Tanken wird zum Preisschock

Diesel so teuer wie nie: Experte warnt – „Neue Regel wirkt sich nicht positiv auf die Preisentwicklung aus“

Autofahrer spüren es an der Zapfsäule: Die Tankpreise steigen weiter. Neben dem Nahostkonflikt sorgt auch eine umstrittene neue Regelung für den Anstieg.

Es war schon abzusehen, viele Experten hatten davor gewarnt. Nun scheinen sich die Befürchtungen zu bestätigen. Die neue Vorschrift, nach der Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen dürfen, sollte eigentlich für mehr Stabilität sorgen. Doch genau das Gegenteil ist eingetreten: Über die Osterfeiertage erreichten die Preise für Kraftstoffe in Deutschland neue Höchststände, wie der ADAC mitteilte.

Dieselpreise klettern weiter: Tanken belastet Verbraucher

Besonders deutlich zeigte sich die Entwicklung beim Diesel. Am Ostersonntag lag der durchschnittliche Preis bei 2,44 Euro pro Liter. Ein erneuter Anstieg im Vergleich zum Vortag. Auch Benzin wurde teurer, wenn auch weniger stark. Für Super E10 mussten Autofahrer im Schnitt 2,19 Euro zahlen, während Super E5 bei 2,25 Euro lag. Damit setzte sich ein Trend fort, der viele Verbraucher zunehmend belastet.

Neue Regel, alte Probleme?

Seit dem 1. April gilt die Vorgabe, dass Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich, jeweils zur Mittagszeit, anheben dürfen. Preissenkungen hingegen sind jederzeit möglich. Die Idee dahinter: weniger Preissprünge und mehr Transparenz. In der Praxis scheint diese Logik jedoch nicht aufzugehen. Denn statt moderater Anpassungen beobachten Experten eine andere Entwicklung: Die Preise starten auf einem höheren Niveau und sinken im Tagesverlauf kaum genug, um diesen Effekt auszugleichen. Besonders auffällig wurde das am Osterwochenende, als trotz fehlender Impulse vom internationalen Ölmarkt die Preise weiter anzogen.

Experte warnt: Tankstellen kalkulieren immer höher

Ökonom Korbinian von Blanckenburg bewertet die Situation kritisch. Seine Einschätzung im Gespräch mit dem WDR fällt eindeutig aus: „Die Preiserhöhung zu begrenzen, klingt zunächst plausibel, wirkt sich aber nicht positiv auf die Preisentwicklung aus.“ Der Grund liegt seiner Ansicht nach im Verhalten der Anbieter. Da nur eine Erhöhung pro Tag erlaubt ist, kalkulieren viele Tankstellen vorsichtshalber höher, um mögliche Schwankungen vorwegzunehmen.

Ein Foto vom Ostersonntag an einer bayerischen Tankstelle.

Er hält andere Maßnahmen für sinnvoller, um Autofahrer zu entlasten. Eine Senkung der Steuern wäre zwar möglich, jedoch teuer und würde auch Mineralölkonzerne begünstigen. Effektiver sei es, gezielt Haushalte mit geringem Einkommen zu unterstützen, etwa durch Tankgutscheine.

Globale Krisen treiben die Preise zusätzlich

Neben der umstrittenen Regelung spielen internationale Entwicklungen eine entscheidende Rolle. Vor allem der gestiegene Rohölpreis wirkt sich direkt auf die Kosten an der Zapfsäule aus. Hintergrund ist unter anderem die angespannte Lage im Nahen Osten: Wichtige Handelsrouten sind beeinträchtigt, was das Angebot verknappt und die Preise nach oben treibt. Laut ADAC lag der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent zeitweise bei über 110 US-Dollar.

Die Entwicklung der Kraftstoffpreise ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels. Neben Rohölkosten und Steuern wirken auch Wechselkurse, Nachfrage sowie geopolitische Risiken auf den Preis ein. Entsprechend schwierig ist es für die Politik, kurzfristig wirksame Maßnahmen zu finden.

Ölkonzerne kassieren Milliarden: Experten fordern Übergewinnsteuer auf Diesel und Co.

Eine Studie der Organisation Transport Environment zeigt: Große Ölkonzerne könnten in Europa laut aktuellen Analysen in diesem Jahr rund 24 Milliarden Euro an zusätzlichen Gewinnen infolge des Nahostkonflikts erzielen. Bereits jetzt belaufen sich diese sogenannten Übergewinne auf etwa 1,3 Milliarden Euro. Die Organisation plädiert deshalb für eine europaweite Übergewinnsteuer, deren Einnahmen genutzt werden sollen, um die Bevölkerung besser vor künftigen Ölpreisschocks zu schützen. (Verwendete Quellen: WDR, ADAC, Transport Environment)

Rubriklistenbild: © NEWS5 / Lars Haubner

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