Keeper-Ansage

„Ich möchte die Nummer eins sein“: Hein nimmt Werders Torwart-Duell selbstbewusst an

Karl Hein geht selbstbewusst in den Konkurrenzkampf mit Werder Bremens Neuzugang Alexander Schlager. So schätzt der Torwart die Situation ein.

Zell am Ziller – Nach dem Training herrschte bei Karl Hein kurz Verwirrung. Der Torwart des SV Werder Bremen fand sein Fahrrad, mit dem er vom Hotel zum Trainingsplatz geradelt war, für einen Augenblick nicht wieder. Es war ein ganz kurzer Moment der Aufregung, die man ansonsten beim estnischen Nationalkeeper überhaupt nicht verspürt. Nicht nur auf dem Rasen, sondern auch in seiner ersten Medienrunde abseits des Platzes macht der Keeper am Freitagmittag einen sehr souveränen und selbstsicheren Eindruck.

So auch, als er auf die spannende Konkurrenzsituation mit Werder-Neuzugang Alexander Schlager angesprochen wurde, der nach seinem WM-Urlaub schon bald in Bremen erwartet wird. „Alex kommt nächste Woche. Es wird cool sein, ihn kennenzulernen und mit ihm zu arbeiten. Wir werden sehen, was die Saison bringt“, sagt Karl Hein beinahe schon gelassen. Dabei weiß auch der 24-Jährige natürlich, dass mit dem österreichischen Nationaltorwart ein ernsthafter Konkurrent an den Osterdeich gewechselt ist. Verunsichern lässt er sich davon allerdings nicht.

Karl Hein will sich trotz der Verpflichtung von Alexander Schlager bei Werder Bremen als Nummer eins im Tor etablieren.

Keine Garantie als Nummer eins: Werder-Bremen-Torwart Karl Hein will sich „seinen Platz verdienen“

„Natürlich glaube ich an mich. Alex wird das auch tun – das ist Torhütersport. Wir alle wollen spielen, wir alle wollen die Nummer eins sein“, erklärt Karl Hein. Schon nach seiner festen Verpflichtung von Arsenal London sei ihm bewusst gewesen, dass es im Fußball keine Garantien gebe. „Man muss sich seinen Platz verdienen. Jeder Spieler muss gut spielen, um auf dem Platz zu stehen. Genau das versuche ich.“

Dabei hat sich der Este in den ersten Wochen der Vorbereitung bereits einen kleinen Vorsprung erarbeitet. Während Schlager nach seiner WM-Teilnahme noch Urlaub genießt, nutzt Hein jede Trainingseinheit, um sich weiter zu empfehlen. Dass Werder Bremen überhaupt noch einmal auf dem Torwartmarkt aktiv wurde, hat ihn nicht überrascht. „Es braucht eine starke Torwartgruppe“, sagt Hein nüchtern.

Konkurrenzkampf mit Alexander Schlager spornt Werder Bremens Keeper Karl Hein an: „Das bringt einen weiter“

Der Konkurrenzkampf scheint ihn sogar zusätzlich anzuspornen. „Es ist immer gut, gefordert zu werden. Das bringt einen weiter“, erklärt der Schlussmann des SV Werder Bremen. Sein Fokus liege ausschließlich auf den eigenen Leistungen. „Ich tue jeden Tag mein Bestes und versuche, besser zu sein als alle anderen. Den Rest kann ich nicht kontrollieren.“ Passend dazu gibt es auch bei seiner im Frühjahr erlittenen Daumenverletzung Entwarnung. Der Bruch, den er sich bereits in der Vergangenheit einmal zuzog, ist vollständig ausgeheilt. „Kein Schmerz mehr. Der Daumen ist geheilt, die Reha ist gut gelaufen“, berichtet Karl Hein erleichtert. Bereits während der Länderspiele mit Estland Anfang Juni habe er sich wieder bereit für den Wettkampf gefühlt.

Dass er inzwischen fest in Bremen angekommen ist, merkt man dem Keeper ebenfalls an. Die Unterschiede zwischen Deutschland und seiner Heimat Estland empfindet er als überraschend gering. „Die deutsche Kultur ist der estnischen wahrscheinlich am ähnlichsten – verglichen mit England oder Spanien, wo ich vorher war“, sagt Karl Hein. Auch deshalb sei ihm die Eingewöhnung leicht gefallen. „Ich mag es hier. Bremen ist eine schöne Stadt und ich fühle mich wirklich wohl.“ Dazu gehört für ihn auch, die Sprache möglichst schnell zu lernen. „Ich kann schon etwas Deutsch“, erzählt Hein schmunzelnd. Innerhalb der Mannschaft versuche er bewusst, Deutsch zu sprechen. „Ich möchte Teil der Kultur sein und das Land respektieren. Hoffentlich kann ich in einem Jahr schon ein Interview auf Deutsch geben.“

Karl Hein selbstbewusst im Torwart-Konkurrenzkampf bei Werder Bremen: „Möchte so viele Spiele wie möglich machen“

Sportlich kann der Nationaltorwart den Saisonstart kaum erwarten. Nach seinen beiden Bundesliga-Einsätzen gegen Bayern München und den FC St. Pauli in der vergangenen Spielzeit will Karl Hein nun deutlich mehr erleben. „Die Bundesliga ist eine der coolsten, wenn nicht die coolste Liga der Welt“, schwärmt er. Vor allem die Stadionatmosphäre habe ihn beeindruckt. „Diese Fans geben den Spielern zusätzliche Energie. Ich hoffe auf viele weitere solcher Momente – und auf viele Siege.“ Sein persönliches Ziel formuliert Hein entsprechend klar: „Ich möchte so viele Spiele wie möglich machen.“ Gleichzeitig blickt er auch auf die Mannschaft des SV Werder Bremen. „Wir wollen als Team große Dinge erreichen und so hoch wie möglich in der Tabelle stehen.“

Ob ihm das als Werder Bremens Nummer eins, die er zumindest auf dem Rücken tragen wird, gelingt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Sicher scheint bereits jetzt nur eines: Vor dem Konkurrenzkampf mit Alexander Schlager hat Karl Hein keinerlei Angst. Im Gegenteil – der Este wirkt bereit, sich dem Duell um den Stammplatz mit voller Überzeugung zu stellen. (bvo)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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