Illegale Pyrotechnik

„Repressalien und Strafen helfen höchstens bedingt“: Wie Werder mit der Pyro-Problematik im eigenen Fanblock umgeht

Die Fans des SV Werder Bremen zündeten in der abgelaufenen Saison oft massiv Pyrotechnik. Wie der Club dagegen vorgehen will.
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Die Fans des SV Werder Bremen zündeten in der abgelaufenen Saison oft illegale Pyrotechnik. Wie der Club dagegen vorgehen will.

Der SV Werder Bremen ist vom DFB-Sportgericht allein für die letzte Saison zur Zahlung von 380.500 Euro wegen diverser Vergehen seiner Fans sanktioniert worden. Wie geht der Club das Pyro-Problem an?

Bremen – In den deutschen EM-Stadien hat sich der Song längst seinen Platz erobert. Mehr noch: „Pyrotechnik ist doch kein Verbrechen“ hat das Zeug zur heimlichen Hymne des Turniers. Selbst ausländische Fans stimmen – nicht immer ganz textsicher – in die Zeile mit ein, die in den sozialen Netzwerken durch den Gesang von Niko Thoms alias „Balkonultra“ viral ging. Auch am Ballermann auf Mallorca kommt das Stück richtig gut an. Bei den deutschen Bundesliga-Clubs dürfte das ein wenig anders aussehen. Die Zündeleien im Stadion sind kein Spaßbringer, sondern sorgen bei Werder Bremen und Co. für Unmut – und saftige Strafen. Doch eine Lösung des Problems fällt schwer.

Werder Bremens Anne-Kathrin Laufmann: „Wir können das illegale Abbrennen von Pyrotechnik nicht komplett verhindern“

Der SV Werder Bremen ist vom DFB-Sportgericht allein für die vergangene Saison zur Zahlung von 380.500 Euro wegen diverser Vergehen seiner Fans verdonnert worden. In den beiden deutschen Profiligen bringt den Grün-Weißen das einen unrühmlichen Spitzenplatz in der Strafentabelle ein. Lediglich Eintracht Frankfurt (846.950 Euro), der 1. FC Köln (654.000 Euro) und Hannover 96 (517.440 Euro) wurden noch kräftiger zur Kasse gebeten. Und in den Jahren zuvor hatte Werder auch stets hohe Beträge zu zahlen. Was die Frage aufwirft, wann eigentlich der Punkt erreicht ist, an dem sich der Verein das Abbrennen von Pyrotechnik durch die eigene Anhängerschaft nicht mehr gefallen lassen will. „Aus meiner Sicht ist die Frage falsch formuliert“, entgegnet Anne-Kathrin Laufmann, Werder-Geschäftsführerin der Bereiche Sport und Nachhaltigkeit, im Gespräch mit der DeichStube. „Stand jetzt ist das Abbrennen von Pyrotechnik verboten und von ,gefallen lassen‘ kann man dabei nicht sprechen. Offensichtlich sind die möglichen Maßnahmen nicht wirksam – damit sind wir im Übrigen nicht allein, sondern teilen diese Situation mit zahlreichen anderen Vereinen.“
 
Nun mag geteiltes Leid zwar auch in diesem Fall halbes Leid sein, der Suche nach Abhilfe diente dieser Umstand bislang dennoch kaum. Die Vereine wirken machtlos, weil kleine Gruppen in den Blöcken selbst entscheiden, ob und wann Feuerwerkskörper abgebrannt werden und sie diese obendrein relativ unproblematisch ins Stadion zu bekommen scheinen. Die Rücksicht auf das Empfinden Unbeteiligter oder deren Gesundheit tritt in den Hintergrund. „Wir haben in der aktuellen Lage kein Interesse daran, dass Pyrotechnik illegal bei unseren Spielen abgebrannt wird“, betont Anne-Kathrin Laufmann. „Es gibt einerseits das Instrument der Kontrolle, das wir haben und nutzen. Seit vielen Jahren wird unsere Sicherheitsarchitektur jährlich erfolgreich zertifiziert, dennoch müssen wir so ehrlich sein, dass diese Struktur ihre Grenzen hat. Wir können das unerlaubte Abbrennen von Pyrotechnik nicht komplett verhindern, auch wenn wir dies wollen.“

Illegales Abbrennen von Pyrotechnik - Werder Bremen setzt auf Dialog mit den Fans statt Strafen

Überlegungen zur Besserung der Situation gab es in der Vergangenheit viele, zuletzt machte sich die Bremer FDP-Fraktion für ein kontrolliertes Zündeln in ausgewählten Bereichen ohne die Gefährdung Dritter stark. Aber ist es das, was die Fans wirklich wollen – zumindest die, die auch bisher den Nervenkitzel und die Schönheit des illegalen Feuers auf den Rängen lieben? Werder Bremen setzt deshalb auch auf das gesprochene Wort. „Zum Glück haben wir auch das Instrument des Dialogs. Seit langer Zeit bearbeiten wir das Thema auf unterschiedlichen Ebenen, im Austausch mit anderen Vereinen, Verbänden, Behörden, aber auch mit Fanvertreter*innen“, erklärt Anne-Kathrin Laufmann. Und die 44-Jährige ergänzt: „Es ist wichtig, in dem Thema nicht nur schwarz-weiß zu denken. Einfache Lösungen gibt es bei der Lage leider nicht.“
 
Kostspielige Konsequenzen für die Zuschauer im Weserstadion – selbst dann, wenn sie völlig unschuldig an den Zündeleien sind und nur im direkten Umfeld das Geschehen auf dem Rasen beobachten – drohen aber wohl nicht, um das Geld wieder hereinzuholen. „Ich würde auch für uns ausschließen, dass wir einen Weg wie in Hannover gehen und die Preise für Stehplätze kollektiv für alle erhöhen“, sagt die Geschäftsführerin des SV Werder Bremen. „Das halte ich für kontraproduktiv, weil das Miteinanderreden außer Kraft gesetzt wird. Es geht darum, sich anzunähern und Lösungen zu finden. Repressalien und Strafen helfen an der Stelle höchstens bedingt.“ (mbü/dco)

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