Werder-Boss redet Klartext

„Müssen bei Transfers noch genauer hinschauen“: Werder-Boss Klaus Filbry über wirtschaftliche Zwänge

Wirtschaftlich steht Werder Bremen unter Druck: Club-Boss Klaus Filbry spricht über Transfers, Millionen-Zwänge und die Zukunft des SVW!

Das erste Angebot für Jens Stage? „Nicht marktgerecht“, wie es Klaus Filbry, der Vorsitzende der Geschäftsführung des SV Werder Bremen, im Interview mit dem „Kicker“ nennt. Ab welcher Summe der Verein schwach werden würde? Verrät der 59-Jährige nicht. Klar ist: Werder braucht Einnahmen, doch die nach DeichStube-Informationen im einstelligen Millionenbereich liegende Offerte der TSG Hoffenheim für den dänischen Mittelfeldspieler passte da nicht ansatzweise zu den eigenen Vorstellungen. „Es gibt mittlerweile kaum noch einen Club in der Bundesliga, der nicht auf Transfererlöse angewiesen ist“, sagt Filbry, schiebt allerdings auch hinterher: „Wir sind aber insgesamt handlungsfähig und müssen nicht jedem Transfer zustimmen.“

Wirtschaftlich steht Werder Bremen unter Druck: Club-Boss Klaus Filbry spricht über Transfers, Millionen-Zwänge und die Zukunft des SVW!

Werder Bremen verkauft Mio Backhaus für bis zu 15 Millionen Euro an den SC Freiburg - und erzielt so wichtige Transfer-Einnahmen

Bei Torhüter Mio Backhaus wurde es getan, der Wechsel zum Ligakonkurrenten SC Freiburg kann dem SV Werder Bremen Einnahmen von bis zu 15 Millionen Euro bescheren. Das hübscht das Konto auf, die Bilanz des Geschäftsjahres, das bis zum 30. Juni läuft, wurde so ins Positive gekehrt. Welche Summe auf dem Transfermarkt in diesem Sommer genau erzielt werden muss, um das eigene Wohlbefinden zu fördern, will Klaus Filbry aber nicht skizzieren.

„Das wäre unseriös in der Öffentlichkeit zu beziffern, weil sich auch immer wieder Parameter ändern. Ein Beispiel: Transfers, die vielleicht in diesem Geschäftsjahr noch abgewickelt werden, haben ja auch Auswirkungen auf das nächste Jahr“, sagt Klaus Filbry - und der Boss des SV Werder Bremen fügt an: .„Aber wir haben auch noch das regionale Bündnis, wodurch wir zusätzliche Mittel generiert haben. Die geben uns eine gewisse Handlungsfähigkeit.“

Werder Bremen in der TV-Geld-Tabelle nur auf Platz 13 - Klaus Filbry: „Wir hätten auch Zehnter werden können, das wären acht Millionen Euro mehr“

Und doch plagen den SV Werder Bremen weiterhin finanzielle Sorgen. „Wir haben immer noch eine Anleihe, die verzinst ist. In der TV-Wertung ist immer noch eine Abstiegssaison und eine Relegationssaison inkludiert, das heißt Vereine, die nicht abgestiegen sind, generieren deutlich mehr Einnahmen“, zählt Klaus Filbry auf und ergänzt: „Wir sind in dieser Tabelle jetzt 13., aber wir hätten dieses Jahr auch Zehnter werden können - das wären dann gleich rund acht Millionen Euro mehr. Das alles ist die Realität. Diese Altlasten beschäftigen einen Verein noch mehrere Jahre danach, und deshalb sollte man einen Abstieg immer vermeiden.“

Doch damit nicht genug, es gibt weitere Belastungen. „Der Stadionumbau steht weiterhin mit 50 bis 60 Millionen Euro in den Büchern, wofür wir Zinsen zahlen. Es gibt dazu einige Posten, die wir bewusst eingehen, da wir von ihnen absolut überzeugt sind – die aber zugleich auf unsere wirtschaftliche Situation einzahlen“, schildert der Boss des SV Werder Bremen. „Dazu gehört beispielsweise auch der Frauenfußball oder Teile der anderen Sportarten dazu, die immer noch quersubventioniert werden. Daher sind Transfererlöse weiterhin ein wesentlicher Baustein unseres Geschäftsmodells“, sagt Klaus Filbry.

Werder Bremens Klaus Filbry über Karim Coulibaly: „Es gibt aktuell keine Angebote, insofern ist das spekulativ, was wir erwarten“

Dass diese womöglich durch einen Verkauf von Abwehrtalent Karim Coulibaly, um den sich seit Monaten Wechselgerüchte ranken, generiert werden, will Klaus Filbry nicht als garantiert ansehen. „Karim hat noch einen langfristigen Vertrag, er hat ein tolles erstes Jahr hingelegt, aber aktuell gibt es keine Angebote, insofern ist das spekulativ, was wir erwarten“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung des SV Werder Bremen.

Bei der Fahndung nach Verstärkungen für den SV Werder Bremen betont Klaus Filbry indes: „Wir müssen gerade bei Transfers noch genauer hinschauen. Wir haben vergangenes Jahr sehr viel Geld in einen Spieler investiert, bei dem wir auch immer noch davon überzeugt sind, dass es sich im positiven Sinne entwickeln wird – aber man kann auch klar sagen, dass die erste Saison von Samuel Mbangula unsere und seine Erwartungen nicht erfüllt hat.“

Werder Bremens Klaus Filbry: „Der Kampf um den Klassenerhalt ist auf Deutsch gesagt einfach beschissen“

Ausschließen will der Funktionär des SV Werder Bremen einen neuerlichen Zehn-Millionen-Euro-Transfer wie den des Belgiers aber keineswegs. „Wenn wir davon absolut überzeugt sind und der finanzielle Rahmen passt, stimmen wir das gemeinsam als Geschäftsführung ab“, sagt Klaus Filbry. „Doch die inhaltliche Wahl obliegt bei uns dem Geschäftsführer Fußball - und das ist auch richtig so.“

Besagter Clemens Fritz, dem jüngst vom Aufsichtsrat des SV Werder Bremen einstimmig das Vertrauen für die Zukunft ausgesprochen wurde, ist folglich in diesem Sommer ganz besonders gefordert. So sehr wie noch nie? „Ich glaube, jede Transferperiode ist intensiv und wichtig. Wir sind in einem unfassbar brutalen Verdrängungswettbewerb, da könnte man jetzt sicher zehn weitere Vereine fragen: Der Kampf um den Klassenerhalt ist auf Deutsch gesagt einfach beschissen“, betont Klaus Filbry. „Es kostet Kraft - und das geht jedes Jahr von Neuem los. Man kann sich nicht ausruhen, muss immer wieder Leistung bringen.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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