Nachbericht zur Werder-Pleite gegen Hoffenheim

Werder Bremen braucht mehr als nur eine gute Phase, aber geht das überhaupt?

Bei der Niederlage gegen die TSG Hoffenheim haderte der SV Werder Bremen um Trainer Ole Werner, insbesondere mit der eigenen Chancenverwertung.
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Bei der Niederlage gegen die TSG Hoffenheim haderte der SV Werder Bremen um Trainer Ole Werner, insbesondere mit der eigenen Chancenverwertung.

Der Höhenflug des SV Werder Bremen wurde gegen die TSG Hoffenheim jäh beendet. Dürfen die Bremer dennoch weiter von Europa träumen? Der Nachbericht zur Niederlage.

Sinsheim – Als Pellegrino Matarazzo nach dem 2:1-Sieg seiner TSG Hoffenheim gegen den SV Werder Bremen zu den Chancen auf eine Europa-Qualifikation gefragt wurde, da reagierte der Coach ziemlich deutlich, was auch in Bremen nicht unerhört bleiben sollte. Denn bei all den Träumen nach dem bisherigen Höhenflug in der Rückrunde zeigten die letzten beiden Partien eben auch, dass Werder noch nicht so weit ist, aktiv um das internationale Geschäft mitzuspielen. Was allerdings nicht bedeutet, dass keine Chance auf den großen Coup besteht, denn phasenweise kann Werder sehr wohl Akzente setzen, braucht aber eben auch günstige Fügungen – und dabei vor allem mehr Effektivität im Angriff.

Werder Bremens Ole Werner nach Niederlage gegen die TSG Hoffenheim: „Es war mehr drin als ein Punkt“

„Man muss auch mal schauen, wo wir herkommen. Vor genau einem Jahr waren wir auf dem 18. Platz“, erinnerte Matarazzo auf der Pressekonferenz nach der Partie in der Sinsheimer PreZero-Arena und fügte nicht minder mahnend an: „Die TSG hat sich in ihren 15 Jahren Bundesliga drei Mal für Europa qualifiziert und landet im Schnitt zwischen Platz neun und elf. Da sollte man mal die Kirche im Dorf lassen.“ Was vom Bild her zwar ganz gut zur geografischen Lage der Hoffenheimer passte, aber nicht zu den finanziellen Möglichkeiten und der damit verbundenen Qualität des Kaders. Das Branchenportal „transfermarkt.de“ schätzt den Kaderwert der TSG auf 133,65 Millionen Euro, den von Werder Bremen auf 94,70 Millionen. Dabei mussten die Gäste am Sonntag in der Abwehr auch noch auf ihre wertvollsten Spieler verzichten. Marco Friedl, Milos Veljkovic, Niklas Stark und Amos Pieper sind allesamt verletzt. Als Stammkraft ist nur noch Anthony Jung übriggeblieben, der mit „Oldie“ Christian Groß (35) und dem gerade erst verpflichteten und zudem noch jungen Argentinier Julian Malatini (22) die Abwehr bildete. „Es war für die Kette heute nicht so einfach – gerade bei dem Tempo des Gegners“, urteilte denn auch Ole Werner. Der Coach wollte ob der Ausfälle in der Defensive aber nicht klagen.

Werner geht es stets um Realismus. Er mag diese emotionalen Ausschläge nach oben und unten in der Bewertung der Spiele nicht. Wenngleich er selbst das Pendel bei der Betrachtung des Gastspiels im Kraichgau vielleicht etwas zu sehr ins Positive ausschlagen ließ. „Es war kein schlechtes Auswärtsspiel von uns, eine ordentliche bis gute Leistung. Wir haben gerade mit dem Ball in vielen Situationen richtig gut Fußball gespielt – speziell in der ersten Halbzeit“, meinte Ole Werner und legte sich fest: „Spielentscheidend war, dass wir in unserer guten Phase vor der Pause unsere guten Torchancen nicht nutzen. Es war mehr drin als ein Punkt.“

Werder Bremens Marvin Ducksch hadert mit Chancenverwertung: „Da waren Riesendinger dabei“

Dem widersprach Matarazzo deutlich: „Unser Sieg war verdient.“ Und objektiv betrachtet lag der TSG-Coach damit auch richtig. Denn bis auf eine gute Viertelstunde nach dem frühen 0:1 durch den kaum zu stoppenden Maximilian Beier (8.) und eine wilde Schlussphase nach der Gelb-Roten Karte von Hoffenheims Marius Bülter war das offensiv von Werder Bremen zu wenig. Vieles blieb in Ansätzen stecken, vorne fehlte die Harmonie und hinten wurde es sofort gefährlich, wenn die Hoffenheimer das Tempo anzogen. Trotzdem hätte Werder tatsächlich punkten können, wenn die Chancen genutzt worden wären – vor allem zwei Mal von Felix Agu. Auch Marvin Ducksch vergab gute Gelegenheiten, scheiterte dabei ein Mal am Pfosten. Und in der Schlusssekunde schob Leonardo Bittencourt die Kugel am Tor vorbei. „Da waren schon Riesendinger dabei, vielleicht fehlte da der wirkliche Wille“, spekulierte Ducksch, wollte aber niemandem einen Vorwurf machen.
 
So schaffte es als einziger Bremer nur Skelly Alvero mit seinem späten Anschlusstreffer auf die Anzeigetafel. Dort hatte sich Beier schon vor der Pause zum zweiten Mal platziert. Und wenn Werder-Keeper Michael Zetterer nicht so überragend gehalten hätte, wäre die Liste der Hoffenheimer Torschützen noch länger gewesen. Die mühsam erworbene defensive Stabilität ist am Sonntag etwas verloren gegangen. Sie wird aber dringend wieder gebraucht. Denn am Samstag steht den Bremern eine wohl noch schwierigere Aufgabe bevor. Doch Ole Werner schaltete – etwas ungewöhnlich für ihn – schon in Hoffenheim in den Vorfreude-Modus: „Wir freuen uns auf Dortmund, das ist ein geiles Spiel. Wir haben schon gezeigt, dass wir solche Mannschaften nicht nur ärgern, sondern auch gegen sie punkten können.“ Gelingt das, bleibt Europa tatsächlich ein Thema, das von Werder Bremen ganz entspannt angegangen werden kann. Der Druck liegt bei den Hoffenheims und Co., wie Matarazzos Versuch, die eigenen Ansprüche kleinzureden, verdeutlichte. (kni)

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