„Wir wollen nicht durchatmen“
Zurück im Fokus: Kohfeldt warnt vor falscher Sicherheit
Bremen - Hinter Florian Kohfeldt liegt ein freies Wochenende. Etwas Zeit mit der Familie, mal raus aus Bremen – Werders Trainer hat die vergangenen Tage dafür genutzt, um etwas Kraft zu tanken.
„Es war eine gute Zeit mit viel Ruhe“, sagt Kohfeldt, für den die Länderspielpause auch Gelegenheit bot, die vergangenen knapp fünf Monate einmal ungestört Revue passieren zu lassen. Ende Oktober hatte der 35-Jährige das Traineramt von Alexander Nouri übernommen, seitdem ist viel passiert. Kohfeldt hat die Bremer vom 17. auf den zwölften Tabellenplatz und damit so gut wie raus aus der Abstiegszone geführt.
Sein erster Gegner als Werders Cheftrainer hieß im November Eintracht Frankfurt, das am Ostersonntag nun zum Rückspiel ins Weserstadion kommt. „Die Zeit ging schnell rum“, betont Kohfeldt, der damals die Aufgabe hatte, eine verunsicherte Mannschaft schnell stabil zu bekommen. Vor dem neuerlichen Vergleich mit Frankfurt will er jetzt dafür sorgen, dass sich eine stabile Mannschaft nicht zu sicher fühlt.
Lage noch nicht so, wie wir uns das wünschen
Angesichts von komfortablen acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz könnte schließlich der eine oder andere Bremer Profi zur Ansicht gelangen, die Sache mit dem Abstiegskampf habe sich endlich erledigt. „Ich habe im Kopf, dass das passieren kann“, sagt Kohfeldt. Der Trainer weiß: Bei allen Vorteilen, die es bietet, während einer Länderspielpause mal auf andere Gedanken zu kommen, bleibt am Ende doch immer die Herausforderung, das Alltagsgeschäft in der Bundesliga wieder voll fokussiert anzugehen. „Das ist jetzt die Aufgabe des Trainerteams, eigentlich sogar des Gesamtvereins, jeden daran zu erinnern, dass die Lage in der Tabelle noch nicht so ist, wie wir uns das wünschen.“
Kohfeldt ist natürlich auch bewusst, dass schon sehr viel schief gehen müsste, damit seine Mannschaft mit ihren aktuell 33 Punkten auf dem Konto noch einmal ernsthaft in Gefahr gerät. Angesichts der noch kommenden, schweren Spiele gegen die Top-Teams aus Frankfurt, Leipzig, Dortmund und Leverkusen ist falsche Sicherheit aber das Letzte, was er seinen Spielern vermitteln will. „Egal, was ist, wir wollen weitermachen. Wir wollen nicht durchatmen, und daran werden wir die Jungs sehr, sehr nachdrücklich erinnern“, betont er stattdessen.
Die Frankfurter treten am Ostersonntag als Mannschaft in Bremen an, die kurz vor der Endphase der Saison im Kampf ums internationale Geschäft noch immer voll mitmischt. „Uns erwartet eine der besten Mannschaften der Bundesliga in diesem Jahr“, sagt Kohfeldt. „Wer zu diesem Zeitpunkt in der Tabelle dort steht, wo sie stehen, ist ein absolut ernsthafter Kandidat für die Champions-League-Plätze.“ Trainer Niko Kovac ist es gelungen, der Eintracht seine Handschrift zu verpassen – und die steht in erster Linie für aggressives Pressing und ein sehr laufintensives Spiel. „Dadurch bieten sich uns aber auch Möglichkeiten“, erklärt Kohfeldt, der versichert: „Wir haben schon ein paar Ideen, wie wir zum Erfolg kommen können.“
Als der Coach am Morgen des 4. November, einen Tag nach dem Hinspiel gegen die Hessen, das Werder mit 1:2 verloren hatte, am Frankfurter Flughafen in den Flieger stieg, sah er ziemlich müde aus. Hätte ihm in dem Moment jemand prophezeit, dass seine Mannschaft, die damals fünf Pünktchen auf der Habenseite hatte, vor dem Rückspiel 33 Zähler aufweisen würde – „klar hätten wir das genommen“, betont er. Eine Aussage, mit der Kohfeldt allerdings mehr auf die schlechte Lage damals als auf die gute heute hinweisen will. Denn wie gesagt: Sicher fühlen soll sich bei Werder Bremen noch niemand. „Wir haben noch nichts erreicht und können theoretisch sogar noch Letzter werden“, sagt Kohfeldt.
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