SV Werder schlägt Augsburg
„,Duckschi‘ war heute ein Paradebeispiel“: Mitspieler loben Werder-Matchwinner Ducksch - und der lächelt die Standard-Kritik weg
Der SV Werder Bremen hat einen wichtigen 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen den FC Augsburg eingefahren - auch dank Marvin Ducksch, der ein Tor und eine Vorlage zum Erfolg beisteuerte. Die Mitspieler waren nach der Partie voll des Lobes für den Werder-Angreifer - und der lächerte die Kritik an seinen Standards weg.
Bremen – Niklas Stark wurde beinahe philosophisch: „In den besonderen Momenten ist ,Duckschi‘ einfach , Duckschi‘.“ Was etwas skurril klingt, ist vollkommen nachvollziehbar, wenn man sieht, wie sich eben jener Marvin Ducksch so auf dem Feld bewegt. Es gibt Phasen einer Partie, da ist der Neu-Nationalspieler kaum zu sehen, scheut auch mal einen Zweikampf und ist kein Faktor im Spiel des SV Werder Bremen. Auf der anderen Seite ist immer damit zu rechnen, dass der 29-Jährige auch mal aus ganz wenig ganz viel machen kann. Oder er einfach genau da ist, wenn sein Team ihn gerade braucht. So wie schon häufiger in dieser Saison und auch jetzt beim 2:0-Heimerfolg gegen den FC Augsburg. Da bereitete Ducksch den Führungstreffer erst selbst per Eckball vor, ehe er das zweite Bremer Tor herrlich per Kopfball erzielte. Doch die Qualitäten des Offensivakteurs gehen über diese beiden Aspekte noch hinaus.
„Er ist heute extrem vorangegangen – auch wenn Dinge mal nicht bei uns geklappt haben, hat er immer diese Positivität hereingebracht“, lobte Verteidiger Anthony Jung den Angreifer des SV Werder Bremen. „Es ist klar, dass uns nicht alles gelingt, aber gerade in diesen Situationen müssen wir füreinander da sein. Und da war ,Duckschi‘ heute ein Paradebeispiel“, schwärmte Jung. „Er hat sich dann auch für seine Leistung belohnt.“
Werder Bremen trifft gegen den FC Augsburg nach einem Standard - sehr zur Freude von Eckentreter Marvin Ducksch
Gegen den FC Augsburg brauchte Marvin Ducksch wie die gesamte Mannschaft ein wenig Anlauf, um so richtig in der Partie anzukommen. Spätestens bei der Ecke, die zum 1:0 durch Niklas Stark führte (39.), war er dann aber endgültig auf Temperatur – und kommentierte die Szene später durchaus mit einer gehörigen Portion Genugtuung. „Ich bin natürlich umso glücklicher, dass wir uns nach einem Standard, die ich ja nicht schießen kann, belohnen konnten“, meinte Ducksch augenzwinkernd, der sich immer mal wieder der Kritik ausgesetzt sieht, dass seine Hereingaben nach ruhenden Bällen zu ineffektiv seien. So hatte Werder Bremen allein in diesem Jahr vor dem Augsburg-Spiel nach 101 Ecken lediglich ein Tor erzielt, wenngleich nicht immer Ducksch diese ausgeführt hatte. Gegen den FCA klappte es zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison – nach dem vierten Versuch der Partie.
Beim zweiten Treffer des SV Werder Bremen schlug Marvin Ducksch dann selbst zu – per Kopf nach einer schönen Flanke von Mitchell Weiser (65.). Diese Form des Torerfolgs zählt nicht unbedingt zu den Spezialdisziplinen des Stürmers, der aber lässig entgegnete: „Vielleicht unterschätzt man uns, weil wir nicht die größte Mannschaft haben, aber wir haben enorm kopfballstarke Spieler. Ich glaube, dass ich auch zu diesen Personen gehöre, aber auch andere Stärken habe und deshalb manchmal nicht da bin, wo ich sein sollte. Aber heute war es eine überragende Flanke, bei der ich einfach nur den Kopf hinhalten musste.“
Werder Bremens Marvin Ducksch: „Ich war einfach nur ein bisschen angepisst, dass ich ausgewechselt wurde“
Die Laune war also bestens. Nur ganz kurz drohte die gute Stimmung zu kippen. Nämlich just in dem Moment, als Marvin Ducksch im Heimspiel gegen den FC Augsburg ausgewechselt wurde. Nach 87 Minuten nahm Trainer Ole Werner den Matchwinner vom Feld, doch dessen Körpersprache machte sofort klar, dass ihm das nicht so gut gefiel. „Das ist richtig, aber ich glaube, dass solche Emotionen dazu gehören. Es war jetzt nichts Boshaftes, ich war einfach nur ein bisschen angepisst, dass ich ausgewechselt wurde“, erklärte der Angreifer des SV Werder Bremen, räumte aber auch ein: „Aber ja, vielleicht sollte man sich das sparen. Das war nach dem Spiel dann auch mit dem Trainer geklärt.“
Ole Werner nahm die Szene ebenfalls locker. „Mir war schon klar, dass er noch mehr Lust gehabt hätte zu spielen. Das geht den meisten bei einer Auswechslung so – es sei denn, sie haben eine Verletzung“, sagte der 35-jährige Chefcoach des SV Werder Bremen lächelnd, der noch an der Seitenlinie ein paar Worte mit Marvin Ducksch gewechselt, aber nicht zum Ausbreiten seiner Beweggründe angesetzt hatte. „Das ist nicht der richtige Zeitpunkt zum Erklären, denn ich habe ja in diesem Moment auch noch andere Dinge zu tun“, meinte Werner. „Wenn es Gesprächsbedarf gibt, dann ist das etwas, was man eher nach dem Spiel klärt.“ Musste er aber nicht. Denn die Situation war da längst abgehakt. Und Marvin Ducksch freute sich lieber über den ordentlichen Auftritt seiner Mannschaft. Und seine beiden entscheidenden Szenen natürlich. „Wenn man ein Tor und eine Vorlage gemacht hat, hat man nicht so ein schlechtes Spiel gemacht. Deswegen bin ich da mit mir schon im Reinen.“ (mbü/dco)