DeichStube-Interview
„Ich habe nichts unterschrieben“: Werder-Profi Veljkovic über Belgrad-Gerüchte und seine Perspektive in Bremen
Milos Veljkovic von Werder Bremen spricht im DeichStube-Interview über seine Zukunft, die Transfergerüchte aus Serbien, Neuzugang André Silva und mehr.
Update vom 11. März 2025 (12.30 Uhr): Jetzt ist der Transfer offiziell - Milos Veljkovic verlängert seinen im Sommer auslaufenden Vertrag beim SV Werder Bremen nicht und wechselt stattdessen in seine Heimat!
Bremen – Seit dem 1. Februar ist Milos Veljkovic offiziell seit neun Jahren beim SV Werder Bremen und damit der dienstälteste Feldspieler im Kader. Ob der Innenverteidiger auch in der kommenden Saison im grün-weißen Trikot aufläuft, ist jedoch völlig offen, da sein Vertrag im Sommer ausläuft. Im Interview mit der DeichStube bezieht der 29-Jährige Stellung zu den Gerüchten über einen möglichen Wechsel im Sommer. Außerdem erklärt er, wie viel ihm Werder bedeutet – und weshalb Neuzugang André Silva so schwer zu verteidigen ist.
Werder Bremen-Profi Milos Veljkovic bestätigt Interesse von Roter Stern Belgrad, aber dementiert Einigung über Transfer
Herr Veljkovic, es gab im Laufe dieses Winters mehrere Meldungen aus Serbien, dass Sie bereits für den Sommer bei Roter Stern Belgrad unterschrieben hätten. Was ist dran an diesen Gerüchten?
Es gibt ein konkretes Interesse des Vereins, aber ich möchte klarstellen, dass ich nichts unterschrieben habe und wir von einer Einigung – oder überhaupt von etwas Konkretem – weit entfernt sind. Mein Berater hat lediglich einen Anruf erhalten, mehr war da nicht. Ich habe aber bereits unzählige Nachrichten erhalten, weil mir gefühlt jeder schon gratuliert hat. Doch die Meldungen entsprechen einfach nicht der Wahrheit. Ich bin noch genau auf dem gleichen Stand wie im vergangenen Sommer: Es gibt nichts Neues zu verkünden.
Wäre denn Roter Stern Belgrad ein Verein, der Sie als nächster Karriereschritt reizen würde?
Ich habe keinen genauen Plan und bin offen. Jeder weiß, dass ich Werder liebe und schon eine Ewigkeit hier bin. Und genauso weiß der Verein, was er an mir hat – so wie ich auch weiß, was ich am Club habe. Am Ende muss es eine Win-Win-Situation für beide Seiten sein. Deshalb blicke ich sehr entspannt in die Zukunft. Ich glaube an meine Qualität und fühle mich körperlich so gut wie noch nie. Genau deshalb bleibe ich gelassen.
Ihr Vertrag in Bremen läuft nur noch bis zum Sommer. Gab es bereits Gespräche zwischen Ihnen und Werder über eine Verlängerung?
Ja, wir haben schon gesprochen. Es wird auch noch ein weiteres Gespräch geben. Mehr kann ich dazu aber nicht sagen, im Fußball kann viel passieren.
Hilft es Ihnen, dass Sie bereits Erfahrung damit haben, wenn der eigene Vertrag ausläuft?
Ja, das hilft natürlich. Man lernt, dass es Dinge gibt, die man nicht beeinflussen kann – aber eben auch welche, die man selbst steuern kann. Und genau darauf sollte man sich konzentrieren. Ich glaube, das mache ich ganz gut. Deshalb lasse ich mich von Gerüchten nicht beeinflussen. Ich beschäftige auch nicht wirklich damit, da ich kaum in den sozialen Medien unterwegs bin. Wenn ich aber etwas mitbekomme, wie in diesem Fall, dann muss man auch Dinge klarstellen.
Werder-Verteidiger Milos Veljkovic im DeichStube-Interview: „Mein gesamtes Dorf in Serbien ist mittlerweile Bremen-Fan“
Sie sind der dienstälteste Feldspieler im Werder-Kader, bislang gibt es aber kein öffentliches Bekenntnis des Vereins, dass man sicher mit Ihnen weiterarbeiten möchte. Vermissen Sie da eine gewisse Wertschätzung?
