Werder in der Taktik-Analyse

Nichts geht! Wie der SC Freiburg die Werder-Offensive lahmlegte - die Taktik-Analyse

Bremen – Es war ein Spiel voller Pleiten, Pech und Pannen. Die 0:3-Niederlage des SV Werder Bremen gegen den SC Freiburg lag jedoch nicht nur an einem umstrittenen Elfmeter. Wie der Sport-Club die Bremer Offensive mit einer unorthodoxen Formation mattsetzte, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Die Weser ist nicht gerade als reißerischer Strom bekannt. Doch am Ufer des Flusses toben dieser Tage die Wellen auf und ab – zumindest im übertragenen Sinne. Die Leistung des SV Werder Bremen schwanken in dieser Saison gewaltig. Auf einen 4:0-Erfolg bei Borussia Mönchengladbach folgte ein unrühmliches 0:3 gegen den SC Freiburg. Die Gäste aus dem Breisgau profitierten dabei von einem umstrittenen Handelfmeter, der sie auf die Siegerstraße brachte. Doch das war nicht der einzige Grund für ihren Sieg. Mit ihrer unorthodoxen Formation stellten sie Werder Bremen vor Probleme.

Trainer Horst Steffen und der SV Werder Bremen kamen gegen den SC Freiburg mit ihrem taktischen Plan nicht zum Erfolg - warum, erklärt Tobias Escher in seiner Taktik-Analyse.

Werder Bremens Niederlage gegen den SC Freiburg in der Taktik-Analyse: Horst Steffens System steht

Werder-Coach Horst Steffen sah nach dem Kantersieg gegen Mönchengladbach keinen Anlass, seine Mannschaft zu verändern. Er musste einzig den verletzten Samuel Mbangula durch Justin Njinmah ersetzen. In der vorderen Dreierreihe tauschten zudem Romano Schmid und Cameron Puertas die Positionen. Schmid kam durch das Zentrum, Puertas über die rechte Seite. An der unter dem Cheftrainer des SV Werder Bremen praktizierten 4-2-3-1-Formation änderte sich gegen den SC Freiburg nichts.

Werder Bremen wollte aus einem ruhigen Ballbesitzspiel heraus die vier offensiven Kräfte einsetzen. Die Doppelsechs aus Senne Lynen und Jens Stage hielt sich gewohnt zurück. Beide postierten sich vor der eigenen Viererkette. Sie sollten den SC Freiburg ins Pressing locken.

Werder Bremens Niederlage gegen den SC Freiburg in der Taktik-Analyse: Freiburgs Tannenbaum-System

Der SC Freiburg hatte sich jedoch eine besondere Formation einfallen lassen, um den Spielaufbau des SV Werder Bremen lahmzulegen. Lucas Höler, eigentlich als Stürmer bekannt, ließ sich etwas zurückfallen. Er agierte auf einer Höhe mit Ex-Bremer Maximilian Eggestein. Die Außenstürmer wiederum postierten sich hinter Höler und Eggestein und rückten ins Zentrum ein. So entstand eine 4-3-2-1-Formation. In Fachkreisen nennt sich diese Formation auch Tannenbaum: Malt ein Trainer sie auf die Taktiktafel, sieht die Form aus wie ein Weihnachtsbaum.

In der Bundesliga sieht man dieses System höchst selten. Es bietet zwar die Möglichkeit, das Zentrum mit vielen Spielern zu sichern. Auf den Flügeln wiederum bekommt eine Mannschaft schnell Probleme. Wenn der Gegner schnell die Seiten wechselt, steht der Außenverteidiger allein gegen mehrere Gegenspieler.

Gegen Werder Bremen funktionierte dieses unorthodoxe System jedoch zumeist. Höler und Eggestein nahmen Stage und Lynen aus dem Spiel. Dahinter konnte Freiburg ebenfalls eine enge Deckung aufziehen. So wurde der einrückende Rechtsaußen Puertas sofort von einem Gegenspieler aufgenommen. Zugleich blockierte der SC Freiburg die Passwege ins offensive Mittelfeld. In diese Zone möchte Werder eigentlich den direkten Pass auf Schmid oder Grüll spielen.

Die Grafik zeigt die Defensivformation des SC Freiburg: Die Außenstürmer Grifo und Beste agierten sehr tief, Eggestein und Höler nahmen die Doppelsechs des SV Werder Bremen in Manndeckung. So konnte Werder kaum Pässe auf den engen Viererangriff spielen.

Werder Bremens Niederlage gegen den SC Freiburg in der Taktik-Analyse: Teams neutralisieren sich

Werder hatte in der ersten Halbzeit große Mühe, sich gegen das 4-3-2-1 der Freiburger Chancen zu erspielen. Das Zentrum war komplett dicht. Über die rechte Seite wiederum fuhren die Bremer nur selten Angriffe. Die erfolgversprechendste Angriffsroute verlief über den linken Flügel. Wenn Werder Bremen es schaffte, schnell zu verlagern und Njinmah in ein Sprintduell zu schicken, kam der SC Freiburg manches Mal nicht hinterher.

