Werder-Transfer- und Kader-Analyse

Wer kann Werder Bremen wo besser machen? Daten-Experten blicken auf die neue Saison und machen konkrete Vorschläge

Kaishu Sano (li.), Leopold Querfeld (mi.) und Roko Simic könnten laut der Daten-Experten von Createfootball den SV Werder Bremen mit ihrem Profil verstärken.
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Kaishu Sano (li.), Leopold Querfeld (mi.) und Roko Simic würden laut der Daten-Experten von Createfootball den SV Werder Bremen verstärken.

Kader-Analyse der Daten-Experten von Createfootball: Diese Spieler könnten Werder Bremen in der neuen Bundesliga-Saison besser machen.

Bremen – Acht Spieltage vor dem Ende der Bundesliga-Saison rangiert der SV Werder Bremen auf Rang zehn zwischen Gut und Böse in der Tabelle. Da bietet die Länderspielpause eine gute Gelegenheit, schon mal auf die kommende Spielzeit zu schauen. Die DeichStube hat bei den Experten von Createfootball nachgefragt, wo und mit wem sich die Grün-Weißen verbessern könnten. Das Unternehmen berät in den Themenfeldern Datenscouting und -analysen nicht nur Medien, sondern auch diverse Proficlubs im In- und Ausland. 

Tor: Der neue Stammkeeper Michael Zetterer löste am 8. Spieltag Jiri Pavlenka als Nummer 1 ab und rechtfertigt seinen Status mit starken Paraden. Auf der Linie gehört Zetterer zu den Top-5-Keepern der Liga, parierte starke 70 Prozent aller Torschüsse und rettete Werder schon den einen oder anderen Punkt. Mit dem Ball am Fuß präsentiert er sich durchaus mutig, spielt viele progressive Pässe, muss an seiner Präzision allerdings noch arbeiten. Jiri Pavlenkas Vertrag läuft im Sommer aus und wird voraussichtlich nicht verlängert, dessen Kaderplatz wird der aktuell an Volendam verliehene 19-jährige Mio Backhaus einnehmen.

Werder Bremen-Analyse: Eine Veränderung in der Innenverteidigung würde der Mannschaft guttun

Abwehr: In der Dreierkette verhält sich die Lage etwas anders. Mit sechs Innenverteidigern ist Werder definitiv auch in der neuen Saison quantitativ sehr gut besetzt. Bei einem genaueren Blick sind sich die vorhandenen Innenverteidiger jedoch alle vom Profil sehr ähnlich und haben ihre Stärken mehr im Spiel gegen als mit dem Ball. Julian Malatinis Ankunft im Winter war hier bereits eine kluge Neuverpflichtung. Dennoch performt im Ligavergleich keiner von ihnen besser als der Durchschnitt. Mit Ausnahme von Anthony Jung, Bremens bestem Zweikämpfer in der Abwehr, konnte keiner seine defensive Zweikampfquote im Vergleich zum Vorjahr verbessern. Faktisch stellt Werder Bremen trotz einer hohen Zweikampfintensität mit Niklas Stark, Amos Pieper und Malatini drei der zehn Innenverteidiger mit der schwächsten Quote gewonnener Defensivzweikämpfe in dieser Saison.

Daher benötigt Werder Bremen für die kommende Spielzeit eigentlich dringend einen neuen Innenverteidiger, der sowohl mit Zweikampfstärke als auch mit einer ordentlichen Dynamik und spielerischen Qualitäten punkten kann, um den arrivierten Kräften auch im Hinblick auf die 2025 auslaufenden Verträge von Jung und Veljkovic Druck zu machen.

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Rapid Wiens Leopold Querfeld würde mit seinem Profil gut zu Werder Bremen passen

Ein Kandidat, der dieses Profil erfüllt und dazu reichlich Entwicklungspotenzial mitbringt, ist Rapid Wiens Leopold Querfeld. Der 1.90 m lange österreichische U 21-Nationalspieler stand in 96 Prozent aller Spielminuten auf dem Platz, führte den österreichischen Rekordmeister zuletzt sogar als Kapitän aufs Feld. Querfeld gewinnt knapp 70 Prozent seiner Defensivduelle und ist spielerisch auch in Drucksituationen enorm stark, kommt auf eine sehr hohe Passgenauigkeit von 84 Prozent. Bei einem Vertrag bis 2025 dürfte ein Transfer des 20-Jährigen finanziell für Werder Bremen machbar sein.

