Gegen Kiel zurück zu alter Stärke?
„Gewinnertyp“ mit Formdelle: Was sich Werder-Chefcoach Ole Werner jetzt von Senne Lynen wünscht
Warum Senne Lynen trotz der zuletzt schwachen Leistung in Gladbach für Werder Bremen so wichtig ist und was Trainer Ole Werner vom Sechser verlangt.
Bremen – Zu erkennen war er kaum, denn das schwarze Halstuch hatte sich Senne Lynen am Freitagvormittag bis weit über die Nase gezogen, was angesichts von rauem Wind und winterlichen Temperaturen am Bremer Osterdeich absolut nachvollziehbar war. In welcher Stimmung sich der Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen auf den Weg zum Abschlusstraining vor dem Heimspiel gegen Holstein Kiel (Samstag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) machte, ließ sich so allerdings nicht feststellen. Erst etwas später, auf dem Platz, wurde es aufschlussreicher: Lynen ging enorm konzentriert zu Werke, lachte bisweilen, um dann wieder Gas zu geben.
Kurz: Der Belgier wirkte unverkrampft und gleichermaßen entschlossen, was bei Werder Bremen als gute Nachricht gewertet werden darf. Schließlich hängt im Bremer Spiel eine ganze Menge von Senne Lynen ab. Dass die vergangenen beiden Partien in Paderborn holprig und in Gladbach schlecht verliefen, hatte nicht nur, aber eben auch damit zu tun, dass der 25-Jährige der Mannschaft von der Sechserposition aus nicht die gewohnte Sicherheit geben konnte. „Auch bei ihm gab es Fehler, die man nicht so häufig bei ihm sieht“, sagt Werders Cheftrainer Ole Werner, der darauf setzt und fest davon ausgeht, gegen Kiel wieder den gewohnten Lynen zu sehen.
Nach schwachen Auftritten in Paderborn und Gladbach: Ole Werner stärkt Werder Bremens Senne Lynen
Nach dem 1:4 gegen Gladbach war freilich kein Bremer bester Laune, auch Senne Lynen schlich vom Platz in Richtung Kabine, hatte er doch das 0:1 mit einem schlimmen Fehlpass begünstigt und auch darüber hinaus mehrere unglückliche Aktionen gehabt. „Er wirkte sehr niedergeschlagen nach dem Spiel“, berichtet Werner. „Senne hat einen sehr hohen Anspruch an sich selbst und ist nicht glücklich damit, wenn er unserem Spiel die Ballsicherheit, die er normalerweise hat, nicht geben kann.“ Der Mittelfeldspieler weiß schließlich auch, dass Werder Bremen seine Übersicht und Passgenauigkeit benötigt, um die eigenen Angriffe strukturiert aufbauen zu können. Landen die Bälle stattdessen beim Gegner, kann dieser im Zentrum schnell umschalten, und es droht große Gefahr. Das ist zuletzt häufiger passiert. „Ich habe bei Senne aber nicht das Gefühl, dass ihn das runterzieht“, sagt Werner: „Er ist ein sehr positiver Typ, ein Gewinnertyp, der die Dinge sehr gut einschätzen kann.“
Schlüsselspieler bei Werder Bremen: Warum Senne Lynen für Ole Werner so wichtig ist
Ein Blick auf Lynens Statistiken zeigt, dass er mit seiner bisherigen Saison grundsätzlich zufrieden sein darf. Abgesehen vom Heimspiel gegen Freiburg, das er Anfang Oktober wegen einer Gehirnerschütterung verpasste, stand der gebürtige Antwerpener immer in der Startelf, wartet zwar noch auf Tor oder Vorlage, ist dafür aber in anderen Bereichen wertvoll. Mannschaftsintern weist Senne Lynen mit 86,96 Prozent die drittbeste Passquote auf, vor ihm stehen lediglich die beiden Innenverteidiger Anthony Jung (91,98) und Marco Friedl (94,42), die die Bälle in der Dreierkette naturgemäß oft hin und her schieben können. Auch in Sachen Fleiß macht dem Sechser bei Werder Bremen niemand etwas vor. Mit insgesamt 93,75 zurückgelegten Kilometern ist Lynen einer der Dauerläufer der Mannschaft. Zwar steht Mitchell Weiser mit 99,49 Kilometern noch etwas besser da, hat aber auch ein Spiel mehr als sein Teamkollege absolviert. Es sind Werte, die Cheftrainer Werner natürlich kennt. Sehr wahrscheinlich tragen sie ihren Teil dazu bei, dass er sich trotz Lynens aktueller Formdelle keine Sorgen um seinen Strategen macht.
„Wichtig ist, dass gerade er als Mann vor der Abwehr das nicht allzu lange mit sich herumschleppt und wieder nach vorne guckt“, betont Werner, der Lynen seit dem Gladbach-Spiel auch genauso wahrnimmt: „Es ist einfach so gewesen, dass wir als gesamte Mannschaft nicht die Klarheit hatten, gedanklich zu langsam und technisch zu unsauber waren. Senne hat danach eine gute Trainingswoche hingelegt. Ich glaube nicht, dass ihm noch etwas in den Kleidern hängt.“ Von einem bis weit über die Nase gezogenen Halstuch sollte man sich da also nicht täuschen lassen. (dco)