Folgen für DFL und Werder

Wie Werder auf das Urteil im Polizeikostenstreit reagiert: „Es kann nicht sein, dass wir allein die Zeche bezahlen“

Nach zehn Jahren ist das Urteil im Polizeikostenstreit zwischen dem Bundesland Bremen und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) endgültig gefällt. So reagiert der SV Werder darauf!
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Nach zehn Jahren ist das Urteil im Polizeikostenstreit zwischen dem Bundesland Bremen und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) endgültig gefällt. So reagiert der SV Werder darauf!

Nach zehn Jahren ist das Urteil im Polizeikostenstreit zwischen dem Bundesland Bremen und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) endgültig gefällt. Wie Werder Bremen darauf reagiert, welche Probleme auf den Verein zukommen und wie teuer es für den SVW wird - die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Urteil.

Karlsruhe/Bremen – Nach zehn Jahren Rechtsstreit herrscht endlich Klarheit – und zwar endgültig: Am Dienstag entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, dass das Bundesland Bremen die Mehrkosten für Polizeieinsätze, die bei sogenannten Hochrisikospielen entstehen, weiterhin der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Rechnung stellen darf. Die Richter werteten das Vorgehen Bremens als verfassungskonform, was wiederum direkte Folgen für den SV Werder Bremen hat, weil die DFL die entsprechenden Gebührenbescheide seit jeher direkt an den Bundesligisten weiterreicht. Wie der mit dem Urteil umgeht, was er nun vom Ligaverband erwartet – und welche Probleme er auf sich und die gesamte Branche zukommen sieht, zeigen die wichtigsten Fragen und Antworten zum Urteil.

Wie hat Werder Bremen auf das Urteil im Polizeikostenstreit mit der DFL reagiert?

Zunächst einmal respektvoll. Auf diese Feststellung legt Werder-Geschäftsführer Tarek Brauer großen Wert. Der 46-jährige Jurist hat seinen Verein am Dienstag während der Urteilsverkündigung in Karlsruhe vertreten und betont im Gespräch mit der DeichStube: „Wir haben das Urteil des Bundesverfassungsgerichts mit der notwendigen Demut und Respekt zur Kenntnis genommen.“ Anders gewünscht hätte es sich Werder wenig überraschend trotzdem. „Mit dem Ergebnis sind wir natürlich nicht zufrieden. Heute ist kein guter Tag für den SV Werder Bremen und die DFL.“

Die Gebührenordnung, die der Bremer Senat im September 2014 verabschiedet hatte und die seitdem die Grundlage für die Rechnungen an die DFL bildet, nennt Brauer „nicht zielführend“. Sein Hauptkritikpunkt: „Das Gesetz behandelt nur die Symptome, aber nicht den Kern des Problems. Dass es unter gewissen Gruppen von Fußballfans Gewaltpotenzial gibt, ist auch ein gesellschaftliches und politisches Thema, bei dem der Fußball zur Projektionsfläche wird.“ Zudem vertritt Werder Bremen denselben Standpunkt wie die DFL – nämlich, dass das Sorgen für Sicherheit grundsätzlich Aufgabe des Staates sei. Was aus Sicht der Karlsruher Richter bei profitorganisierten Großveranstaltungen aber nicht uneingeschränkt gilt. Letztlich bleibt dem Bundesligisten also nur der Blick nach vorne. „Der Bremer Senat hat uns mit der Gebührenordnung wirklich etwas eingebrockt, von dem wir nun wissen, dass wir damit dauerhaft umgehen müssen“, hält Brauer fest – und betont: „Das Urteil zementiert einen exklusiven Standortnachteil, den wir in Bremen derzeit noch haben.“

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Mit welchen Kosten muss Werder Bremen nach dem Urteil im Polizeikostenstreit rechnen?

