Nach Frankfurt-Wechsel
Transfer voller Emotionen: Torhüter Zetterer wechselt nach Frankfurt und appelliert wegen Nachfolger Backhaus an die Werder-Fans
Der Transfer ist fix, Michael Zetterer wechselt zu Eintracht Frankfurt! Mit Blick auf seinen Nachfolger Mio Backhaus appelliert er zudem an die Fans des SV Werder Bremen!
Bremen – Der Abschied von Michael Zetterer fällt Peter Niemeyer nicht leicht. „Zetti hat eine unglaubliche Vergangenheit hier in Bremen, wir schätzen ihn als Torhüter, aber vor allem als Menschen sehr“, sagt der Leiter Profifußball des SV Werder Bremen im Gespräch mit der DeichStube. „Wir können ihm für die letzten Jahre nur danken und wünschen ihm alles Gute.“ Seit Mittwochmorgen ist endgültig offiziell, was sich zuvor bereits tagelang abgezeichnet hatte: Werders bisherige Nummer eins wechselt zum Bundesliga-Konkurrenten Eintracht Frankfurt, unterschreibt dort einen Dreijahresvertrag. Im Gegenzug streichen die Norddeutschen nach Informationen der DeichStube eine Ablöse in Höhe von sechs Millionen Euro ein, die durch künftige Bonuszahlungen noch weiter steigen kann. Und doch: Die Bremer verlieren den nächsten Leistungsträger. „Aber so ist nun einmal das Geschäft, es muss jetzt weitergehen“, sagt Niemeyer.
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Werder Bremens Michael Zetterer über den Wechsel: „Die Tage davor, in dem Wissen, dass der Schritt passiert, waren schon emotional“
Gänzlich ohne Gefühle geht es aber bei dieser Geschichte nicht – das haben nicht zuletzt die Tränen gezeigt, die Michael Zetterer unmittelbar nach dem Pokal-Aus des SV Werder Bremen bei Arminia Bielefeld (0:1) vergossen hatte und Zeugnis der nahenden Trennung waren. „Die Tage davor, in dem Wissen, dass der Schritt passiert, waren schon emotional“, gibt Zetterer mit brüchiger Stimme in einem Abschiedsvideo auf Werders Internetseite zu. „Ich wollte das Spiel unbedingt machen, habe mir aber ein schöneres Ende gewünscht. Nach Abpfiff war es eine Gefühlsachterbahn, ein trauriger Moment mit der Gesamtsituation. Mein vorerst letztes Spiel für Werder zu machen, war ein komischer Gedanke.“
Ähnlich skurril dürfte das kommende Wochenende werden. Der SV Werder Bremen startet ausgerechnet bei Eintracht Frankfurt in die neue Bundesliga-Saison (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) – Michael Zetterer dürfte bei seinem neuen Arbeitgeber direkt zwischen den Pfosten stehen. „Natürlich habe ich da schon drüber nachgedacht. Das ist eine Geschichte, die nur der Fußball schreibt“, meint der 30-Jährige. „Ich habe hier jeden Tag 1000 Prozent gegeben und genauso werde ich das auch bei meiner neuen Aufgabe machen. Das gilt ab der ersten Einheit und auch am Samstag, wenn es gegen Werder geht. Es ist ein komisches Gefühl, aber ich freue mich auch drauf. Das wird ein spezieller Moment werden.“
Werder Bremens Peter Niemeyer über Mio Backhaus: „Er genießt unser volles Vertrauen“
Profiteur des Wechsels ist zweifelsfrei Mio Backhaus. Der 21-Jährige hatte während der Sommerpause seinen Vertrag beim SV Werder Bremen vorzeitig verlängert, zuletzt aber das teaminterne Duell um einen Stammplatz gegen Michael Zetterer verloren. Nun rückt der Junioren-Nationalkeeper auf und darf seinen großen Traum vom Bundesliga-Fußball plötzlich doch leben. Mehr Gefühlschaos geht kaum. „Mit Mio Backhaus haben wir einen Torhüter, der seine Sache während der Vorbereitung richtig gut gemacht hat und mit dem wir mehr als zufrieden sind“, betont Peter Niemeyer. „Er genießt unser volles Vertrauen.“
Eine spannende Frage wird sein, ob und inwiefern sich die Spielweise des SV Werder Bremen durch den Abschied von Michael Zetterer insgesamt verändern wird. Der gebürtige Münchener war aufgrund seiner fußballerischen Qualitäten stets intensiv eingebunden in die Geschehnisse auf dem Platz. In gegnerischen Drucksituationen diente er als zusätzliche und verlässliche Anspielstation, mit seinen weiten Pässen in die gegnerische Hälfte hatte er zudem seinen Anteil am Spielaufbau des SVW oder löste so ein hohes Gegenpressing der Bremer vor dem anderen Tor aus.
