Stürmer wartet weiter

„Er braucht Freiheiten wie damals Max Kruse“: Ex-Werder-Stürmer Claudio Pizarro und Martin Harnik über Victor Boniface

Victor Boniface wartet beim SV Werder Bremen weiter auf sein erstes Tor. Claudio Pizarro und Martin Harnik verraten, wie es bald klappen könnte!

Bremen – Die Partie bei RB Leipzig (0:2) war schon weit in der Nachspielzeit, da wollte es Victor Boniface noch einmal wissen. Per Schlenzer versuchte es der nigerianische Nationalspieler aus halblinker Position, doch sein Abschluss geriet zu ungenau, flog deutlich über den Kasten. Und so wartet der Angreifer des SV Werder Bremen auch nach seinem neunten Saisoneinsatz weiterhin auf seinen ersten Treffer im grün-weißen Trikot. „Wir haben auch andere Spieler, die Tore schießen können und heute gute Chancen hatten. Es muss nicht zwingend der Mittelstürmer sein“, versuchte Werders Cheftrainer Horst Steffen bereits nach der Partie in Sachsen etwas Fahrt aus der Thematik zu nehmen. Doch nach mittlerweile fast drei Monaten, die Boniface nun schon in Bremen ist, lässt sich nicht nur aufgrund der fehlenden Treffer festhalten: Wirklich angekommen scheint der 24-Jährige in der Hansestadt noch immer nicht zu sein.

Blieb auch gegen RB Leipzig ohne Tor-Erfolg: Victor Boniface wartet bei Werder Bremen auf Durchbruch.

Victor Boniface wartet weiter auf erstes Tor bei Werder Bremen – Keke Topp erhielt zuletzt den Vorzug

Ein weiteres Indiz dafür ist, dass in Leipzig zum zweiten Mal in Folge Keke Topp den Vorzug vor Victor Boniface in der Startelf des SV Werder Bremen bekam – und das, obwohl Letzterer nach seiner Einwechslung vor der Länderspielpause im Duell gegen Wolfsburg beim späten 2:1-Heimsieg einen sehr lebendigen Eindruck hinterlassen und sogar den Siegtreffer vorbereitet hatte. „Keke hat schon gegen Wolfsburg von Beginn an gespielt. Da hat es uns gutgetan, dass er immer mal wieder einen Ball abgeschirmt und weitergespielt hat. Auch heute hat er eine ordentliche Leistung gebracht“, sagte Steffen nach dem Leipzig-Spiel über den Youngster. Zwar gelang Topp gegen RB erneut nicht alles – besonders in der offensiv harmlosen ersten Bremer Hälfte hatte er einen schweren Stand – doch im zweiten Durchgang war er deutlich präsenter und hätte sich beinahe mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich belohnt, wenn er zuvor nicht um wenige Zentimeter im Abseits gestanden hätte.

So viel Eigenwerbung konnte Victor Boniface in seinen knapp fünfzehn Minuten Einsatzzeit anschließend nicht mehr betreiben. Sein bereits beschriebener, harmloser Versuch in der Nachspielzeit blieb seine gefährlichste Torannäherung. Dabei schien er zuletzt eigentlich auf dem richtigen Weg zu sein: Während der Länderspielpause hatte der Stürmer bei Werder Bremen Extraschichten eingelegt, um seinen körperlichen Zustand weiter zu verbessern. Im Oktober stand er bereits zweimal hintereinander in der Startelf. Woran liegt es also, dass seine Ausbeute – abgesehen von zwei Vorlagen und ein paar vielversprechenden Ansätzen – weiterhin dürftig ist?

„Wie damals Max Kruse“: Martin Harnik mit interessanter Aussage über Werder Bremens Stürmer Victor Boniface

Zwei Stürmer, die wissen, wie man für Werder Bremen Tore schießt, sind Martin Harnik und Claudio Pizarro. Zusammengerechnet erzielten sie über 160 Treffer für die Bremer, wobei Pizarro mit 109 Bundesliga-Toren bis heute der erfolgreichste Torschütze der Vereinsgeschichte ist. Während der Peruaner bereits vor fünf Jahren seine Schuhe an den Nagel hängte, spielt Harnik mit 38 Jahren weiterhin für die TuS Dassendorf in der Oberliga Hamburg und stellt dort seine Torjägerqualitäten unter Beweis. Beide Ex-Werder-Stürmer eint, dass sie in der von Toni Kroos ins Leben gerufenen Hallenfußball-Liga „Icon League“ als Teamheads fungieren. In dieser Rolle waren sie am Sonntag zum zwölften Spieltag der Liga in Bremen zu Gast und äußerten sich auch zum schwierigen Start ihres Nach-Nach-Nachfolgers Boniface. „Er ist natürlich ein spezieller Typ“, meinte Harnik gegenüber der DeichStube und zog einen interessanten Vergleich: „Er ist für mich ein Charakter, den du machen lassen musst. Ähnlich wie damals Max Kruse braucht er möglichst viele Freiheiten.“

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Claudio Pizarro und Martin Harnik glauben an Victor Boniface: So soll der Stürmer bei Werder Bremen in die Erfolgsspur finden

Harnik und Kruse kennen sich bekanntlich seit Jugendtagen und spielten später gemeinsam für Werder Bremen. Auch Kruse galt viele Jahre als absoluter Unterschiedsspieler auf dem Feld, neben dem Platz hingegen als Profi mit teilweise eigenwilligen Ideen und Hobbys – ähnlich wie Victor Boniface heute. Trotz der bisherigen Torflaute ist Harnik überzeugt, dass der nigerianische Stürmer in Bremen durchstarten kann. Dafür brauche es jedoch eine Voraussetzung: „Wenn man ihn von der Leine lässt, dann glaube ich, dass er ein richtig kreativer Spieler mit viel Spielfreude ist und der Mannschaft auch helfen wird.“ So richtig „von der Leine“ hat Cheftrainer Horst Steffen seinen Stürmer bislang jedoch nur in Ansätzen gelassen. In neun Spielen kommt Boniface auf lediglich 296 Minuten und nur zwei Startelfeinsätze. Zunächst wurde das mit konditionellem Rückstand erklärt, was nach 85 Minuten Einsatzzeit gegen Union Berlin sowie vielen Zusatzschichten in den vergangenen Wochen aber längst nicht mehr als stichhaltiges Argument taugt.

Startprobleme wie Boniface kennt Claudio Pizarro aus seiner eigenen Anfangszeit bei Werder Bremen nicht. Als der Peruaner 1999 nach Bremen kam, hatte er nach seinen ersten neun Einsätzen bereits fünf Treffer erzielt. Umso mehr leidet der Ex-Werder-Star nun mit dem Angreifer. „Er ist momentan in einer schwierigen Phase, aber er muss einfach weiterarbeiten, um dann auch wieder seine Qualität zu zeigen“, betonte Pizarro gegenüber der DeichStube. „Hoffentlich startet er bei Werder noch durch, das wäre für beide Seiten sehr wichtig.“ Der 153-fache Werder-Torschütze hat die Hoffnung jedenfalls noch längst nicht aufgegeben – und spekuliert bei Victor Boniface auf den guten alten Ketchupflaschen-Effekt: „Wenn das Tor bei ihm erstmal aufgeht, dann kommen hoffentlich ganz viele Tore nach.“ (bvo)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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