Nachbericht zum 3:3
Enttäuscht statt erleichtert: Wie Werder nun mit dem verpassten Befreiungsschlag gegen Frankfurt umgeht
Werder Bremen verpasst gegen Eintracht Frankfurt knapp den ersehnten Befreiungsschlag. So gehen Trainer Horst Steffen und Co. nun mit dem bitteren 3:3-Unentschieden um - der Nachbericht.
Bremen – Horst Steffen war nicht glücklich, im Gegenteil. Einigermaßen zerknirscht nahm der Cheftrainer des SV Werder Bremen in der Nacht zu Samstag seinen Platz im Medienraum des Weserstadions ein, oben auf dem Podium, um dort über ein Spiel zu sprechen, in dem für seine Mannschaft zwar einiges schief, vieles dafür aber auch sehr gut gelaufen war. Das Problem: Zum lang ersehnten Befreiungsschlag hatte es trotz insgesamt ansprechender Leistung auch gegen Eintracht Frankfurt nicht gereicht, weil der Gegner tief in der Nachspielzeit doch noch zum 3:3-Ausgleich kam. Im Bremer Lager war deshalb große Ernüchterung, nicht etwa Erleichterung das vorherrschende Gefühl. „Es fühlt sich so an, dass wir zwei Punkte verloren haben“, sagte Steffen, „in der Schlusssekunde noch das 3:3 zu kassieren, ist sehr ärgerlich.“
Siebtes Spiel ohne Sieg: Werder Bremen erlebt „riesige Enttäuschung“ gegen Eintracht Frankfurt - intern brodelt es weiter
Zum einen deshalb, weil sich die Mannschaft damit um den Lohn ihrer vorausgegangenen Arbeit brachte. Nach 0:1- und 1:2-Rückstand waren die Bremer jeweils eindrucksvoll zurückgekommen, in der 80. Minute durch Neuzugang Jovan Milosevic sogar in Führung gegangen, um nach dem späten Ausgleich von Ansgar Knauff (90.+4) dann doch als gefühlte Verlierer dazustehen. Werder Bremens Mittelfeldmotor Jens Stage sprach im Nachgang von einer „riesigen Enttäuschung“ und hielt mit Blick auf das späte Frankfurter 3:3 fest: „Solche Momente passieren, wenn Gegenwind da ist. Das ist bitter.“ Zumal besagter Gegenwind für Mannschaft, Trainerteam und sportliche Führung zuletzt definitiv mehr rauer Sturm denn leichte Brise war. Was das späte 3:3 noch ein bisschen bitterer machte.
Sechs Ligaspiele in Serie hatte Werder Bremen vor der Partie gegen Eintracht Frankfurt schon nicht mehr gewonnen, eine Serie die nun auf satte sieben Duelle angewachsen ist. Dazu hatte die peinliche Leihspieler-Posse rund um Sportchef Clemens Fritz und dessen Mitstreiter für Unruhe und öffentlichen Schaden gesorgt. Intern brodelt es insgesamt gewaltig bei Werder, auf mehreren Ebenen. Eine Gemengelage, die sich durch das 3:3 gegen Frankfurt sicher nicht auflösen lässt, dafür hätte es schlicht einen Sieg gebraucht. Und so sind es notgedrungen andere Aspekte, aus denen die Bremer nun Optimismus schöpfen.
Kleine Schritte in richtige Richtung bei Werder Bremen - aber für Ruhe wird erst das Ende der Sieglos-Serie sorgen
„Beide Spiele in diesem Jahr waren so, dass man sagen kann, dass wir besser Fußball spielen als bisher und auch punkten können“, sagte Horst Steffen, dessen Team in der Tat sowohl beim 0:3 in Dortmund als auch gegen Eintracht Frankfurt über weite Strecken ordentliche bis gute Vorstellungen geboten hatte. Schlussfolgerung des Trainers in der Nacht zu Samstag: „Es war ein Startschuss ins neue Jahr, bei dem alle das Gefühl haben können, dass eine Stabilität einkehrt. Deshalb gibt es heute auch positive Seiten.“ Was fraglos eine treffende Beschreibung des Werder-Status-Quo war, der wieder zart in die richtige Richtung zu zeigen scheint, aber weiterhin sehr fragil ist. Etwas beruhigt hat sich die Lage allemal, befriedet ist sie aber noch lange nicht. Dafür muss erst die Sieglos-Serie bei Werder Bremen enden.
Werder Bremen sieht „Vollgasfußball“ gegen Eintracht Frankfurt - Gegen Bayer Leverkusen muss eine weitere Steigerung her
Das ist auch Horst Steffen bewusst. „Am Ende wollen wir in der Tabelle vorankommen, und da hätten uns drei Punkte gutgetan“, sagte er. Und weiter: „Für eine Befreiung hätten wir 3:2 gewinnen müssen. So war es mehr ein Signal, das den Glauben stärkt.“ Bereits am kommenden Wochenende wird dieser Glaube wieder auf eine harte Probe gestellt, auswärts bei Bayer 04 Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) trifft Werder Bremen direkt auf das nächste Spitzenteam, um den achten Anlauf für den nächsten Sieg zu nehmen. Klar ist: Damit der erfolgreich sein kann, muss die Mannschaft zwingend an die guten Phasen gegen Dortmund und noch mehr gegen Frankfurt anknüpfen sowie darüber hinaus individuelle Fehler minimieren. Peter Niemeyer, Werders Leiter Profifußball, ist sich sicher, dass sich sein Team da auf einem guten Weg befindet. „Ich habe heute eine Mannschaft erlebt, die Vollgasfußball gespielt hat“, sagte der Ex-Profi nach dem 3:3 gegen Eintracht Frankfurt. „Darauf lässt sich aufbauen.“
Daraus sollte auch dringend aufgebaut werden. Nicht vergessen: Das Frankfurt-Spiel war Werders 17. in der laufenden Saison, die Hälfte aller Partien ist also absolviert. Mit bisher 18 Punkten auf dem Konto (Steffen: „Dass wir zwei, drei, vier Punkte mehr haben dürften, ist uns allen bewusst“), werden sich die Bremer im zweiten Saisonabschnitt gehörig steigern müssen, um nicht in große Not zu geraten. (dco)
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