Werder über Schiri-Pech

Wird Werder Bremen benachteiligt? Peter Niemeyer reagiert auf Schiri-Frust - und freut sich über neues DFL-Pilotprojekt

Der SV Werder Bremen um Marco Friedl (zweiter von links) bei Schiedsrichter-Entscheidungen benachteiligt? Peter Niemeyer als Leiter Profifußball (rechts) vermeidet Kritik an den Unparteiischen.
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Der SV Werder Bremen um Marco Friedl (zweiter von links) bei Schiedsrichter-Entscheidungen benachteiligt? Peter Niemeyer als Leiter Profifußball (rechts) vermeidet Kritik an den Unparteiischen.

Wird Werder Bremen benachteiligt? Was Peter Niemeyer als Leiter Profifußball zu den strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen sagt - und über welches DFL-Pilotprojekt er sich freut!

Bremen – Verschwörungstheorien haben in diesen Tagen wieder Hochkonjunktur. Vornehmlich dann, wenn es um die Politik geht, aber auch um den Fußball machen sie keinen Bogen. So können in den Sozialen Medien recht schnell krude Thesen gefunden werden, wenn nach einer Begründung für das jüngste Pech des SV Werder Bremen bei Schiedsrichterentscheidungen gefahndet wird. Beispiel gefällig? Nur so viel: Natürlich stecken die DFL und der DFB dahinter. Warum? Weil die diskutablen Pfiffe exakt seit jenem Moment in einer störenden Häufigkeit auftauchen, seitdem der Polizeikostenstreit höchstrichterlich beendet wurde und anders ausging, als es sich die Branche gewünscht hat. Und dafür müsse Werder als Stellvertreter des Landes Bremen nun eben büßen. Für einen Schmunzler mag dieses Konstrukt vielleicht gut sein, für mehr aber auch nicht. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass Werder in der Liga gerade ganz besonders viel Pech mit den Unparteiischen hat – einem offenen Konflikt geht der Verein dennoch aus dem Weg.

Werder Bremens Peter Niemeyer: „Es ist sehr ärgerlich, dass viele Fifty-fifty-Situationen nicht für uns entschieden wurden“

„Es ist sehr ärgerlich, dass viele Fifty-fifty-Situationen zuletzt nicht für uns entschieden wurden – wir können aber nur daran arbeiten, dass wir defensiv gar nicht erst in solche Szenen kommen oder wenn doch, uns dann noch klarer verhalten“, erklärt Peter Niemeyer, Leiter Profifußball des SV Werder Bremen, im Gespräch mit der DeichStube. Die Schuld will er also niemandem öffentlich in die Schuhe schieben, sondern lieber auf das Einfluss nehmen, was fußballerisch selbst bewirkt werden kann. Das ehrt Niemeyer, an anderen Bundesliga-Standorten wäre das Getöse in einer vergleichbaren Situation womöglich größer. Aber auch zielführender? Fakt ist: Gerechter macht den Sport weder das eine noch andere Verhalten. Da muss an anderer Stelle nachgebessert werden.

Wird es ja auch. Zumindest hoffen das alle Beteiligten. So startet der Ligaverband bereits am kommenden Wochenende in ausgewählten Stadien der ersten und zweiten Liga ein Pilotprojekt, bei dem Entscheidungen des VAR per Durchsage erklärt und somit nachvollziehbarer gemacht werden sollen. Ein ganz ähnliches Prozedere gibt es bereits im American Football oder auch beim Eishockey. Werder Bremen wird jedoch allenfalls auswärts in den Genuss dieses Extras kommen, denn nach DFL-Angaben nehmen an der Testphase nur Clubs teil, die während der Vorbereitungsphase im Herbst 2024 Teil der „Kommission Fußball „ des Ligaverbandes waren. Dazu gehören aus dem Oberhaus der FC Bayern München, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, SC Freiburg, FC St. Pauli, Bayer 04 Leverkusen und RB Leipzig. 

Peter Niemeyer befürwortet den Schritt: „Es ist eine interessante Herangehensweise, die jetzt getestet wird“, sagt der Leiter Profifußball des SV Werder Bremen. „Mehr Transparenz ist gut – und wenn man sie so hinbekommt, ist das ein Schritt, der mehr Klarheit für uns alle bringen würde.“ Genau darauf setzt auch Niemeyers Kollege Max Eberl. Der ist nicht nur Sportvorstand des FC Bayern, sondern auch Mitglied der zuständigen DFL-Kommission. „Wir sind klar der Meinung, dass der VAR ein wichtiges Instrument ist und bleiben soll. Aber wir kriegen die Stimmung in den Stadien und in der Öffentlichkeit auch mit“, erklärt der 51-Jährige. „Deshalb haben wir uns gefragt: Was können wir machen, damit Klarheit herrscht? Denn bevor man etwas in die Tonne kloppt, sollte man alle Wege gehen, um es zu einem guten Projekt werden zu lassen. So sind alle gleichzeitig über die gleiche Information abgeholt. Wir wollen dieses VAR-System besser und transparenter machen.“

Werder Bremens Peter Niemeyer über strittige Schiedsrichter-Entscheidungen: „Es liegt nicht unserer Hand“

Ob Werder Bremen das schon am vergangenen Samstag irgendetwas gebracht hätte? Vermutlich nicht, denn an der eigentlichen Fehlentscheidung des Video Assistant Referees in Kooperation mit dem Schiedsrichter-Gespann hätte sich schließlich nichts geändert. Als in Dortmund das zwischenzeitliche 0:2 durch ein Eigentor von Marco Friedl fiel, hätte Werder wohl genauso gelitten. Zur Erinnerung: Der Treffer war eigentlich illegal, weil BVB-Profi Ramy Bensebaini bei der Entstehung im Abseits stand und den Österreicher so in seinem Sichtfeld behinderte. Im sogenannten Kölner Keller wurde sich die Szene auch genauestens angeschaut, ein korrigierender Eingriff war jedoch ausgeblieben. Da war es dann nur ein schwacher Trost, dass der DFB schon kurz nach der Partie einräumte, dass diese Einschätzung falsch gewesen sei. Werder musste damit leben, der VAR hatte in der Öffentlichkeit noch ein wenig mehr an Akzeptanz eingebüßt.

Zumal es ja nicht die einzige Szene war, die die Bremer Gemüter in diesem Spiel erregte – oder zumindest die der Fans und Spieler des SV Werder Bremen. So war Issa Kaboré in der Schlussphase der Partie elfmeterreif im Strafraum zu Fall gebracht worden, eine Entscheidung zu Gunsten der Gäste gab es allerdings erneut nicht. Peter Niemeyer lässt abermals Nachsicht walten und kehrt lieber vor der eigenen Haustür. „Offensiv müssen wir vielleicht noch mehr den einen Schritt vor dem Gegenspieler sein“, sagt der 41-Jährige zurückhaltend. „Alles andere liegt nicht in unserer Hand.“ (mbü)

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