Selbst wenn Werder sich in die gegnerische Hälfte kombinierte, sahen sie sich weiterhin mit zehn gegnerischen Feldspielern konfrontiert. Der SC Freiburg zog sich weit zurück. Der ballnahe Außenstürmer ließ sich in die Abwehrkette fallen. So entstand am eigenen Strafraum ein 5-4-1, das Werder nicht zu knacken wusste. Die logische Route – Flanken über Freiburgs unterbesetzte Flügel – waren für Werder Bremen angesichts eines fehlenden Strafraumstürmers keine Option.

So gut der SC Freiburg defensiv eingestellt war: Offensiv agierten sie kaum wirkmächtiger als die Bremer. Werder setzte auf das gewohnte 4-4-2-Pressing, bei dem Stürmer Grüll Unterstützung erhält von Zehner Schmid. Dieses Pressing funktionierte gut gegen den Freiburger 4-4-2-Aufbau. Bei dem leisesten Anzeichen von Druck schlug Freiburg die Kugel lang. Die zweiten Bälle landeten jedoch zumeist bei der Bremer Defensive. Gerade Karim Coulibaly gewann zahlreiche Kopfballduelle.

Werder Bremens Niederlage gegen den SC Freiburg in der Taktik-Analyse: Knapp 600 Pässe, aber kaum Torschüsse

Chancen gab es auf beiden Seiten kaum. Werder Bremen hatte das Pech, dass Schiedsrichter Timo Gerach nach einem vermeintlichen Handspiel von Puertas auf den Elfmeterpunkt zeigte. Vincenzo Grifo ließ sich die Chance nicht nehmen (33.).

Mit der Führung im Rücken zog sich der SC Freiburg deutlich weiter zurück. Besonders in der zweiten Halbzeit sah man das hohe Pressing der Breisgauer im 4-3-2-1-System kaum mehr. Sie verschanzten sich mit einem 5-4-1- oder teils gar einem 6-3-1-System in der eigenen Hälfte. Während der Ballbesitz vor der Pause noch ausgeglichen war, sammelte Werder Bremen in der zweiten Halbzeit fast 70 Prozent Spielanteile. Die Freiburger versteiften sich auf ihre Defensive und auf Konter über die Flügel.

Werder Bremen gelang es jedoch nur selten, den hohen Ballbesitzwert in Torschüsse umzumünzen. Stage agierte in der zweiten Halbzeit zwar deutlich offensiver. Der Däne rückte auf eine Höhe mit Schmid. Doch Pässe in die Spitze blieben Mangelware. Über die Flügel wiederum strahlte Werder wenig Gefahr aus. Schlimmer noch: Durch die nun offensivere Rolle der Außenverteidiger stand Werder auf den Seiten offen. Über die Seiten konterte sich der SC Freiburg zu weiteren Treffern durch Junior Adamu (54.) und ein Eigentor von Karim Coulibaly (75ö).

Werder Bremens Niederlage gegen den SC Freiburg in der Taktik-Analyse: Bremer Wechsel bringen wenig

Steffen schöpfte sein Wechselkontingent in der zweiten Halbzeit voll aus. Mit der Einwechslung von Victor Boniface und Isaac Schmidt stellte Werder Bremen zunächst auf ein enges 4-3-3-System um. Boniface ließ sich häufig fallen, um die Bälle im Mittelfeld abzuholen. Dadurch fehlte er jedoch als Verwerter im Strafraum. In der 73. Minute gesellte sich Keke Topp an seine Seite. Der neuformierten 4-2-2-2-Formation fehlten jedoch die Passoptionen. Die Flügel blieben weiterhin unterbesetzt, sodass dem SC Freiburg das Verteidigen leichtfiel.

Am Ende war es ein gebrauchter Nachmittag für die Bremer. Schwer im Magen liegen der Elfmeter zum 0:1 sowie der von Schmidt vergebene Elfmeter beim Stande von 0:2 (59.). Es waren nicht die einzigen Gründe für die Bremer Niederlage. Das neue Spielsystem unter Horst Steffen ist noch nicht gefestigt genug, um gegen einen defensiv starken Gegner wie den SC Freiburg zu bestehen. Die Bremer Fans dürfen sich auch in den kommenden Wochen auf einen harten Seegang einstellen, was die Leistungen der Bremer betrifft - am nächsten Freitag (20.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) steht das Auswärtsspiel beim FC Bayern München an.

Rubriklistenbild: © gumzmedia

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Kommentare