Das liegt nicht in meiner Hand. Ich bin auch nicht der Typ, der gerne über sich selbst spricht – weder im Positiven noch im Negativen. Ich versuche immer, eine gewisse Mitte zu halten. Meine Aufgabe ist es, das zu tun, was ich beeinflussen kann.
Michael Zetterer wurde jüngst gefeiert, weil er seit zehn Jahren im Verein ist. Sie sind seit dem 1. Februar genau neun Jahre hier. Wie groß ist für Sie das Ziel, auch Ihr zehnjähriges Jubiläum in Bremen zu feiern?
Natürlich wäre das schön. Aber auf der anderen Seite muss es auch Sinn ergeben – sowohl für den Verein als auch für mich. Einfach nur wegen der zehn Jahre hierzubleiben, sollte nicht das Ziel sein. Aber wie gesagt: Ich schätze den Verein, die Fans und mein Team sehr.
Der SV Werder ist am Dienstag 126 Jahre alt geworden. Was bedeutet Ihnen der Club?
Werder ist ein ganz besonderer Verein. Als ich mit meinem Vater in der Schweiz Fußball geschaut habe, lief viel Bundesliga. Damals war Werder eine der Top-3-Mannschaften in Deutschland. Ich habe all die Legenden wie Miroslav Klose, Ailton, Ivan Klasnic oder Diego bestaunt. Dass ich irgendwann mal hier spielen würde, schien damals weit weg. Jetzt hier zu sein und so viele Spiele für Werder gemacht zu haben, macht mich stolz.
Wie würden Sie Werder beschreiben?
Auf jeden Fall als Familienverein, für den die Stadt lebt. Wenn wir gewinnen, merkt man es sofort. Ich nehme das in den letzten Jahren noch stärker wahr, weil ich inzwischen näher am Stadion wohne. Man bekommt alles mit – selbst wenn man nur aus dem Fenster schaut. Aber nicht nur für mich ist Werder besonders. Meine Familie und meine Freunde fühlen sich ebenfalls mit dem Club verbunden. Obwohl sie nicht direkt mit Werder zu tun haben, kommen sie immer wieder gerne nach Bremen. Es fühlt sich so an, als ob jede Woche ein neues Gesicht aus meiner Heimat hier auftaucht. Mein gesamtes Dorf in Serbien ist mittlerweile Bremen-Fan, und auch meine Freunde in der Schweiz fiebern mit – natürlich wegen mir, aber auch, weil sie den Verein als sympathisch empfinden und das Potenzial sehen.
Milos Veljkovic will Stammplatz bei Werder Bremen zurück: „Es liegt allein an mir, ob ich spiele oder nicht“
Seit mehr als drei Jahren ist Ole Werner Ihr Trainer. Vor ein paar Wochen hat er Sie als Werders besten Innenverteidiger im Spielaufbau gelobt. Wie würden Sie ihr Verhältnis zu ihm beschreiben?
Unser Verhältnis ist professionell. Ich glaube, er weiß, was er an mir hat und hat meine Stärken gut beschrieben. Er ist ein ruhiger Trainer – okay, am Wochenende ist er mal ein bisschen „emotionaler“ geworden (lacht).
Hätten Sie gedacht, dass er jemals eine Rote Karte wegen Meckerns sieht?
Nein. Aber es zeigt seine Hingabe zur Mannschaft und zum Verein. Er hat eine sehr klare Idee davon, wie wir spielen sollen. Wir wissen genau, was wir mit und ohne Ball zu tun haben. Manchmal kann man blind in einen Raum spielen und weiß genau, dass dort ein Mitspieler sein wird – das gibt Sicherheit.
Sie sind auch aufgrund von Verletzungen noch nicht so oft zum Einsatz gekommen und haben aktuell keinen Stammplatz inne. Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?
