DeichStube-Interview

„Ich weiß, dass ich schnell zurückkommen kann“: Agu über ein Startelf-Comeback und seinen „großen Bruder“ bei Werder

Gute Laune bei Felix Agu: Im Interview mit DeichStube-Reporter Malte Bürger spricht der Profi des SV Werder Bremen unter anderem über seinen Comeback-Plan und seine Zukunft.
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Gute Laune bei Felix Agu: Im Interview mit DeichStube-Reporter Malte Bürger spricht der Profi des SV Werder Bremen unter anderem über seinen Comeback-Plan und seine Zukunft.

Im DeichStube-Interview spricht Felix Agu über seinen Comeback-Plan nach Verletzung, seine Zukunft sowie seinen „Onkel“ und „Bruder“ beim SV Werder Bremen.

Bremen – Felix Agu hat seine Knieprobleme überwunden und robbt sich im Training Stück für Stück wieder an die Mannschaft heran. Der Profi des SV Werder Bremen sehnt sich nach Einsätzen, will endlich wieder den internen Konkurrenzkampf aufnehmen – und zeigt sich beim Interviewtermin mit der DeichStube optimistisch, dass er schon bald wieder zur Startelf gehört. Darüber hinaus spricht der 25-Jährige über seine besondere Beziehung zu Milos Veljkovic und verrät, von welcher Liga er träumt.

Ist Milos Veljkovic eigentlich ein guter Stadtführer?

(lacht) Stadtführer? Ja, das geht so. 

Die Frage kommt deshalb, weil Sie Ihren Winter-Urlaub mit ihm und Justin Njinmah gemeinsam in Belgrad verbracht. Wieso gerade dort?

Drei, vier Jahre hat er immer wieder gesagt, dass wir nach Belgrad kommen sollen. Dieses Jahr hat es dann gepasst, weil Justin und ich etwas angeschlagen waren und eine größere Reise nicht möglich war. Für uns war es in Belgrad natürlich super, dass Milos dabei war und uns die Ecken gezeigt hat, die man unbedingt sehen sollte.

Werder Bremens Felix Agu über seinen Ex-Club VfL Osnabrück und seine besondere Beziehung zu Milos Veljkovic

Wo könnten Sie einen vernünftigen Guide abgeben – in Ihrer Geburtsstadt Osnabrück?

Dorthin habe ich ihn tatsächlich schon ein, zwei Mal eingeladen. Irgendwann wollen Justin und ich auch nochmal mit ihm nach Nigeria, aber da war ich jetzt selbst 20 Jahre nicht mehr.

Schauen Sie noch ganz genau hin, was in Osnabrück beim VfL passiert?

Über meinen Vater kriege ich das meiste mit, er ist regelmäßig im Stadion. Jetzt nach dem Trainerwechsel habe ich wieder ein bisschen mehr Euphorie gespürt. Ich glaube auf jeden Fall nicht, dass sie absteigen werden, dafür haben sie eigentlich zu viel Qualität im Kader.

Zurück zu Ihrem Silvester-Trip: Was zeichnet Ihre Verbindung zu Milos Veljkovic aus?

Von Anfang an war er der Spieler, der mich hier aufgenommen und an die Hand genommen hat. Er hat mir auch in schlechteren Phasen immer Tipps gegeben. Er hilft uns als Mannschaft extrem weiter mit dem Ball und ich glaube, dass er diesbezüglich unser bester Innenverteidiger ist. Ich bin sehr glücklich, dass er hier ist.

Zuletzt gab es aber Gerüchte, dass Ihr Teamkollege demnächst häufiger in Belgrad unterwegs sein wird, weil er dort bei Roter Stern spielen soll. Wie sehr würde Sie ein Veljkovic-Abschied im Sommer schmerzen?

Justin und er sind momentan die Spieler, mit denen ich auch neben dem Platz extrem viel Zeit verbringe. Für mich persönlich wäre das also ein großer Verlust, aber am Ende muss er schauen, was für ihn am besten ist. Ich weiß aber wirklich nicht, ob es irgendwelche Verhandlungen gibt. Ich kann nur sagen, dass sich jede Mannschaft glücklich schätzen kann, jemanden wie ihn in ihren Reihen zu wissen.

Werder Bremens Felix Agu im DeichStube-Interview über seine bittere Verletzung und sein Comeback

Stichwort Schmerzen: Damit kennen Sie sich besser aus, als Ihnen lieb sein dürfte. Wie sehr nervt die erneute Verletzungspause?

