Werder-Präsident redet Klartext

„Werder ist mein Leben“: Präsident Hess-Grunewald über Mitglieder-Boom und Zukunftspläne

Hubertus Hess-Grunewald spricht über den Mitglieder-Boom beim SV Werder Bremen, seine Präsidentschaft und Zukunftspläne bei den Grün-Weißen!

Bremen – Am Samstag ist es genau ein Jahr her, dass der SV Werder Bremen offiziell die Mitgliederkampagne „WER liebt, DER zeigt“ gestartet hat. Damals hatte der Verein knapp weniger als 50.000 Mitglieder und erhoffte sich durch die neuen Vorzüge des Engagements einen deutlichen Zuwachs. Im August 2025 bilanziert Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald im Gespräch mit der DeichStube den Erfolg der Aktion und verkündet erfreut: „Aktuell haben wir über 64.000 Mitglieder. Die Mitgliederzahlen haben sich außerordentlich erfreulich entwickelt.“

Club-Präsident Hubertus Hess-Grunewald hofft, dass der SV Werder Bremen langfristig mehr als 100.000 Mitglieder zählt.

Präsident Hubertus-Hess-Grunewald verrät: Der SV Werder Bremen hat aktuell über 64.000 Mitglieder

Maßnahmen wie das Stimmrecht für alle Voll- und Fördermitglieder oder auch eine vereinfachte Beitragsstruktur hätten laut dem 64-Jährigen dazu beigetragen, die Attraktivität der Mitgliedschaft beim SV Werder Bremen auch in materieller Hinsicht deutlich zu steigern. „Am wichtigsten ist es aber, die Menschen emotional zu erreichen – und das ist uns mit der Kampagne ‚WER liebt, DER zeigt‘ sehr gut gelungen“, so Hubertus Hess-Grunewald. Besonders bemerkenswert bei den aktuellen Zahlen: Jedes Jahr werden zum 30. Juni, dem offiziellen Saisonende, rund 2.500 bis 3.000 Mitglieder unter anderem wegen ausbleibender Zahlungen aus der Kartei gestrichen. Diese Austritte sind in die aktuellen Zahlen bereits eingerechnet.

Am Ziel sieht man sich bei Werder Bremen in Sachen Mitgliedersteigerung trotzdem noch lange nicht. „Natürlich wäre es schön, wenn wir uns bis zum Ende dieses Kalenderjahres der Marke von 70.000 Mitgliedern annähern“, nennt Hubertus Hess-Grunewald den nächsten anvisierten Zwischenschritt. Seine große Vision für den Verein hatte der Jurist bereits vor einiger Zeit formuliert: die magische Zahl von 100.000 Mitgliedern. „Es ist wichtig zu betonen, dass es sich bei dieser Aussage um eine Vision gehandelt hat. Ich habe dafür damals nicht nur Applaus bekommen, aber die aktuelle Entwicklung der Mitgliederzahlen zeigt, dass diese Vision Schritt für Schritt Realität werden kann“, sagt der Werder-Präsident und betont gleichzeitig: „Ich weiß nicht, wann wir dieses Ziel erreichen, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir diese Vision eines Tages verwirklichen werden.“

Werder Bremens Hubertus Hess-Grunewald: „Tickets sind ein knappes Gut“

Damit der Wunsch irgendwann Realität wird, plant der Club nach Informationen der DeichStube sehr zeitnah, eine sogenannte „Mitgliederkampagne 2.0“ ins Leben zu rufen. Diese soll weitere Aufwertungen der Mitgliedschaft beinhalten, um neben der emotionalen Verbundenheit auch zusätzliche materielle Anreize für Fans des SV Werder Bremen zu schaffen. Einer dieser Anreize ist aktuell schon vorhanden und betrifft die heiß diskutierte Vergabe der Dauerkarten. Vor dieser Saison konnten sich erstmals ausschließlich Mitglieder auf die Interessenliste für eine neue Dauerkarte setzen lassen. „Tickets sind ein knappes Gut. Die Chance, als Mitglied an Tickets zu kommen, ist ungleich größer als für Nicht-Mitglieder“, erklärt Hubertus Hess-Grunewald. Besonders interessant ist dabei der Umstand, dass erstmals die Warteliste auch in der kommenden Saison fortgeführt wird – und nicht wieder gänzlich neu beginnt. Die Chance, als Mitglied über die Wartezeit an eine eigene Dauerkarte zu gelangen, steigt somit.

