Nach knapper Niederlage
Kollektivschlaf und Balljungen-Trick: Werder ärgert sich über Gegentor in Hoffenheim
Vor dem entscheidenden Tor der TSG Hoffenheim machte ein Balljunge das Spiel mit seinem Zuwurf schnell – zum Ärger des SV Werder Bremen!
Marco Friedl beschrieb die Szene, jene folgenschwere Fehlerkette aus der 26. Minute, hinterher am „Sky“-Mikrofon mit nur einem einzigen Wort: „Kindergarten“. Womit der Kapitän des SV Werder Bremen schonungslos und zutreffend das Verhalten seiner Mannschaft beim Gegentor während der 0:1-Niederlage bei der TSG Hoffenheim umriss. „Das macht mich unfassbar wütend“, wetterte Friedl, „es ist unglaublich, dass wir in der Situation nicht auf der Höhe sind, dass wir schlafen. Wegen so einer Scheiße darfst du niemals ein Tor kassieren.“ Da waren sich am Samstag alle Bremer einig.
Werder Bremen lässt sich bei Eckball von der TSG Hoffenheim überrumpeln - und ärgert sich
Nach dem frühen Platzverweis gegen Yukinari Sugawara (2.) hatte sich Werder Bremen erstaunlich schnell gefangen und defensiv zur Neu-Ordnung gefunden – dann jedoch geschah Folgendes: Nach einem unsauberen Rückpass von Jens Stage auf Amos Pieper erreichte dieser den Ball nicht mehr vor der Torauslinie und ließ sich beim blitzschnell ausgeführten Eckball überrumpeln – ebenso wie alle Bremer im Zentrum. Letztlich war es Bazoumana Touré, der im Strafraum zur 1:0-Führung für die TSG Hoffenheim traf.
„Dabei hatte der Trainer noch darauf hingewiesen, dass Hoffenheim seine Freistöße und Eckbälle gerne schnell ausführt“, berichtete Clemens Fritz, Sportchef des SV Werder Bremen: „Da musst du einfach wach sein, nochmal mehr, wenn du sowieso schon in Unterzahl bist. Deshalb müssen wir uns ärgern.“ Mittelfeldspieler Senne Lynen nannte den Gegentreffer derweil „viel zu billig“ – und fasste zusammen: „Wir haben viele Bälle lang geschlagen, was auch erlaubt ist, wenn man mit einem Mann weniger bei einer Mannschaft spielt, die in die Champions League will. Nur einmal spielen wir kurz, sind nicht sauber genug, es gibt Eckball, keiner ist auf seiner Position – und wir liegen hinten.“ Genauso war es.
Werder Bremens Daniel Thioune: „95 Minuten lang hat meine Mannschaft leidenschaftlich verteidigt, aber 30 Sekunden lang war sie nicht da“
Was allerdings auch zur Wahrheit des Gegentreffers gehörte: Ein Balljunge hatte Eckballschütze Fisnik Asllani die Kugel vor der Ausführung zugeworfen, was seit kurzer Zeit nicht mehr erlaubt ist. Stattdessen sollen sich die Profis den Ball von einer der sieben sogenannten „Ballstationen“ rund um das Spielfeld holen, wohinter sich in der Regel ein schlichtes Hütchen verbirgt, auf dem das Spielgerät von den Ballkindern abgelegt werden soll. Mit der neuen Regel möchte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) verhindern, dass Ballkinder, die stets vom Heimverein gestellt werden, die Wiederaufnahme des Spiels – je nach Situation – beschleunigen oder verzögern können. In Sinsheim war am Samstagnachmittag Ersteres geschehen, zum Nachteil des SV Werder Bremen. Während ein ähnlicher Fall am vergangenen Spieltag den Protest von RB Leipzig ausgelöst hatte, dass sich in Leverkusen benachteiligt fühlte, wollte Werder-Coach Daniel Thioune die Szene nicht zu hoch hängen.
„Am Ende geht es immer darum, inwieweit man Regeln im Bereich des Legalen nutzen kann. Ich weiß auch, dass die Bälle normalerweise auf die Hütchen gehören“, sagte der 51-jährige Cheftrainer des SV Werder Bremen zwar. Er betonte jedoch auch: „Ich suche den Schuldigen jetzt aber nicht im Off, sondern bei uns. Die Entstehung des Gegentreffers war vorher schon maximal unglücklich, denn unsere Reaktionen haben einfach viel zu lange gedauert.“ Das sei „naiv“ gewesen, darüber habe er sich „maßlos geärgert“, hielt Daniel Thioune nach der Bremer Pleite bei der TSG Hoffenheim fest. „95 Minuten lang hat meine Mannschaft leidenschaftlich verteidigt, aber 30 Sekunden lang war sie nicht da. Deshalb bleibt uns am Ende nichts.“ (dco/bvo)
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