Wie hoch sie in Zukunft genau ausfallen werden, lässt sich jetzt noch nicht sagen, denn aktuell ist das nächste Hochrisikospiel am Osterdeich nicht in Sicht. Klar ist nur, dass früher oder später erhebliche Kosten auf den Verein zukommen werden. Bei der Suche nach einer Größenordnung hilft der Blick zurück. Seit 2015 hat der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) der DFL sieben Gebührenbescheide geschickt, deren Gesamthöhe sich auf zwei Millionen Euro beläuft. Die Hälfte davon, sprich rund eine Million Euro, hat der SV Werder Bremen dem Ligaverband bereits zurückerstattet. Drei Rechnungen mit einem erwarteten Gesamtvolumen von einer weiteren Million Euro stehen aktuell noch aus (die bis dato jüngste davon für das Heimspiel gegen den 1. FC Köln im Mai 2023), sodass es insgesamt um drei Millionen Euro geht.

Grundsätzlich habe sich Werder Bremen schon vor längerer Zeit darauf vorbereitet, dass finanzielle Belastungen auf den Verein zukommen können, erklärt Brauer. „In unseren wirtschaftlichen Planungen sind die Kosten längst berücksichtigt. Wir halten Rückstellungen vor, um auf mögliche Rechnungen vorbereitet zu sein. Ein Problem ist, dass vor der Saison nicht immer abzusehen ist, welches Spiel ein Hochrisikospiel werden könnte und welches nicht.“ Das Urteil breche Werder „nicht das Genick, aber der Wettbewerbsnachteil ist eklatant“.

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Nach endgültigem Urteil im Polizeikostenstreit: Wie geht Werder Bremen nun weiter vor?

Rechtlich ist das Thema Polizeikosten seit Dienstag endgültig abgehakt, denn am Urteil des Bundesverfassungsgericht gibt es nichts mehr zu rütteln, eine Revision ist nicht möglich. Was nicht bedeutet, dass sich Werder Bremen geschlagen gibt und in Zukunft brav alle Rechnungen bezahlen will – jedenfalls nicht allein. Der Verein sucht nun den Dialog mit der DFL, möchte intern eine Diskussion anstoßen, wie Brauer erklärt. „Wir fordern eine offene Debatte im Ligaverband über die Veranstalterrolle, die in unseren Augen auch die DFL innehat. Sie ist mindestens Mitveranstalter. Das haben ja auch schon Gerichte festgestellt“, sagt er. Bisher hatte sich der Dachverband stets mit dem Argument, dass Werder alleiniger Ausrichter seiner Heimspiele sei, aus der Affäre gezogen. Damit wollen die Bremer den Verband nicht mehr durchkommen lassen.

Zudem plädiert Werder Bremen dafür, die entsprechenden Gastmannschaften bei Hochrisikospielen mit in die Rechnung einzubeziehen – buchstäblich. Brauer: „Auch müssen wir die Gastvereine in die Diskussion mit reinnehmen, die einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass ein Spiel ein Hochrisikospiel wird.“ Grundsätzlich hält der Geschäftsführer fest: „Es kann nicht sein, dass Werder Bremen am Ende allein die Zeche bezahlt. Im Sinne eines solidarischen Miteinanders und integren Wettbewerbs muss eine Lösung gefunden werden.“

Welche Folgen hat das Urteil im Polizeikostenstreit über Bremen hinaus?

Fest steht: Die Karlsruher Richter haben am Dienstag eine Tür geöffnet – und zwar sehr weit. Ab sofort werden zahlreiche Bundesländer intensiv darüber nachdenken, dem Bremer Modell zu folgen. Was am Ende dabei politisch herauskommt, bleibt abzuwarten. Der Druck der Rechnungshöfe dürfte angesichts von Haushaltslöchern und Finanzengpässen jedenfalls zunehmen. Damit rechnet auch Werder Bremens Geschäftsführer Brauer, der sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir auf der Dauer der einzige Bundesligist bleiben, der zur Kasse gebeten wird.“ Länder wie beispielsweise Niedersachsen, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Hessen hatten vor dem Karlsruher Urteilsspruch nicht ausgeschlossen, dem Bremer Weg zu folgen. (dco)

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