Heftige Kritik von Ex-SVW-Keeper
Nach Vergleich: Wiese attackiert Werder Bremen und erklärt Rücktritt
Eine mögliche Rückkehr in die Traditionsmannschaft des SV Werder Bremen stand für Tim Wiese zuletzt noch im Raum, jetzt sagt der Ex-Torhüter selbst ab - mit deutlicher Kritik.
Bremen – Mit einem außergerichtlichen Vergleich hatte der SV Werder Bremen gehofft, endlich Ruhe im Fall Tim Wiese zu haben. Doch es kam anders. Der ehemalige Keeper der Grün-Weißen attackierte den Club nun in einem Interview mit der „Bild“ und erklärte seinen Rücktritt aus der Traditionsmannschaft. Letzteres dürfte den Werder-Verantwortlichen durchaus gelegen kommen. Sie müssen nun nicht mehr entscheiden, ob Wieses schon länger geltende Verbannung aus dem Legenden-Team wegen nicht vereinskonformen Verhaltens aufgehoben werden kann.
Tim Wiese erklärt endgültigen Rücktritt aus der Traditionsmannschaft des SV Werder Bremen
„Ich habe mich entschieden, nicht mehr für die Traditionself des Vereins aufzulaufen“, sagte der frühere Torwart und fügte als Begründung an: „Nach allem, was mir im Laufe der Jahre von den Verantwortlichen des Vereins vorgeworfen wurde, wie man mich behandelt hat und wie man mit Sachverhalten umgegangen ist. Es wurden Informationen, die der Aufklärung gedient hätten, einfach nicht berücksichtigt.“ Tim Wiese ist von den „handelnden Personen bei Werder maßlos enttäuscht. Ich bin es leid, mich weiter mit der Doppelmoral einzelner Personen vor und hinter den Kulissen zu beschäftigen. Jetzt ist Schluss!“ Namen nannte er zwar nicht, aber laut „Bild“ sollen vor allem Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald und der ehemalige Sportchef Frank Baumann gemeint sein.
Tim Wiese attackiert den SV Werder Bremen und und will bald wieder andernorts im Tor stehen
Der Ärger begann im Herbst 2022. Nachdem Bilder vom ehemaligen Nationalspieler mit einschlägig bekannten Personen aus dem rechten Milieu aufgetaucht waren, sprach Werder Bremen erstmals ein Spielverbot für die Traditionsmannschaft aus. Tim Wiese selbst beteuerte öffentlich, keine rechte Gesinnung zu haben und wurde von Werder begnadigt. Das hatte sich dann im Frühjahr 2023 erledigt. Zwei Servicekräfte im VIP-Bereich des Weserstadions behaupteten unabhängig voneinander, beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen von Wiese rassistisch beleidigt worden zu sein. Dieser widersprach der Darstellung. Werder verhängte dennoch ein Stadionverbot bis Ende 2023 und zudem ein erneutes Spielverbot. Wiese zog vor das Landgericht Bremen und präsentierte Zeugen, die seine Version bestätigten. Es stand Aussage gegen Aussage. Die zuständige Richterin Dr. Wiebke Wesser empfahl einen Vergleich. Nach zähem Ringen einigten sich beide Parteien. Die Gerichtskosten wurden geteilt. Werder darf die Rassismus-Vorwürfe nicht mehr öffentlich wiederholen, während der ehemalige Nationaltorhüter nicht mehr öffentlich behaupten darf, dass die Grün-Weißen unrechtmäßig oder willkürlich mit ihm umgegangen sind.
Tim Wiese fällt das offenbar nicht ganz so leicht, wie das „Bild“-Interview zeigt. Zwischen den Pfosten will er auch bald wieder stehen: „Ich habe eine neue fußballerische Heimat gefunden. Mit früheren Mitspielern wie Nelson Valdez oder Aaron Hunt spiele ich zukünftig weiter Fußball und für den guten Zweck. Ich liebe es noch immer, im Tor zu stehen. Aber ganz sicher nicht mehr für Werder.“ Immerhin damit dürfte er bei seinem Ex-Club auf Zustimmung treffen. (kni/han)