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen Borussia Dortmund aussehen!

BVB-Star Niclas Füllkrug im Interview über einen möglichen Torjubel gegen Werder Bremen: „Ich halte nichts von dem Nicht-Jubeln“

Tragen Sie eigentlich noch Ihre Werder-Schienbeinschoner?

Ja, aber von Werder ist da nix mehr zu sehen. Die sind so alt, da hat sich vorne die Folie gelöst. Jetzt sind sie komplett gelb – ein passender Zufall.

Was machen Sie, wenn Sie am Samstag ein Tor schießen?

Ich gebe ehrlich zu: Ich halte nichts von dem Nicht-Jubeln. Man schießt doch ein Tor nicht, um dem Gegner zu schaden, sondern um die eigene Mannschaft nach vorne zu bringen. Deswegen habe ich immer gesagt, ich würde jubeln, und habe mich geärgert, wenn andere eine stille Show abgezogen habe. Aber je mehr ich mich da reindenke und im Weserstadion stehen sehe, desto schwieriger wird es. Mein Respekt und die Dankbarkeit dem Verein und den Menschen gegenüber ist enorm. Deswegen glaube ich nicht, dass ich jubeln werde.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung Ihrer Ex-Mannschaft, die aktuell auf Platz acht steht?

Ich muss ehrlich sagen: Es ist schon verrückt, wie gut sich die Mannschaft entwickelt hat. Es gab Momente in der Hinrunde, da hätte man damit eher nicht gerechnet. Mittlerweile hat man eine Punkteausbeute, die Wahnsinn ist. Die Mannschaft bringt eine Topleistung und hat gemeinsam mit dem Trainerteam einen guten Job gemacht.

Verrückt passt ganz gut: Da verliert die Mannschaft mit Ihnen den Torschützenkönig der Bundesliga und spielt trotzdem um Europa mit.

Das ist absolut bemerkenswert. Ich weiß nur nicht, ob es richtig ist, das Thema Europa so groß zu machen. Die Mannschaft hat viel von Demut gelebt – und nicht von einer großen Klappe. Wenn du dir so ein großes Ziel setzt, kannst du auch wieder etwas verlieren. Es ist nicht so einfach, damit umzugehen. Aber die Jungs werden das schon machen.

BVB-Star Niclas Füllkrug über Werder Bremens Marvin Ducksch: „Ich finde es traurig, dass ,Duckschi’ so negativ gesehen wird“

Einer hat dabei gerade bei einigen Fans einen schweren Stand und daran ordentlich zu knabbern: Marvin Ducksch. Wie verfolgen Sie das?

Ich finde es traurig, dass ,Duckschi’ so negativ gesehen wird, weil er seit Jahren sicher scort und alles dem Fußball unterordnet, wenn auch auf seine etwas eigene Weise.

Ihm wird zum einen vorgeworfen, dass er nicht in die Zweikämpfe geht und sehr körperlos spielt.

Das wird ihm ja seit Jahren regelmäßig vorgeworfen. Kann ich persönlich nicht verstehen, aber gut . . .

Das andere ist seine Körpersprache.

Jeder Mensch ist anders. ,Duckschi’ hat gemeinsam mit Werder viel an diesem Thema gearbeitet, weil er da selbstkritisch genug ist. Aber in emotionalen Momenten auf dem Platz vergisst man so etwas gerne mal, das kennt doch jeder. ,Duckschi’ geht es in solchen Situationen einzig und allein um den Erfolg, er will das Tor schießen, das Spiel gewinnen. Da ist man schon mal gefrustet, wenn der Kollege nicht abgespielt hat. Ich finde, das wird bei ihm viel zu eng gesehen. Er ist einfach ein super Fußballer! Das sollte man nie vergessen – und eines würde ich gerne grundsätzlich mal dazu sagen.

Was?

Du richtest als Fußball-Profi die ganze Woche darauf aus, am Wochenende ein gutes Spiel zu machen. Du haust dich voll im Training rein, du lebst gesund und tust wirklich alles, um deine bestmögliche Leistung abrufen zu können. Dann gehst du auf den Platz – mal ohne, mal mit Schmerzen. Du opferst dich komplett auf. Der Fan sieht aber nur: Der gewinnt keine Zweikämpfe, der spielt nicht gut, der macht das Tor nicht. Wir versuchen aber wirklich alles. Und wenn ich im BVB-Trikot auflaufe, dann möchte ich von den Fans gemocht werden. Das bedeutet mir was. Und genau so geht es ,Duckschi’ auch – und vielen anderen Profis sicher ebenfalls. Das Schönste am Fußball ist doch, wenn es ein Miteinander ist.

Neulich forderte die „Bild“-Zeitung nach der 2:3-Heimniederlage gegen Hoffenheim mehr „Grips statt Bizeps“ in Anlehnung an Ihren Torjubel. Was macht das mit Ihnen?

