DeichStube-Interview

„Einen anderen Verein gab es für mich nicht“: Werder-Spielerin Larissa Mühlhaus über das Nordderby, HSV-Bettwäsche und Transfergerüchte

Larissa Mühlhaus vom SV Werder Bremen spricht im DeichStube-Interview über das Nordderby in der Frauen-Bundesliga gegen ihren Ex-Club HSV, Transfergerüchte und die Nationalmannschaft.

Bremen – Zum ersten Mal steigt am Samstag (17.45 Uhr/DeichStube-Liveticker) zwischen den Fußballerinnen des SV Werder Bremen und des Hamburger SV ein Nordderby in der Frauen-Bundesliga. Besonders für Larissa Mühlhaus wird die Partie vor mehr als 30.000 Fans im Weserstadion ein Highlight: Die gebürtige Hamburgerin war im Sommer 2024 vom HSV zum SVW gewechselt. Im Interview mit der DeichStube spricht die 22-jährige Offensivspielerin über das Derby, Transfergerüchte – und HSV-Bettwäsche.

Früher spielte sie beim HSV, jetzt für Werder Bremen: Larissa Mühlhaus spricht im Interview mit DeichStube-Redakteur Maik Hanke über das erste Nordderby in der Frauen-Bundesliga.

Interview vor dem Frauen-Nordderby: Larissa Mühlhaus von Werder Bremen wuchs als HSV-Fan auf

Larissa Mühlhaus, es ist Nordderby-Woche! Wie aufgeregt sind Sie schon?

Es sind ganz viele Emotionen dabei, im Moment ist es vor allem Vorfreude. Ich freue mich riesig auf das Spiel, vor so einer Kulisse zu spielen und dann noch gegen den HSV – was Besseres gibt es nicht!

Sie kommen aus Hamburg, haben für den HSV gespielt. Wie viel Kontakt gibt es gerade mit der Heimat?

Kontakt zur Familie habe ich immer, beim HSV kenne ich auch noch einige, da tauschen wir uns immer mal wieder aus. Hamburg ist meine Heimat. Ich habe an die 40 Tickets für Familie und Freunde organisiert. Die sind alle sehr gespannt.

Was schreibt man sich so im Austausch mit den Ex-Kolleginnen beim HSV? Sticheleien?

Ein bisschen Spaß ist immer dabei. (lacht) Wir freuen uns einfach, uns zu sehen und vor so einer Kulisse zu spielen. Mal gucken, was möglich ist. Dass wir das Derby gewinnen, ist mein Traum. Natürlich will ich auch Tore schießen, aber ich habe mir vorgenommen, nicht zu jubeln – einfach aus Respekt.

Sie waren als Kind HSV-Fan, sind zu den Spielen gegangen und haben sogar mal Geburtstag im Volksparkstadion gefeiert. Haben Sie, wie man so schön sagt, in HSV-Bettwäsche geschlafen?

Ja, habe ich tatsächlich! (lacht) Ich bin in Hamburg geboren, einen anderen Verein gab es für mich nicht, weil meine ganze Familie HSV-Fan ist. Das hat sich dann so ergeben. Ich war öfter im Stadion und habe bei den Männern zugeschaut.

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Werder Bremen-Spielerin Larissa Mühlhaus spielte gleichzeitig für Hamburger SV und FC St. Pauli

Sie haben in der Jugend auch für den FC St. Pauli gespielt. Wie sehr waren Sie dann zwischen den Vereinen hin- und hergerissen?

Es war eine spannende Zeit, weil ich ein Zweitspielrecht hatte. Ich habe teilweise gleichzeitig für beide Vereine gespielt: erst samstags für den HSV, dann sonntags für St. Pauli. Und dann habe ich auch noch bei den St.-Pauli-Jungs mittrainiert. Das hat mich auf jeden Fall weitergebracht und stärker gemacht. Das war eine schöne, aber auch anstrengende Zeit.

Wie wurde das in Hamburg aufgenommen, wenn man beim Stadtrivalen ein- und ausgeht?

Es gab hier und da mal Kommentare, aber ich habe mich wohlgefühlt, mein Ding gemacht und einfach Fußball gespielt. Da habe ich gar nicht über die Rivalitäten nachgedacht.

Wie viel ist vom HSV-Fan-Dasein noch übrig, wenn man für Werder Bremen spielt?

Ich verfolge den HSV noch, aber auch andere Vereine, die ich mag – wie Real Madrid. Aber jetzt spiele ich in Bremen und konzentriere mich auf Werder.

Vor einigen Monaten haben Sie schon im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den HSV im Volksparkstadion gespielt. Welche Bilder kommen in Ihnen hoch, wenn Sie daran denken?