Sehr. Damals beim Kiel-Spiel ist mir mein Gegenspieler bei einem Zweikampf ins Knie gelaufen. Ich bin kurz zur Seitenlinie, habe mir etwas Eis-Spray geholt und dann weitergespielt. Ohne das ganze Adrenalin hat es dann nach dem Spiel schon sehr wehgetan, auch die Schwellung ging nicht richtig weg. Dann habe ich mir eine Auszeit genommen, wir haben Untersuchungen gemacht – und mit der Zeit hat sich dann herausgestellt, dass es doch schwerwiegender ist als angenommen.

Ist da für Sie eine Welt zusammengebrochen?

Ich dachte am Anfang, dass ich vielleicht zwei, drei Wochen fehle. Plötzlich waren es dann drei Monate und ich habe schon gedacht, dass es doch nicht wahr sein könne. Irgendwie hat mir aber die Zeit vorher Mut gemacht. Ich habe mich an meine lange Verletzung vorher erinnert und wie ich danach wiedergekommen bin und fast jedes Spiel gemacht habe. Ich weiß also, dass ich bei aller Enttäuschung auch sehr schnell zurückkommen kann.

Verliert man trotzdem ein wenig das Vertrauen in seinen Körper?

Die Szene war unglücklich, sowas kann immer passieren. Daher habe ich auch kein Vertrauen verloren, sondern war einfach sauer, dass es wieder eine längere Verletzungspause wurde. Schwerer wäre es für den Kopf sicherlich gewesen, wenn es wieder die Patella-Sehne gewesen wäre, die Probleme bereitet hätte.

Auf dem Trainingsplatz stehen Sie schon wieder. Wann sehen wir Sie im Weserstadion spielen?

So konkret kann ich das nicht sagen. Ich muss schauen, wie mein Körper auf die steigende Belastung reagiert. Beim Rest, also den Abläufen, fühle ich mich noch sehr sicher. Sobald ich also wieder bei 100 Prozent im Mannschaftstraining bin, wird es hoffentlich nicht mehr allzu lange dauern.

Felix Agu über Konkurrenzkampf, Defensiv-Probleme und seine Lieblingsposition bei Werder Bremen

In der Zwischenzeit ist eine Menge bei Werder passiert: Derrick Köhn hat gute Leistungen auf der linken Seite gezeigt, Issa Kaboré schickt sich auch an, eine echte Verstärkung zu sein. Und rechts ist ohnehin Mitchell Weiser gesetzt. Provokant gefragt: Wo bleibt da eigentlich noch Platz für Sie?

Es war ja auch während meiner letzten Verletzung so, dass der Verein Olivier Deman geholt hat. Da habe ich es auch geschafft, mich wieder durchzusetzen. Ich werde versuchen, mindestens an das vorherige Level anzuknüpfen, wenn nicht sogar wieder den nächsten Schritt zu gehen. Ich mache mir jedenfalls keine Gedanken darüber, dass ich vielleicht nicht auf meine Spielzeit komme.

Stellen Sie sich auf ein Duell um die linke Seite ein oder welche Schiene wäre Ihr Favorit?

Da lege ich mich gar nicht fest. Zuletzt habe ich gefühlt zu 90 Prozent links gespielt, deshalb gehe ich jetzt erstmal von dieser Seite aus. Am Ende ist es mir aber gleich. Je nachdem, wo der Trainer den Bedarf sieht, spiele ich. Ich bin mit beidem zufrieden.

In Bremen wird gerade – mal wieder – über das Defensivverhalten gesprochen. Jeder rätselt, was da durch die Winterpause verloren gegangen ist. Haben Sie mit dem Blick von außen eine Erklärung?

Wir müssen als Team wieder kompakt verteidigen, damit der Gegner die Bälle nicht einfach hinter die Kette spielen kann, wenn wir hinten geschlossen aufrücken. Und wenn wir mal tiefer stehen, muss trotzdem genug Druck auf den Gegner vorhanden sein. Es ist auf jeden Fall ein ganzheitliches Thema. Eine konkrete Lösung habe ich aber auch nicht parat.

Wird mit Ihnen wieder alles besser?

(lacht) Ich bin vielleicht von allen Außenverteidigern, die wir haben, der defensivste. Aber jetzt zu sagen, dass mit mir alles besser wird, ist dann doch ein bisschen zu groß. Wie gesagt, es ist eine ganzheitliche Sache.

Felix Agu spricht im Interview über seine Zeit bei Werder Bremen, seine Zukunft und einen USA-Traum

Sie sind jetzt bald fünf Jahre bei Werder. Hätten Sie damals gedacht, dass Sie so lange bleiben würden?

