Werder-Debakel in Darmstadt

Werders Grundproblem: Die Mannschaft tritt derzeit nicht als Mannschaft auf – warum das Darmstadt-Spiel alarmierende Signale sendet

Der SV Werder Bremen hat ein Grundproblem: Die Mannschaft tritt nichts als Mannschaft auf.
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Der SV Werder Bremen hat ein Grundproblem: Die Mannschaft tritt nichts als Mannschaft auf.

Der SV Werder Bremen hat bei Aufsteiger Darmstadt 98 nach einer schwachen Leistung eine 2:4-Niederlage kassiert. Warum das Spiel alarmierende Signale für die kommenden Wochen sendet.

Darmstadt – Ole Werner ist grundsätzlich ein pragmatischer Typ. Einer, der in den allermeisten Fällen nicht mehr Worte als unbedingt nötig gebraucht, um zu sagen, was er sagen möchte. Und insofern war die Pressekonferenz nach Werder Bremens 2:4-Auswärtsniederlage beim SV Darmstadt 98 durchaus bemerkenswert. Gefragt nach seinem Eingangsstatement zum Spiel, sprach der Gästetrainer knappe zweieinhalb Minuten lang darüber, was alles schiefgelaufen war und bemühte sich gleichzeitig, eine Erklärung für die Leistung seines Teams zu finden, die er eingangs direkt als „für mich schwer zu erklären“ eingeordnet hatte. Zum Vergleich: Darmstadts Chefcoach Torsten Lieberknecht fasste die Partie danach in handgestoppten 27 Sekunden zusammen (Kernaussage: „Wir haben verdient gewonnen“), wovon er die letzten fünf dafür nutzte, um Werder für den weiteren Saisonverlauf alles Gute zu wünschen. Konnte nach den Eindrücken vom Sonntag sicher nicht schaden.

Werder Bremen lässt sich von Darmstadt 98 überrumpeln und steht nun vor einem ziemlich komplizierten Herbst

Beim SV Darmstadt 98 hatte sich der SV Werder Bremen zunächst überrumpeln lassen und dann, was deutlich schwerer wog, in sein Schicksal ergeben. Zwar sind erst sechs Spieltage absolviert, und mit sechs Punkten auf dem Konto steht die Mannschaft immer noch halbwegs manierlich da, am Böllenfalltor waren allerdings deutliche Warnzeichen auszumachen, die auf einen ziemlich komplizierten Bremer Herbst hinwiesen. Um es vorsichtig auszudrücken.

Zunächst einmal war da natürlich der sportliche Auftritt in Gänze, über den an dieser Stelle nicht mehr allzu viele Worte verloren werden sollen. Er war schlecht. Von Anfang an bis (fast) zum Ende, was sich in etlichen Chancen für den SV Darmstadt 98 niederschlug, von denen Matthias Bader (5.), Tim Skarke (25.), Marvin Mehlem (50.) und Ex-Bremer Tobias Kempe (62./Handelfmeter) vier Stück nutzten. Die Treffer des SV Werder Bremen, erzielt durch Olivier Deman (70.) und Milos Veljkovic (79.), gerieten danach zur Ergebniskosmetik. Wenig überraschend frustriert bis zum Anschlag schlichen die Bremer nach dem Abpfiff in Richtung Kabine. Was einige von ihnen dabei über das Spiel zu sagen hatten, taugte dann ebenfalls nicht unbedingt als Mutmacher.

Werder Bremens Clemens Fritz über die Leistung gegen Darmstadt 98: „So kannst du kein Spiel gewinnen“

Milos Veljkovic etwa, der selbst einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte, sprach einen Punkt an, der aufhorchen ließ, weil er an den Grundsätzen rüttelte. „Wir wussten, dass es eine schwere Saison wird. Und wir wussten, dass es Schwankungen in den Resultaten gibt, aber es darf keine Schwankungen beim Einsatz geben!“, forderte der Innenverteidiger, der genau das bei Werder am Böllenfalltor festgestellt hatte. Sein knallhartes Fazit: „Wenn es bei der Laufbereitschaft und beim grundsätzlichen Einsatz Schwankungen gibt, dann werden wir nicht bestehen.“ Clemens Fritz, Leiter Profifußball beim SV Werder Bremen, echauffierte sich kurz darauf in eine ähnliche Richtung und hielt nach der Niederlage bei Darmstadt 98 fest: „So kannst du kein Spiel gewinnen. In Summe waren es zu viele Fehler, und wir hatten zu wenig Intensität.“

Nun sind die Bremer nicht die erste Mannschaft, die in der laufenden Saison vom SV Darmstadt 98 überrollt wird. Auch Borussia Mönchengladbach lag beim Aufsteiger zur Pause kürzlich mit 0:3 hinten. Hat dann aber noch die Kurve bekommen und 3:3 gespielt, während Werder nicht im Ansatz zu Lösungen kam. „Wir finden als Gruppe lange Zeit keine Antworten auf einen schlechten Spielverlauf, um zu unserem eigenen Spiel zu kommen“, monierte Trainer Ole Werner, der Ähnliches bereits mehrfach in der laufenden Saison festgestellt hatte. Beispielsweise beim 2:4 in Heidenheim, als Werder Bremen eine Halbzeit lang nicht da war. Oder auch beim 2:1 gegen Köln, als der Auftritt erst nach einer halben Stunde besser wurde.

Werder Bremens Ole Werner: „Uns fehlt es aktuell komplett an der Konstanz innerhalb eines Spiels und auch von Spiel zu Spiel“

Auf die Frage nach dem Grund dafür sagte Ole Werner: „Jeder ist ein Stück weit zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Das hat viel mit Entwicklung zu tun. Ich habe schon das Gefühl, dass wir alles probieren. Aber das macht jeder für sich, das machen wir nicht als Mannschaft.“ Was der mit Abstand besorgniserregendste Bremer Satz des Tages war. ,,Nicht als Mannschaft.“ Wer das nach sechs Saisonspielen noch festhalten muss, hat definitiv eine Aufgabe vor sich, die eigentlich längst gelöst hätte sein müssen. Zumal der SV Werder Bremen im Sommer in Niclas Füllkrug zwar einen enorm wichtigen, aber eben nur einen einzigen Stammspieler verloren hat, der Rest des Kaders eher punktuell verstärkt wurde. Grundsätzlich, das haben die Auftritte in Freiburg (0:1), gegen Mainz (4:0) und nach etwas Anlaufzeit auch gegen Köln (2:1) gezeigt, besitzt der Kader die nötige fußballerische Qualität, um nicht zwingend in arge Abstiegsnöte geraten zu müssen. Sobald aber Widerstände auftauchen, wackelt das Team, weil es nicht durchgängig als Einheit auftritt. Im schlimmsten Falle fällt es irgendwann in sich zusammen.

„Wir sind generell sicherlich in der Lage, gegen jeden Gegner zu punkten. Aber uns fehlt es aktuell komplett an der Konstanz innerhalb eines Spiels und auch von Spiel zu Spiel“, sagte Ole Werner - und der Cheftrainer des SV Werder Bremen haderte: „Es kann einfach nicht sein, dass du von Woche zu Woche derart unterschiedliche Leistungen zeigst.“ Vize-Kapitän Christian Groß drückte das gleiche Phänomen nach dem Spiel gegen Darmstadt 98 wie folgt aus: „Im Moment drehen wir uns im Kreis“. (dco)

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