Nach Werders 1:2-Pleite

Manndeckung und ein Kardinalfehler verderben Geburtstagsfeier: Werder Bremens Niederlage gegen Heidenheim in der Taktik-Analyse

Taktik-Analyse: Werder Bremens Trainer Ole Werner hatte sich offensiv einen guten Plan gegen den 1. FC Heidenheim zurechtgelegt, beging aber defensiv einen strategischen Fehler.
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Taktik-Analyse: Werder Bremens Trainer Ole Werner hatte sich offensiv einen guten Plan gegen den 1. FC Heidenheim zurechtgelegt, beging aber defensiv einen strategischen Fehler.

Schon wieder eine Niederlage gegen einen Aufsteiger! Wie so viele Bundesligisten fand Werder Bremen lange Zeit keine Lösung gegen die rigorose Manndeckung des 1. FC Heidenheim. Dazu beging Werder in der Defensive einen Kardinalfehler, meint unser Taktikanalyst Tobias Escher.

Drei Spiele, zehn Gegentore, null Punkte: So lautet Werder Bremens niederschmetternde Bilanz gegen die Aufsteiger. Nach dem 1:2 gegen den 1. FC Heidenheim mag sich Werder mit der Tatsache trösten, dass sich nahezu alle Bundesligisten an Heidenheim die Zähne ausbissen. Die Niederlage hinterlässt dennoch einen bitteren Beigeschmack. Mit einer besseren Chancenverwertung und einer geschickteren Verteidigung der Flügel hätte Werder siegen können. Zumal das Team in der Schlussphase bewiesen hat, dass sie durchaus Mittel im Repertoire haben, um Heidenheim zu knacken.

Werder Bremen gegen 1. FC Heidenheim in der Taktik-Analyse: FCH-Verteidigung komplett gegnerorientiert

Werder-Coach Ole Werner wagte bei der Startaufstellung keine Experimente. Die Bremer begannen mit exakt denselben Spielern, die eine Woche zuvor Mainz bezwungen hatten. Romano Schmid agierte wie gewohnt in einer gemischten Rolle. Mal spielte er als dritter Stürmer neben Marvin Ducksch und Justin Njinmah. Mal ließ er sich als dritter Sechser ins zentrale Mittelfeld fallen. Werder Bremen agierte in einer Mischung aus 3-4-3 und 5-3-2.

Heidenheims Trainer Frank Schmidt schickte seine Elf in einem 4-2-3-1 auf das Feld. Diese Formation bestand jedoch nur auf dem Papier. Heidenheims Verteidigung ist komplett gegnerorientiert. Jedem Verteidiger wird ein Angreifer zugewiesen. Diesen verfolgt er kompromisslos. So ließ sich Lennard Maloney häufig in die Abwehr fallen, um Schmid zu decken. Eine feste Formation hat Heidenheim so nicht. Sie ist stets abhängig vom Gegner.

Werder Bremen gegen 1. FC Heidenheim in der Taktik-Analyse: Die Grafik zeigt Heidenheims Manndeckung. Maloney ließ sich häufig in die Abwehr fallen, um Schmid zu verfolgen. Dinkci wiederum nutzte seine Freiräume auf der rechten Seite geschickt aus.

Taktik-Analyse: Werder Bremen offensiv mit guten Ideen, um 1. FC Heidenheim zu knacken

Werder Bremen hatte sich einen Plan zurechtgelegt, um die Manndeckung des Gegners auszunutzen. Werder versuchte, das Spielfeld weit auseinanderzuziehen. Die gegnerischen Außenverteidiger sollten auf die Flügel gedrängt werden. Anschließend wollte Werder das Spiel mit langen Diagonalbällen sofort in die gegnerische Hälfte tragen. Werders Verteidiger schlugen den Ball auf die Außen. Die vorgerückten Außenverteidiger wiederum flankten den Ball in den Strafraum. 26 Flanken schlugen die Bremer insgesamt in diesem Spiel. In keinem anderen Saisonspiel haben sie mehr hohe Bälle in den Strafraum befördert.

Mit dieser Idee wollte Werder Bremen den 1. FC Heidenheim nicht nur in die Breite ziehen, sondern auch Tiefe schaffen. Immer wieder suchten die Bremer Spieler den direkten Weg in Richtung Strafraum. Sie drückten die gegnerischen Verteidiger damit nach hinten. Vor allem aber zogen sie in vielen Situationen ihren Gegenspielern davon. Werder versuchte, die eigenen Vorteile in Sachen Geschwindigkeit auszuspielen. Dass diese Taktik Sinn ergab, bewies der Treffer von Romano Schmid. Er köpfte eine Flanke von Senne Lynen ein (19.).

Werder Bremen mit schlechter Flügelverteidigung gegen 1. FC Heidenheim - die Taktik-Analyse

Werders Problem: Zu diesem Zeitpunkt lagen sie bereits mit 0:2 hinten. So interessant ihr Offensivplan war: Er öffnete in der Defensive Lücken. Der 1. FC Heidenheim nutzte diese geschickt aus. Vor allem ihre rechte Seite der Heidenheimer lauerte auf Konter: Außenstürmer Eren Dinkci und Außenverteidiger Omar Traoré sprinteten sofort nach vorne, sobald Heidenheim den Ball eroberte.