Michael Zetterer über Werder Bremens Mio Backhaus: „Ihr könnt euch auf vieles freuen, der hat Talent und wird seine Sache gut machen“
Mio Backhaus hat in diversen Trainingseinheiten und Testspielen gezeigt, dass auch er vergleichbare Pässe spielen kann, und doch weicht sein Spiel von dem seines Vorgängers ab. Peter Niemeyer sieht darin aber eine Chance und keine Gefahr. „Wenn ein Stammspieler die Mannschaft verlässt, wird es immer Anpassungen und Veränderungen im gesamten Spiel geben – unabhängig davon, ob es ein Torhüter, Verteidiger oder Stürmer ist“, erklärt der 41-Jährige. „Zettis Aufbauspiel war sicherlich prägend für ihn und für uns. Aber auch in dieser Hinsicht sind wir vollkommen überzeugt von Mios Qualitäten.“ Was dem Junioren-Nationalspieler noch fehlt, ist – trotz eines einjährigen Gastspiels in den Niederlanden – die Erfahrung auf allerhöchstem Niveau, die gewisse Prise Wahnsinn eines erprobten Bundesliga-Keepers. Beim Erhalt dieser Qualitäten soll ihm auch der Rückhalt der eigenen Fans helfen, das zumindest wünscht sich Michael Zetterer. „Tut mir einen Gefallen: Unterstützt den Jungen, der ab jetzt zwischen den Pfosten steht, genauso, wie ihr mich unterstützt habt“, appelliert er an die Anhängerschaft des SV Werder Bremen. „Ihr könnt euch auf vieles freuen, der hat Talent und wird seine Sache gut machen – und mit euch im Rücken kann es auch nicht schiefgehen.“
Somit beginnen in diesen Tagen zwei komplett neue Kapitel. Eines an der Weser, das andere am Main. „Ich habe viele schöne Momente erleben dürfen, aber auch viele Täler durchfahren“, bilanziert Michael Zetterer. „Ich bin in dieser Zeit zu dem Sportler und Menschen geformt worden, der ich jetzt bin. Es ist nicht selbstverständlich, dass der Verein an dem Glauben festgehalten hat, dass ich es schaffen kann. Ich habe viel Dankbarkeit und Stolz in mir für den Weg. Das macht es jetzt aber auch schwierig, vorerst ‚Tschüss‘ zu sagen.“ Eine Rückkehr zu Werder Bremen ist für den Mann, der eine Bremerin geheiratet und an der Weser erstmals Vater geworden ist, also absolut vorstellbar. Wann auch immer es soweit sein könnte. Eine Vereinbarung über eine spätere Zusammenarbeit – in welcher Form auch immer – besteht nach Informationen der DeichStube jedenfalls bisher nicht.
Bei Werder Bremen wird derweil emsig an der Verpflichtung eines Ersatzes gearbeitet. Nach DeichStube-Informationen waren aussichtsreiche Gespräche mit dem vertragslosen Alexander Schwolow (33) geführt worden, aber auch mit dem 23-jährigen Esten Karl Hein (Arsenal London) beschäftigt sich der Club. Sollte bis zum Bundesligastart am Samstag bei Eintracht Frankfurt keine neue Nummer zwei verpflichtet worden sein, wird die etatmäßige Nummer drei Markus Kolke beim Backhaus-Debüt auf der Bank sitzen. (mbü)
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