Luxusproblem im Werder-Tor

Horst Steffen erstickt Torwartdiskussion im Keim: Mio Backhaus bleibt Nummer eins bei Werder – doch Karl Hein betreibt weiter fleißig Eigenwerbung

Der SV Werder Bremen hat im Tor ein Luxusproblem: Mio Backhaus oder Karl Hein - auf wen setzt der SVW künftig? Von Trainer Horst Steffen gibt es eine klare Antwort!

Bremen – Es war der einzig echte Schreckmoment, den Karl Hein zu überstehen hatte. Aber der tat besonders weh. Als der Keeper des SV Werder Bremen in der Schlussphase des Heimspiels gegen den FC St. Pauli (1:0) zu einer Flugeinlage ansetzte, krachte er Sekundenbruchteile später mit der rechten Schulter auf den Rasen und stöhnte auf. Nach einer kurzen Behandlungspause folgte aber die Entwarnung, der Este konnte weitermachen – und durfte sich kurz darauf nicht nur über den Sieg seiner Mannschaft freuen, sondern auch über die nette Begleiterscheinung, dass er in seinem zweiten Spiel für die Hanseaten erstmals ohne Gegentor geblieben war. Seit jeher die beste Währung für einen Torhüter. Allzu viele Paraden hatte Hein dank der guten Defensivarbeit seiner Vorderleute dabei nicht zeigen müssen, mit seinem Auftreten betrieb er dennoch erneut Eigenwerbung. Chefcoach Horst Steffen lässt dennoch keinen Zweifel daran, dass die eigentliche Stammkraft Mio Backhaus, die aktuell aufgrund einer Schulterverletzung ausfällt, auch weiterhin seine erste Wahl sein wird.

Mit Mio Backhaus (links) und Karl Hein (rechts) verfügt der SV Werder Bremen über zwei starke Keeper - eine Torwart-Diskussion gibt es an der Weser für Trainer Horst Steffen trotzdem nicht.

Werder Bremens Horst Steffen: „Es bleibt dabei, dass Mio Backhaus unsere Nummer eins ist“

„Es bleibt dabei, dass Mio unsere Nummer eins ist“, betont der 56-Jährige. „Ich bewerte die Leistung von Karl aber auch heute wieder als gut. Trotzdem hoffe ich, dass Mio bald zurückkehrt. Die Hoffnung ist da, dass es nach der Länderspielpause wieder für einen Einsatz reicht.“ Vor knapp anderthalb Wochen hatte sich Mio Backhaus die Blessur nach einem Trainingszusammenprall zugezogen, zuletzt stand er immerhin schon wieder für kleinere Bewegungsübungen ohne Handschuhe auf dem Rasen. „Ich kann schon wieder viele Bewegungen mit dem linken Arm machen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit“, sagte der 21-Jährige am Samstag nach dem Heimsieg gegen den FC St. Pauli am „Sky“-Mikrofon. „Nächste Woche gehen wir wieder auf den Platz und fangen ein paar Bälle. Ich hoffe, dass es dann nach der Länderspielpause so weit ist.“ Am 18. Oktober (15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) ist Werder Bremen beim 1. FC Heidenheim gefordert.

Dem Junioren-Nationalkeeper ist natürlich nicht entgangen, dass sein zwei Jahre älterer Teamkollege aktuell zu überzeugen weiß. Doch Mio Backhaus demonstriert in dieser Hinsicht Gelassenheit. „Ich habe mich gefreut, dass er letzte Woche so ein gutes Spiel gemacht hat – und heute auch. Das kann er auch gern so weitermachen. Es ist gut, dass wir solch einen Konkurrenzkampf haben“, meinte der gebürtige Mönchengladbacher. „Das hat mich letzte Woche vor dem Fernseher richtig gepusht, heute auch wieder. Wenn er seine Sache gut macht, gibt das mir den Ansporn, noch besser zu werden.“ Dass der Coach des SV Werder Bremen weiter zu ihm steht, registrierte Backhaus nach eigener Aussage erfreut. Aber: „Das hier ist Leistungssport. Wenn ich mir die Dinger selbst reinmache, dann wird es schnell gehen. Ich bin immer auf der Hut und werde immer an meine Leistungsgrenze gehen.“

Werder Bremens Horst Steffen über Karl Hein und Mio Backhaus: „Ich bin froh, dass wir zwei starke Torhüter haben“

Mit dieser Einstellung handelt der Schlussmann ganz im Sinne seines Trainers, der öffentlich bislang alles tut, um eine neuerliche Torwartdiskussion beim SV Werder Bremen im Keim zu ersticken. Doch Karl Heins Spielweise kommt an, gegen den FC St. Pauli erhielt er schon früh bemerkenswert lauten Szenenapplaus von den Zuschauern – obwohl sein Zupacken eher dem Alltagsgeschäft entsprach und keinerlei Glanzparade war. Der Balte vermittelt aber ganz offenkundig den Eindruck, ein sicherer Rückhalt zu sein, der in der Lage ist, mit seinem Handeln die mitleidenden Gemüter im Stadion zu beruhigen. Bislang packt er sicher zu, wenn es nötig ist. Faustet, wenn der Ball dringend aus der Gefahrenzone muss. Oder präsentiert sich als verlässliche Anspielstation, wenn die Kollegen diese brauchen.

Verwundern würde es da nicht, wenn die Torwartfrage zwar vielleicht nicht intern diskutiert, dafür aber zumindest von außen an Werder Bremen herangetragen wird. Auch das muss eine Mannschaft erst einmal aushalten. „Es wird immer Druck und Meinungen von außen geben“, entgegnet Horst Steffen gelassen. „Ich bin froh, dass wir zwei starke Torhüter haben – und dass Karl so gut gehalten und Mio vertreten hat.“ Der Bremer Coach sagt aber auch: „Am Ende zählt immer die Leistung. Jeder hat Konkurrenz, auch im Tor. Das ist auf jeder Position gleich: Die Jungs müssen ihre Plätze durch Leistung bestätigen.“ In den kommenden Wochen dürfte vielerorts ganz genau hingeschaut werden, wem das am besten gelingt. (mbü)

Rubriklistenbild: © Imago/Müller/MIS

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