Sehr viele Emotionen. Ich weiß noch, dass ich in der Woche davor krank war, aber zum Glück habe ich es rechtzeitig geschafft und konnte von Anfang an spielen. Es waren unglaubliche Eindrücke, durch den Tunnel zu gehen, die Fans zu hören. Ich hatte sogar Gänsehaut, als der HSV in der Nachspielzeit das 1:1 gegen uns geschossen hat. Wie wir es dann in Unterzahl noch geschafft haben, zu gewinnen, das hat mich beeindruckt. Ich konnte in dem Spiel leider nicht so sehr zeigen, was ich kann, das wird hoffentlich dieses Mal besser.

Larissa Mühlhaus, Fußballerin bei den Frauen des SV Werder Bremen, spricht über das Nordderby gegen ihren Ex-Club HSV, ihren Wechsel und die Nationalmannschaft.

Werder Bremens Larissa Mühlhaus im Interview über Derby gegen HSV-Frauen im Weserstadion und Transfer-Gerüchte

Inwiefern wird das Spiel im Weserstadion anders?

Es wird völlig anders! Im Volksparkstadion hatten die HSVerinnen ihre Fans im Rücken, dieses Mal haben wir unsere Werder-Fans im Rücken. Das pusht uns nochmal nach vorne. Ein Derby zwischen dem HSV und Bremen ist immer eine große Sache.

Entsprechend gab es nicht nur nette Kommentare, als Sie vom HSV zu Werder Bremen gewechselt sind. Eine schlimme Zeit?

So schwierig war es nicht. Ich habe viele Hasskommentare bekommen, aber die habe ich schnell übersehen, weil das Positive einfach überwogen hat. Ich habe von HSV-Fans auch viele schöne Nachrichten bekommen. Ich wollte einfach den nächsten Step in meiner Karriere machen. Wir haben es leider nicht geschafft, mit dem HSV aufzusteigen, sonst hätte ich es mir auch vorstellen können, dortzubleiben. Dann war Bremen interessiert. Das hat sich hier alles gut angehört, ich habe mich direkt wohlgefühlt und vom Trainer das Vertrauen bekommen. Rückblickend war es der richtige Schritt.

Unter Umständen hätte im vergangenen Sommer der nächste Wechsel anstehen können, Sie galten auf dem Transfermarkt als sehr umworben. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Schon als Wertschätzung. Es waren andere Vereine an mir interessiert, dazu war ich mit meinem Berater im Austausch, aber für mich war das kein großes Thema und habe einfach weitergespielt. Ich habe einen Vertrag in Bremen und möchte hier weiter Leistung zeigen.

Im nächsten Sommer, so ist zu hören, läuft Ihr Vertrag aus. Wie planen Sie?

Klar tauscht man sich mit dem Trainerteam und seinem Berater aus, aber das ist jetzt Nebensache. Ich bin immer ein Fan davon: Erst mal Leistung zeigen und dann schauen, wie es wird. Das andere kommt von alleine.

Larissa Mühlhaus von den Werder-Frauen freut sich über neue Position und träumt von der Nationalmannschaft

Was haben Sie sich diese Saison für Ziele bei Werder gesetzt?

Wir haben uns als Team viele Ziele gesetzt und auch aufgeschrieben, damit wir die immer vor Augen haben. Wir wollen in jedem Spiel mutig und offensiv agieren, nicht mehr so defensiv wie letztes Jahr. Das klappt auch schon ganz gut. Wenn wir gegen Topteams wie Bayern und Wolfsburg spielen, geht es auch darum, dass wir die Intensität über 90 Minuten halten und nicht nur in Phasen.

Welche Entwicklungschancen sehen Sie für sich persönlich?

Durch die neuen Trainingsinhalte, die Fritzy (Trainerin Friederike Kromp, Anm. d. Red.) mitbringt, merke ich, dass ich mich auf jeden Fall weiterentwickele. Sie geht ganz spezifisch auf die einzelnen Positionen ein. Die Neuzugänge bringen auch nochmal einen neuen Push rein. Gerade mit Medina Desic verstehe ich mich sehr gut, es klappt einfach auf dem Feld.

Ihre Rolle hat sich verändert. Statt als Teil eines Doppelsturms spielen Sie jetzt auf der Zehn. Wie wohl fühlen Sie sich damit?

Sehr wohl! Ich hatte ein Gespräch mit Fritzy, da habe ich ihr gesagt, dass ich mich im Zentrum wohler fühle, weil ich dann das Spiel mehr vor mir habe, andere Spielerinnen besser einsetzen kann und auch mal aus der zweiten Reihe abziehen kann. Das hatte ich vorher nicht, da war ich mehr eine Wandspielerin, die Bälle festgemacht hat. Deshalb gefällt mir die Position jetzt besser.

Sie spielen für die U23 des DFB. Wie groß ist der Traum von A-Auswahl? Sie könnten Werders erste deutsche A-Nationalspielerin überhaupt werden.

Das war mir gar nicht bewusst, das wäre etwas ganz Besonderes! Als kleines Kind hatte ich schon den Traum, mal für die A-Nationalmannschaft zu spielen. Dafür versuche ich, weiter meine Leistung zu bringen. Ich will aber erst mal in der Liga performen, dann schauen wir mal. (han)

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