Die linke Seite der Bremer fand auf Dinkcis Vorstöße keine Antwort. Heidenheim spielte keinen komplizierten Fußball: Der erste Ball ging nach außen, mit dem zweiten schickten sie ihre Außenstürmer in die Tiefe. Das genügte, um Dinkci mehrfach in gute Positionen zu bringen. Er legte das 2:0 auf (18.) und holte den Eckball raus, der letztlich zum 1:0 führte (12.).

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen 1. FC Heidenheim: SVW begeht defensiv strategischen Kardinalfehler

Apropos Eckbälle: Werder Bremen beging einen strategischen Fehler, den viele Gegner gegen Heidenheim machen. Schon im Pressing lenkten sie die gegnerischen Angriffe auf die Flügel. Im Zentrum zog sich Werder zusammen. Das ist Standardprozedere im Profifußball: Das Tor steht in der Feldmitte, also verteidigt man in diesem Bereich kompakt. Der Gegner darf gerne auf den Flügel spielen, nicht aber durch das Zentrum!

Gegen den 1. FC Heidenheim ergibt dieser Leitgedanke jedoch wenig Sinn. Heidenheim ist im Zentrum individuell schwächer besetzt als auf den Flügeln. Die Sechser sind rein defensiv denkende Manndecker. Anders als die meisten Teams will Heidenheim auf den Flügel. Entweder können sie über Flanken Torchancen kreieren – oder aber sie holen Eckbälle heraus.

Auch Werder Bremen ließ Heidenheim über die Flügel gewähren. Die Folge waren zehn Eckbälle für die Gäste. Einer davon führte zum Heidenheimer Führungstor, zwei weitere führten zu derart großen Chancen, dass Werder mit drei Eckball-Gegentoren aus dem Spiel hätte gehen können. Standards sind eine Heidenheimer Spezialität. Werders Kardinalfehler war, dass sie Heidenheim so einfach über die Flügel angreifen ließen.

Die besten Bilder der Mega-Choreo zum 125. Werder-Geburtstag

Wahnsinn! Die große Choreo der Ultras zum 125. Geburtstag des SV Werder Bremen nochmal zum Genießen: Die DeichStube zeigt die besten Bilder.
Wahnsinn! Die große Choreo der Ultras zum 125. Geburtstag des SV Werder Bremen nochmal zum Genießen: Die DeichStube zeigt die besten Bilder. © IMAGO/osnapix
Wahnsinn! Die große Choreo der Ultras zum 125. Geburtstag des SV Werder Bremen nochmal zum Genießen: Die DeichStube zeigt die besten Bilder.
Wahnsinn! Die große Choreo der Ultras zum 125. Geburtstag des SV Werder Bremen nochmal zum Genießen: Die DeichStube zeigt die besten Bilder. © gumzmedia / nordphoto
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Wahnsinn! Die große Choreo der Ultras zum 125. Geburtstag des SV Werder Bremen nochmal zum Genießen: Die DeichStube zeigt die besten Bilder. © gumzmedia / nordphoto
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Wahnsinn! Die große Choreo der Ultras zum 125. Geburtstag des SV Werder Bremen nochmal zum Genießen: Die DeichStube zeigt die besten Bilder. © gumzmedia / nordphoto
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Wahnsinn! Die große Choreo der Ultras zum 125. Geburtstag des SV Werder Bremen nochmal zum Genießen: Die DeichStube zeigt die besten Bilder. © gumzmedia / nordphoto
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Werder Bremen verfängt sich in Heidenheimer Manndeckung: Warum Wechsel SVW wieder ins Spiel bringen

Werder Bremen benötigte bis in die Schlussphase, um gegen die Manndeckung des 1. FC Heidenheim zu Chancen zu gelangen. Mit Nick Woltemade kam ein neuer Stürmertyp: Er ließ sich häufig aus dem Sturmzentrum fallen. Diese gegenläufigen Bewegungen hatten Werder zuvor gefehlt. Woltemade schaffte es, mehrere Gegenspieler auf sich zu ziehen.

Rafael Borré wiederum interpretierte seine Position als halbrechter Stürmer recht frei. Damit schaffte er immer wieder Situationen, die für den 1. FC Heidenheim schwer zu verteidigen waren. Zugleich öffnete er damit Räume für Schmid, der fortan als rechter Außenverteidiger nach vorne stürmte. Elf der insgesamt 15 Torschüsse gab Werder Bremen nach der 75. Minute ab.

Das Aufbäumen änderte nichts am Ergebnis. Werder haderte nach dem Schlusspfiff mit der schlechten Chancenverwertung. Zwei Aluminiumtreffer in der Nachspielzeit stehen als Beleg für diese These. Zur Wahrheit gehört aber auch: Bis zur Einwechslung von Woltemade und Borré fand Werder offensiv kaum statt. Werder Bremen ist ein weiterer Bundesligist, der sich in der Manndeckung der Heidenheimer verfangen hat.

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