Nichts. Darüber kann ich lächeln, weil ich weiß, wie die Schlagzeile bei einem Sieg ausgesehen hätte. Dann wäre der Bizeps-Jubel abgefeiert worden. Nico Schlotterbeck und ich jubeln so gemeinsam und werden das beibehalten. Wer ein Problem damit hat, kann ja weggucken (lacht).

In Bremen waren Sie der Star, wie ist Ihre Rolle beim BVB?

Das sollen andere beurteilen. Ich bin am vorletzten Tag des Transferfensters zum BVB gekommen, habe dann schnell immer von Anfang an gespielt. Das zeigt, dass ich der Mannschaft auf dem Platz etwas geben und vorangehen kann. Als Stürmer hilft man natürlich am meisten mit Scorern.

So sehen Fans das Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund live im TV und im Livestream!

Niclas Füllkrug: „Ich habe durchschnittlich beim BVB einen Torschuss weniger pro Spiel als bei Werder Bremen“

Davon haben Sie bislang in der Bundesliga 19 gesammelt, elf Tore, acht Assists. Nur ein gewisser Erling Haaland war in seinen ersten 22 BVB-Spielen erfolgreicher.

Die Statistik finde ich gut, vor allem, wenn man sieht, dass wir es in dieser Saison noch nicht geschafft haben konstant gute Leistungen abzurufen und auch mal zu bestätigen. Aber der Vergleich mit Erling ist mir schon etwas zu groß. Ich werde versuchen, meine Quote am Leben zu halten, das wäre gut.

Aber hätten Sie nach Ihrem Wechsel nicht damit gerechnet, als Torschützenkönig der Vorsaison durch mehr Ballbesitz eines Topclubs noch mehr Treffer zu erzielen?

Ich habe dazu gerade eine interessante Statistik gesehen: Ich habe durchschnittlich beim BVB einen Torschuss weniger pro Spiel als bei Werder. Das sind 34 weniger pro Saison.

Woran liegt das?

Es kommt immer darauf an, was man aus dem Ballbesitz macht. Und natürlich hast du beim BVB auch Mitspieler, die sich viel mehr in Szene setzen. Mein Spiel hat sich auch dadurch verändert.

Sie haben in Ihrer bisherigen Bundesliga-Karriere in rund 130 Spielen zehn Tore vorbereitet, hier beim BVB sind es schon acht. Was ist noch anders in Dortmund?

Der BVB ist ein sehr familiärer Verein, da gibt es viele Parallelen zu Werder. Aber hier ist alles viel größer und internationaler. Das hat den Vorteil, dass sich mein Englisch wieder verbessert hat (lacht). Es ist hier einfach ein anderes Pflaster, die Erwartungen sind viel höher, hier muss wirklich jedes Spiel gewonnen werden. Und natürlich ist die Champions League einfach ein toller Wettbewerb. Das macht richtig Spaß.

Ex-Werder-Bremen-Profi Niclas Füllkrug über Christian Groß: „Ich schätze ihn extrem“

Viel Spaß hatten Sie in Bremen immer auch mit Christian Groß. Am Montag hat er sein Karriereende für den Sommer angekündigt . . .

. . . und mir das schon viel früher gesagt (lacht). Wir sind sehr gut befreundet und telefonieren fast jede Woche. Ich schätze ihn extrem. Er war der Einzige, der mich auf dem Platz anschreien durfte, wie er wollte (lacht). ,Grosso’ ist einer der unterschätztesten Spieler der Liga und sollte eine wahnsinnige Wertschätzung bekommen für das, was er für den Verein geleistet hat. Als Spieler habe ich mich immer sehr gut gefühlt, wenn er mit auf dem Platz war. Er ist menschlich überragend und wird der Mannschaft ab Sommer sehr fehlen.

Frank Baumann hat zum Saisonende seinen Abschied als Geschäftsführer angekündigt, bringen Sie ihm ein Geschenk mit?

Nein, das nicht. Mit ,Baumi’ habe ich wirklich sehr viel erlebt und möchte ihm zu seiner Zeit bei Werder gratulieren. Mit Clemens Fritz hat man einen sehr guten Nachfolger gefunden.

Mit dem Sie einst in Darmstadt ziemlich aneinander geraten sind.

Aber solche Sachen passieren nur mit Menschen, die besonders sind, zu denen man auch ein besonderes Vertrauensverhältnis hat. Ich schätze Clemens sehr, er mich glaube ich auch. Für diesen Job bei Werder kann es aktuell keinen Besseren geben als Clemens. Er ist so gut eingearbeitet, hat das Know-how, kennt die Mannschaft, den Trainer, den Verein und die Stadt, so gut wie kein anderer der verfügbaren Kandidaten. (kni)

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