Ein weiterer Kandidat wäre Patrick Mainka, der als Kapitän einen wesentlichen Anteil am Erfolg des 1. FC Heidenheim hat. Der 29-jährige Ex-Bremer gehört zu den zweikampfstärksten Spielern der Bundesliga, gewinnt knapp 80 Prozent (!) seiner Defensivduelle, verfügt über ein sehr gutes Stellungsspiel und eine vorwärtsgerichtete Passgenauigkeit von 79 Prozent, spielt lang wie kurz sehr präzise Pässe. 

Ein Transfer von Kaishu Sano würde Werder Bremen im Mittelfeld verstärken

Mittelfeld / Außenbahn: Das im Sommer 2023 stark umgebaute Mittelfeld könnte auch im kommenden Sommer eine Baustelle sein. Routinier Christian Groß beendet seine Karriere, der Leihvertrag von Skelly Alvero läuft aus und wird aller Voraussicht nach nicht verlängert, Naby Keita ist ein ewiger Rekonvaleszent und sportlich nicht wirklich einplanbar. Dadurch steht mit Senne Lynen für die kommende Saison nur ein nomineller Sechser im Kader. Dieser gehört defensiv zu den besten der Liga, erreicht insbesondere im Gegenpressing und in der Balleroberung absolute Topwerte, kann sich aber im Passspiel noch steigern. Der Belgier beschränkt sich sehr auf die Arbeit gegen den Ball, wodurch er nur eine eingeschränkte Rolle im Aufbauspiel einnimmt. Hier lohnt es sich für Werder Bremen, nach einem Positionskonkurrenten zu schauen, der einerseits eine ähnliche Zweikampf- und Pressingintensität und -effizienz mitbringt sowie eine hohe Laufbereitschaft – und dazu mit präzisen Flachpässen ins letzte Drittel glänzt. 

Ein Spieler, der dieses Profil erfüllt, ist Kaishu Sano von den Kashima Antlers. Der quirlige japanische Nationalspieler weist eine enorm positive Entwicklung in den letzten Jahren auf und glänzt durch eine hochintelligente Spielweise. Seine 71 Prozent gewonnenen Defensivzweikämpfe wären in der Bundesliga der zweitbeste Wert aller Mittelfeldspieler, dazu ist sein Stellungsspiel überragend. Mit Ball am Fuß agiert er sehr ruhig und sucht häufig den Passweg zwischen die gegnerischen Linien. Mit einem Marktwert von einer Million Euro könnte der 23-Jährige ein echtes Schnäppchen für Werder Bremen werden.

Ebenfalls in dieses Profil passen würde Stijn Spierings. Der 28-jährige Niederländer ist aktuell von Lens an Toulouse verliehen und dort auf der Sechs gesetzt. Dort überzeugt er mit resoluter und effizienter Zweikampfführung in einem der zweikampfintensivsten Teams der Ligue 1. Dort ragt er mit Stellungsspiel und Abgeklärtheit heraus und orchestriert den Spielaufbau mit enorm hoher Präzision (88 Prozent Passgenauigkeit), visiert dabei häufig millimetergenau Läufe ins letzte Drittel an.

Falls Mitchell Weiser wechselt: Elias Jelert könnte ihn bei Werder Bremen beerben

Auch auf der Außenbahn zeichnet sich ein Umbau ab. Links kämpft Olivier Deman um seinen Platz. Im Ligavergleich muss der lauf- und zweikampfstarke Belgier, der gerade etwas verunsichert wirkt, vor allem deutlich mehr Torgefahr entwickeln. Sein Expected-Assists-Wert ist der sechstniedrigste der Liga, während Mitchell Weiser dank seiner sehr präzisen Flanken zu den torgefährlichsten Verteidigern der Liga gehört. Da Weisers Vertrag jedoch im Sommer ausläuft und sich eine Verlängerung zurzeit nicht abzeichnet, wäre Werder Bremen gut beraten, auf beiden Wingback-Positionen nachzurüsten. Ein Felix Agu, der beide Positionen bekleiden kann und viel von seiner Schnelligkeit lebt, dürfte da nicht ausreichen. 