Nicht unbedingt. Aber irgendwie ist die Zeit auch schnell rumgegangen. (grinst)

Trotz der langen Verletzungspause zwischendurch?

Im Rückblick sind die zwölf Monate damals viel kürzer, als man sich das wahrscheinlich vorstellt. Aber ich konnte da auch mal mehr Zeit mit Freunden außerhalb des Fußballs verbringen. So ist alles viel schneller vorbeigegangen, auch die fast fünf Jahre sind irgendwie verflogen. Aber es war eine schöne Zeit.

Sie haben in dieser Zeit Spieler kommen und gehen sehen, sind selbst aber noch da. Wie stolz macht Sie das?

Ich weiß nicht, wie viele Spieler es irgendwie mal ein, zwei Jahre in die Bundesliga schaffen, aber dann auch relativ schnell wieder abtauchen und in anderen Ligen verschwinden. Dann selbst sagen zu können, dass man jetzt viereinhalb Jahre bei so einem Top-Club ist, das ist schon schön. Und solche Geschichten gibt es ja nicht nur im Fußball, auch in der NFL hört man immer wieder davon, wie schnell Karrieren enden.

Wo Sie den US-Sport ansprechen: Wäre das ein System für Sie, mit dieser ständigen Ungewissheit leben zu müssen, dass man mal ganz schnell verkauft wird?

Du bist dort einfach nur ein Asset des Teams, mehr nicht. Irgendwo sieht irgendjemand eine bessere Chance und du bist weg. Das finde ich hier schon noch ein bisschen angenehmer. Am Ende meiner Karriere könnte ich mir trotzdem vorstellen, in die MLS (Major League Soccer, Anm. d. Red.) zu gehen, weil ich da auch Familie habe. Aber jetzt so kurz nach der Wahl sieht das sowieso nochmal anders aus. Es darf gern noch ein paar Jahre dauern – und vielleicht muss ich mir dann eine No-Trade-Klausel in den Vertrag schreiben lassen. (lacht)

Wenn Sie besorgt auf die USA schauen, wie sehr beschäftigt Sie die derzeitige politische Lage in Deutschland?

Ich weiß im Moment noch nicht, welche Partie ich wählen soll. Ich hoffe, dass mir der Wahl-O-Mat noch ein bisschen helfen kann. Aber es ist natürlich nicht schön zu sehen, dass eine ganz bestimmte Partei gerade auf dem Vormarsch ist und ziemlich viel Anerkennung in diesem Land bekommt. Ich glaube, dass viele Menschen satt sind von dem, wie es zuletzt gelaufen ist, aber ich denke nicht, dass es jetzt unbedingt die Lösung ist, in diese Richtung zu tendieren.

Im DeichStube-Interview: Felix Agu über Zeit nach der Karriere und „Onkel“ und „Bruder“ bei Werder Bremen

Zurück zum Fußball: Es gibt nicht wenige Spieler, gerade mit Verletzungsgeschichte, die sich nebenbei ein zweites Standbein aufbauen. Wie ist es bei Ihnen: Büffeln Sie an der Fern-Uni?

Das nicht. Aber ich habe schon noch vor, während meiner Karriere unternehmerisch tätig zu werden. Von vielen Ex-Spielern hat man ja gehört, dass man plötzlich in ein Loch fällt, wenn da kein Fußball mehr im Alltag ist. Das möchte ich vermeiden, bin da aber noch völlig offen.

Bekommt man es denn im Team mit, wenn jemand über 30 ist und darüber nachdenkt, dass er gar nicht mehr so viel Zeit als Profi hat?

Ja, schon. Manchmal ist es vielleicht der letzte Vertrag, für zwei, drei Jahre gibt es noch Planungssicherheit. Und dann geht es um die Lösung der Frage, was dann mit der Zeit angefangen wird. Zuletzt bei Grosso (Christian Groß, Anm. d. Red.) hat man aber auch gesehen, dass es ganz gut laufen kann. Er hat relativ nahtlos einen Job gehabt (Scout bei Bayer 04 Leverkusen, Anm. d. Red.). Aber so war Grosso als Typ immer: ziemlich aufgeräumt, sehr straight. Er wusste eigentlich immer genau, was er will.

Wer hat denn eigentlich die Lücke in der Kabine gestopft, die er hinterlassen hat?

Das weiß ich auch gar nicht. Grosso war irgendwie immer – er hat das nicht gerne gehört – wie ein Onkel. (lacht)

Und Milos ist dann Ihr großer Bruder?

Ja, er ist auf jeden Fall ein großer Bruder. Du brauchst aber immer auch solch einen Onkel, der ein wenig strenger ist. (mbü)

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