Torwart-Vorstellung
Schlager über Hein, Rangnick und Werder: Warum er trotz Nationalteam-Risiko nach Bremen wechselte
Alexander Schlager stellt sich als Neuzugang des SV Werder Bremen vor: So sieht er den Konkurrenzkampf mit Karl Hein - und das Risiko um seinen Status als Österreichs Nummer eins.
Noch bevor Alexander Schlager überhaupt Platz genommen hatte, machte der neue Torhüter des SV Werder Bremen erst einmal die Runde durch den Presseraum. Ein Händedruck hier, ein freundliches Lächeln dort. Der 30-Jährige wirkte offen, nahbar und vor allem: voller Vorfreude auf seine neue Aufgabe. Ein Eindruck, den der österreichische Nationaltorhüter während seiner gesamten Vorstellung am Donnerstagmittag bestätigte. „Ich habe mich die letzten zweieinhalb Wochen sehr auf die Mannschaft und den Club gefreut“, sagte Schlager. „Jetzt, wo ich da bin, bestätigt sich genau das Gefühl, das ich vorher hatte. Ich fühle mich sehr, sehr wohl.“
Alexander Schlager über Konkurrenzkampf ums Tor bei Werder Bremen: „Geht mir nicht darum, Unruhe reinzubringen“
Dabei weiß der langjährige Salzburg-Profi genau, worauf er sich eingelassen hat. Anders als andere Neuzugänge kommt Alexander Schlager nicht als unumstrittene Nummer eins nach Bremen. Mit Karl Hein hat Werder bereits einen Torhüter verpflichtet, der mit entsprechenden Ambitionen an den Osterdeich gewechselt ist und dem eigentlich der Stammplatz zwischen den Pfosten in Aussicht gestellt wurde. Für Schlager ist das allerdings kein Problem. So zumindest der öffentliche Eindruck.
„Ich weiß um die Situation und ich weiß, dass mit Karl und der gesamten Torwartgruppe sehr gute Torhüter hier sind“, sagte der Österreicher. „Es geht mir gar nicht darum, Unruhe reinzubringen. Ich möchte einfach in einer respektvollen Art und Weise, dass wir uns gegenseitig unterstützen und pushen.“ Dass sein eigener Anspruch trotzdem klar ist, verhehlte Alexander Schlager nicht. „Natürlich möchte ich mich empfehlen und Gas geben“, sagte der 30-Jährige. Garantien über Einsatzzeiten bei Werder Bremen habe er nicht erhalten: „Versprechen gibt es auf diesem Niveau sowieso keine mehr.“
ÖFB-Risiko: Werder-Bremen-Torwart Alexander Schlager suchte vor Transfer das Gespräch mit Teamchef Ralf Rangnick
Vielmehr habe ihn das Gesamtpaket überzeugt. Neben der Bundesliga seien es vor allem die Gespräche mit den Verantwortlichen und die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft gewesen. Vor seiner Entscheidung tauschte sich Alexander Schlager unter anderem mit seinen österreichischen Nationalmannschaftskollegen Marco Friedl, Romano Schmid und Marco Grüll aus. Das Feedback sei eindeutig gewesen. „Ich habe von Anfang an gehört, dass das vom Charakter her eine fantastische Truppe ist. Genau dieses Gefühl hatte ich auch an meinem ersten Tag.“
Bemerkenswert: Selbst das mögliche Risiko für seine Rolle als Stammkeeper in Österreichs Nationalmannschaft hielt Schlager nicht von einem Wechsel zu Werder Bremen ab. Weil ihm bewusst war, dass Karl Hein zunächst gute Karten im Konkurrenzkampf besitzen könnte, suchte er sogar vor der Unterschrift das Gespräch mit Teamchef Ralf Rangnick. „Ich habe Ralf Rangnick angerufen und mit ihm darüber gesprochen“, verriet Schlager. „Es kann sein, dass es in diese Richtung hinausläuft.“ Der Nationaltrainer habe ihn dennoch in seiner Entscheidung bestärkt. Für Schlager überwog ohnehin die sportliche Herausforderung. „Ich bin überzeugt von meinen Stärken und davon, dass ich das Niveau habe, hier zu spielen.“
Dass Konkurrenzsituationen für ihn nichts Neues sind, zeigt ein Blick auf seine bisherige Karriere. Bereits beim LASK und später bei Red Bull Salzburg musste sich Alexander Schlager seinen Platz erarbeiten. „Ich habe schon viele Situationen erlebt, auch welche, in denen ich nicht gespielt habe“, sagte er. „Mich interessiert eher das große Ganze.“ Dazu passt auch seine Selbstbeschreibung. Auf die Frage, ob er tatsächlich der oft zitierte „positiv verrückte Typ“ sei, musste Schlager schmunzeln. „Ja, da würde ich mitgehen“, antwortete der Keeper des SV Werder Bremen. „Ich mache das, was ich mache, einfach unglaublich gerne. Mit dieser Dankbarkeit gehe ich jeden Tag auf den Platz.“
Torwart Alexander Schlager will mit Werder Bremen eine stabile Saison spielen: „Wir machen einen guten Schritt, wenn...“
Auch ein Grund, weshalb die Bremer beim ablösefreien Transfer des Torhüters nicht lange zögerten und bereits während der Weltmeisterschaft intensiv den Austausch suchten. Intern gilt Schlager als äußerst positiver Charakter, der seine Mitspieler mit seiner Energie mitreißen kann. Gleichzeitig bot sich Werder Bremen in diesem Sommer überhaupt erst die Chance auf eine Verpflichtung, weil – wie zu hören ist – es bei Red Bull Salzburg nach einer enttäuschenden Saison einen größeren Umbruch geben sollte und Schlager den Verein verlassen durfte. Zudem kam ein Transfer trotz Gesprächen nach Saudi-Arabien nicht zustande, wie Schlager verriet.
Nun beginnt für den 30-Jährigen das nächste Kapitel seiner Karriere – in einer neuen Liga, mit einer neuen Herausforderung und einem Konkurrenzkampf im Tor. Angst vor der Situation hat Alexander Schlager dabei nicht. Vielmehr reizt sie ihn. Sein Ziel formulierte er zum Abschluss selbst: Werder Bremen solle in dieser Saison deutlich stabiler auftreten als zuletzt. „Wir machen schon einen guten Schritt, wenn wir eine Saison spielen, in der wir nicht bis zum letzten Spieltag irgendwo unten drinhängen“, sagte Schlager. „Gemeinsam mit den Fans soll es wieder sehr unangenehm werden, gegen Werder zu spielen.“ Inwiefern er dabei eine tragende Rolle spielen wird, werden die kommenden Wochen zeigen. (bvo)
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