Links benötigt Werder Bremen ein offensivstärkeres Profil als das von Deman. Ein logischer Kandidat hierfür wäre der 20-jährige Norweger Mathias Lövik. In der abgelaufenen Eliteseriensaison zählte der sprintstarke U 21-Nationalspieler von Molde FK zu den absoluten Breakout-Stars. Der Linksfuß überzeugt mit hoher Ausdauer, Dribblingqualität und vielen torgefährlichen Flankenläufen. Kaum ein Spieler der Eliteserien flankt häufiger und präziser als Lövik, womit er eine hervorragende Ergänzung zu Deman darstellen würde. 

Für die rechte Seite sollte sich Werder Bremen nach einem profilgetreuen Ersatz für Mitchell Weiser orientieren. Hier sticht ebenfalls ein junger Skandinavier hervor, nämlich Elias Jelert vom FC Kopenhagen. Ähnlich wie Lövik besitzt der 20-Jährige einen pfeilschnellen Antritt, mit dem er häufig bis zur Grundlinie zieht, um dann präzise Hereingaben zu schlagen. Dazu ist er gegen den Ball extrem effizient, gewinnt über 60 Prozent seiner Zweikämpfe.

Werder Bremen braucht im Angriff Verstärkung - Roko Simic von RB Salzburg würde gut ins Profil passen

Angriff: Im Sturmzentrum wurde die Lücke, die Niclas Füllkrug hinterlassen hat, nicht adäquat geschlossen. Rafael Borré hat Werder Bremen dazu schon wieder verlassen. Zwar konnte sich Marvin Ducksch in der Chancenverwertung im Vergleich zum Vorjahr erneut verbessern, ein kantiger Zielspieler, der die vielen vertikalen Bälle aus der Abwehr verarbeitet und in der Box auf Flanken lauert, ist er jedoch nicht. Genauso verkörpern Justin Njinmah und Nick Woltemade eher das Profil eines Mobile Strikers. Dawid Kownacki, der Füllkrug vom Spielertypen am meisten ähnelt, kann an seine Overperformance aus der vergangenen Saison nicht anknüpfen und zählt vor dem Tor zu den ineffizientesten Stürmern dieser Saison (nur 18 Prozent seiner Schüsse finden überhaupt den Weg aufs Tor).

Werder Bremen sollte sich nach einem Stürmer umschauen, der die Körperlichkeit eines Zielspielers mit der Beweglichkeit eines Mobile Strikers kombiniert. Ein Spieler, der dieses Profil erfüllt, ist Roko Simic. Der kroatische U21-Nationalspieler in Diensten von RB Salzburg hat in Karim Konaté und Petar Ratkov enorm starke Positionskonkurrenz. Mit einem Vertrag bis 2025 besteht für RB die letzte Möglichkeit, eine Ablöse für den vielversprechenden Mittelstürmer einzustreichen. Mit seinen 1,90 Metern Körpergröße wirft sich Simic mutig in Luftduelle und ist dennoch ausgesprochen sprint- und dribbelstark. Der 20-Jährige bringt sich zudem häufig in gute Abschlusspositionen. 

Ein weiterer Kandidat wäre Samuel Essende. Der 26-Jährige in Diensten des portugiesischen Erstligisten FC Vizela erzielte in dieser Saison bereits 13 Tore in 25 Spielen und besticht neben seiner physischen Robustheit (1,92 Meter, 87 Kilogramm) mit ordentlicher Athletik, Dribbelstärke und einem eiskalten Abschluss. In der Luft gehört Essende zu den stärksten Spielern Portugals, geht in fast neun Luftduelle pro 90 Minuten. (mbe)

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