Einen spürbaren Zuwachs an Mitgliedern im Zusammenhang mit der Dauerkartenvergabe habe man intern zwar registriert, dieser sei laut Hubertus Hess-Grunewald jedoch nicht deutlich höher gewesen als in den Vorjahren. Im Verein wurden jedoch nicht nur viele positive Rückmeldungen zur neuen Vergabepraxis wahrgenommen, sondern auch einige kritische Stimmen. „Ich kann nachvollziehen, dass die Änderung gewohnter Abläufe bei denjenigen, die davon zuvor profitiert hatten, im ersten Moment zu Ärger und Unmut führt“, betont der Präsident des SV Werder Bremen. „Ich habe dennoch eher wahrgenommen, dass die Transparenz und die größere Verteilungsgerechtigkeit überwiegend positiv bewertet wurden.“

Werder Bremens Hubertus Hess-Grunewald: „Wir sind dabei, den Club strategisch gut für die Zukunft aufzustellen“

Transparenz demonstrierte der 64-Jährige kürzlich auch selbst, als er öffentlich erneut betonte, bei den Präsidentschaftswahlen 2026 für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen. „Wir haben den Verein in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und sind dabei, den Club strategisch gut für die Zukunft aufzustellen. Diese Aufgabe sehe ich für mich noch nicht als abgeschlossen an und stehe weiterhin bereit, wenn es gewollt ist“, nennt der gebürtige Vareler die Gründe für seine Entscheidung. Zugleich betont er, was es für eine erneute Kandidatur außerdem braucht – neben der Rückendeckung der Gremien vor allem die Zustimmung der Mitglieder: „Ich habe viel Kontakt zu Mitgliedern – und solange ich dort das Gefühl habe, als ihr Präsident wahrgenommen zu werden, habe ich auch ein gutes Gefühl, diese Aufgabe weiterhin auszuüben.“ Seit 2014 ist Hubertus Hess-Grunewald als Präsident des SV Werder Bremen im Amt, bis 2022 zudem parallel als Geschäftsführer, seit 2023 als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Kaum jemand kennt den Verein so gut wie er. Aus diesem Grund befürwortet er im Falle einer weiteren Amtszeit auch, frühzeitig einen geeigneten Nachfolger einzuarbeiten – im Sinne eines geordneten Übergangs.

Auch wenn bis zur Entscheidung noch Zeit bleibt, laufen im Hintergrund bereits erste Gedankenspiele zur potenziellen Nachfolge. Nach Informationen der DeichStube sind dabei allerdings noch keine konkreten Namen im Gespräch. Das Anforderungsprofil skizziert der amtierende Präsident des SV Werder Bremen wie folgt: „Ein Werder-Präsident muss den Verein authentisch repräsentieren – und dafür braucht man eine enge Verbindung zum Club. Hinzu kommt, dass man in der Doppelfunktion als Aufsichtsratsvorsitzender auch wirtschaftliche Entscheidungen treffen muss“, sagt Hubertus Hess-Grunewald. „Diesen Spagat zwischen Vereinsleben und professionellem Fußballbusiness muss man organisieren – und gleichzeitig in der Lage sein, klare Akzente zu setzen.“ Dass dabei in naher Zukunft auch erstmals eine Frau an der Spitze des Vereins stehen könnte, macht er ebenfalls deutlich: „Aus meiner Sicht ist natürlich auch eine Frau als Präsidentin bei Werder vorstellbar.“

Noch ist Hubertus Hess-Grunewald aber längst nicht am Ende seiner Arbeit beim SV Werder Bremen: „Die Rolle als Präsident prägt mein Leben und ist etwas, mit dem ich mich identifiziere“, Sei mittlerweile genau 55 Jahren ist er Vereinsmitglied und betont: „Werder hat mich sehr geprägt – es bestehen viele Kontakte, die durch den Verein entstanden sind. Insgesamt kann man sagen: Werder ist mein Leben.“ (bvo)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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