Ducksch & Co. im Check
Wer mit wem? Tempo, Tore, Temperamente: Werder Bremen sucht die Optimalbesetzung für den Angriff
Wer spielt in der kommenden Saison im Angriff des SV Werder Bremen? Die Stärken und Einsatzchancen - alle Kandidaten im Check.
Bremen – Die Berge liegen vor der Haustür – und deshalb ist es wenig verwunderlich, dass die kleine österreichische Gemeinde Schwarzach im Pongau einige Top-Stars des internationalen Ski-Zirkus hervorgebracht hat. Die mehrfache Weltmeisterin Michaela Kirchgasser zum Beispiel. Auch Marco Grüll hat sich schon häufig die Bretter unter die Füße geschnallt, und wer den Neuzugang des SV Werder Bremen so im Training beobachtet, erkennt schnell, dass der Stürmer seine Slalom-Qualitäten auch sehr gut auf den Fußballplatz überträgt. Der 26-Jährige nutzt immer wieder sein Tempo, zieht diverse Dribblings an, umkurvt seine Gegner und strotzt nur so vor Spielfreude. Da will sich also einer in Position bringen für den Kampf um einen Startelfplatz. Doch das wollen andere auch, in Werders Offensive läuft aktuell ein spannendes Rennen.
Wer stürmt in der kommenden Saison für Werder Bremen - Ole Werner sucht sein Sturmduo
Ginge es nach den nackten Zahlen, dann müssten Keke Topp und Dawid Kownacki den Zuschlag erhalten – beide haben während der bisherigen Bremer Testspiele die meisten Treffer erzielt. Aber so einfach ist die Rechnung natürlich nicht. Da ist schließlich auch noch Marvin Ducksch, der in den vergangenen drei Jahren eine Konstante im System von Trainer Ole Werner war und dieses Vertrauen mit 45 Toren sowie 29 Assists in 98 Pflichtspielen zurückzahlte. Der 30-Jährige ist nicht „nur“ als Vollstrecker, sondern auch auf anderen Ebenen wichtig für Werders Spiel. Es sollte also sehr verwundern, wenn Werner nun plötzlich anders planen würde. Folglich stellt sich eher die Frage, wer gemeinsam mit Ducksch beim SV Werder Bremen auf Torejagd gehen wird.
„Ich habe in der letzten Saison mit fünf, sechs verschiedenen Spielern zusammengespielt“, blickt der gebürtige Dortmunder lachend zurück. „In dieser Vorbereitung gab es auch wieder verschiedene Konstellationen. Am Ende nehme ich das an, was der Trainer für richtig hält. Mir ist es eigentlich relativ egal, mit welchen Jungs ich da zusammenspiele. Ich glaube, dass es alle gut machen.“ Zumal es bei Werder Bremen ja auch längst nicht mehr nur die klassische Zweier-Lösung in vorderster Reihe gibt. Romano Schmid ist zwar nominell ein Achter, situativ agiert er aber derart offensiv, dass mitunter ein Bremer Trio den Gegner beschäftigt. Und Ducksch selbst zieht es wie zuletzt gegen Coventry auch mal direkt hinter die Spitze und nicht ausnahmslos links daneben.
Die Qual der Wahl: Werder Bremen ist in der Offensive sehr variabel aufgestellt
Genau diese Variabilität und Flexibilität will und soll sich Werder Bremen (den Doppeltest gegen Stade Rennes live und kostenlos im Internet-TV gucken - so geht‘s) in der bald beginnenden Spielzeit zunutze machen. „Wir haben in Keke einen klaren Zielspieler. Dawid ist jemand, der das auch kann, selbst wenn er häufig in Zwischenräumen unterwegs ist“, zählt Ole Werner auf. „Marvin ist jemand, der einen finalen Ball spielen kann. Romano kann das auch, hat zudem ein gutes Dribbling. Und wir haben die Komponenten Zielstrebigkeit und Geschwindigkeit mit Marco oder Justin.“ Eben jener Justin Njinmah arbeitet aktuell noch daran, auf sein vorheriges Leistungslevel zu kommen. In der vergangenen Saison war er der Shootingstar, der am Ende jedoch von einer Verletzung sowie von einem Infekt ausgebremst wurde. „Jetzt ist er auf dem Weg zu alter Stärke, braucht dafür aber noch Zeit“, hat Peter Niemeyer als Leiter Profifußball gerade erst im Gespräch mit der DeichStube erklärt. „Diese frische Art, die sein Spiel auszeichnet, ist noch nicht wieder voll da. Daran arbeiten wir mit ihm gemeinsam, Schritt für Schritt.“
Auch Dawid Kownacki will mehr. Vor einem Jahr war er der Neue beim SV Werder Bremen und erzielte während der Vorbereitung Tor um Tor. Doch danach kam nicht mehr viel, weshalb er jetzt wieder als Außenseiter ins Rennen um die Startformation geht und weiterhin als Verkaufskandidat gilt. Zwar hat er erneut gut getroffen über den Sommer, eine Erkrankung sorgte kürzlich jedoch für eine einwöchige Auszeit. Und ohnehin ist da in Keke Topp ja jemand, der momentan die Nase vorn zu haben scheint. „Er ist ein absolut belebendes Element, haut sich voll rein“, lobte Niemeyer jüngst, während Marvin Ducksch urteilt: „Er ist ein sehr junger Spieler, der noch am Anfang seiner Karriere ist. Aber er hat es schon sehr gut gemacht in der Vorbereitungszeit. Ich glaube, dass wir auch mit ihm sehr gut aufgestellt sind.“
Marvin Ducksch und Keke Topp: Das neue Sturmduo beim SV Werder Bremen?
Gut möglich also, dass Marvin Ducksch und Keke Topp auch beim Auftakt im DFB-Pokal gegen Energie Cottbus (19. August, 18 Uhr) Seite an Seite auflaufen. Vielleicht hegt Ole Werner für die doppelte Generalprobe am Samstag beim französischen Erstligisten Stade Rennes (14.30 und 17 Uhr im DeichStube-Liveticker) aber auch andere Pläne. Zuletzt gegen Coventry jedenfalls haben beide getroffen und obendrein das Tor des jeweils anderen auf den Weg gebracht. „Man hat auf jeden Fall gesehen, dass das eine Option wäre“, findet Ducksch, der noch in anderer Hinsicht mit Topp auf einer Wellenlänge liegt. Ebenso wie der talentierte Gnarrenburger hält nämlich auch er es für unangebracht, ständig Parallelen zwischen dem Youngster und dem Ex-Bremer Niclas Füllkrug zu suchen. „Ich bin kein Fan davon, Vergleiche zu ziehen“, sagt der zweifache Nationalspieler. „Das ist Fülle auch nicht fair gegenüber. Man hat natürlich über die Jahre gesehen, wie gut wir funktioniert haben, aber das war auch ein Prozess, der über Monate ging. Klar kann man sagen, dass auch Keke ein klassischer Zielspieler und Neuner ist wie Fülle, aber er ist eben noch ganz am Anfang seiner Karriere.“ (mbü)