Die Europameisterschaft hatte natürlich einen Einfluss. Ohne das als Ausrede zu nehmen, aber es war einfach eine lange Saison. Nach der EM hatte ich nur zweieinhalb Wochen Pause, dann ging es direkt weiter. Während des Turniers hatte ich schon ein paar kleinere Probleme, vor allem eine Entzündung an der Achillessehne, die nicht ganz ausgeheilt war. Ich habe das durch die Vorbereitung und die ersten drei Spiele geschleppt. Vor dem Dortmund-Spiel habe ich dann dem Trainer signalisiert, dass es nicht mehr geht, weil ich mich gefühlt nur noch auf einem Bein bewegt habe. Ich musste eine längere Pause einlegen, um mich vollständig zu erholen – und dann hat die Saison für mich eigentlich erst richtig begonnen. Seitdem fühle ich mich körperlich topfit und bin schon länger wieder im Rhythmus. Die Saison ist lang und ich werde meine Minuten bekommen.
Wie wichtig ist Ihnen die Garantie auf einen Stammplatz für Ihre Zukunfts-Entscheidung?
Mein Fokus liegt darauf, dass es allein an mir liegt, ob ich spiele oder nicht. Ich will mich nicht reinreden, sondern reinspielen. Wenn ich es verdiene, dann spiele ich. Und wenn nicht, dann haben es die anderen verdient. Am Ende geht es nur darum, was das Beste für die Mannschaft ist. Aber ich kenne meine Qualität und weiß, dass ich spielen kann.
Werder hat am letzten Transfertag noch André Silva verpflichtet. Wie ist Ihr erster Eindruck?
Er ist ein sehr guter Stürmer, gegen den ich schon ein paar Mal gespielt habe. Er kann den Ball gut behaupten, aber auch in die Tiefe gehen. Natürlich hatte er zuletzt eine etwas schwierigere Zeit, aber das merkt man ihm nicht an. Schon im Training hat er einige Akzente gesetzt. Ich bin überzeugt, dass er eine Bereicherung sein wird.
Milos Veljkovic von Werder Bremen vor dem Duell mit dem FC Bayern: „Top-Spiel, auf das man sich freuen sollte“
Wie unangenehm ist er als Gegenspieler?
Er ist physisch stark, aber kein aggressiver Spieler, der nur auf Zweikämpfe aus ist. Trotzdem ist er unangenehm zu verteidigen, weil er ein gutes Timing hat und genau weiß, wann er starten muss. Zudem hat er eine sehr gute Technik, ist im Abschluss eiskalt und stark im Kopfballspiel. Er ist wirklich ein kompletter Stürmer.
Vor einer Woche hat Felix Agu Sie im DeichStube-Interview als „großen Bruder“ bezeichnet. Was macht Sie zu dieser Figur?
Wir verstehen uns schon lange sehr gut auf und vor allem neben dem Platz. Ich versuche, meine Erfahrungen weiterzugeben und mache das auch sehr gerne, weil er jemand ist, der immer dazulernen möchte. Deshalb mache ich mir auch keine Sorgen, dass er schon bald regelmäßig wieder auf dem Platz stehen wird. Für mich ist er defensiv unter den Top 3 der Liga, und offensiv wird er konstant besser, obwohl er auf links spielt. Er tut unserem Spiel enorm gut, weil er sehr dynamisch und mit Justin zusammen einer unserer schnellsten Spieler ist.
Sie dürften am Freitag (20.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) beim Auswärtsspiel gegen Bayern München eine wichtige Rolle spielen, in der Defensive gibt es einige Ausfälle. Wie schwierig wird die Aufgabe für Sie und Ihr Team?
Es wird natürlich schwer. Aber es ist ein Top-Spiel, auf das man sich auch freuen sollte. Ich glaube, wir werden unsere Räume bekommen, wenn wir den Ball erobern. Dann liegt es an uns, diese Chancen sauber auszuspielen und nicht in Konter zu laufen. Natürlich müssen wir kompakt stehen und aggressiv verteidigen. Wir brauchen einen absoluten Top-Tag.
Noch ein kurzer Blick auf den DFB-Pokal: Wie groß ist Ihre Sehnsucht nach Berlin und dem Titel?
Es wäre natürlich ein Traum, nach Berlin zu fahren, den Pokal zu gewinnen und das Finale nicht nur von der Couch aus zu verfolgen. Aber auch hier gilt: Wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Wir haben selbst schon erlebt, dass man im Pokal gegen Dritt- oder Viertligisten rausfliegen kann. Deswegen dürfen wir uns keinen einzigen Prozentpunkt Nachlässigkeit erlauben. (bvo)
