Tanker drehen ab
Irre Lage auf dem Markt: Deutschland exportiert jetzt sogar den Sprit –„Danach könnte Diesel knapp werden“
Während die Preise für Kraftstoffe an den Tankstellen explodieren, exportiert Deutschland Diesel. Ein Experte ordnet die Lage ein und wirft einen Blick in die Zukunft.
Der Dieselpreis erreicht seit dem Ausbruch des Iran-Krieges neue Rekordhöhen und hangelt sich von einem Allzeithoch zum nächsten. Das Angebot für den Kraftstoff ist am Weltmarkt eingebrochen, da der Iran seit Wochen die Straße von Hormus blockiert, eine für den Öl- und Gashandel wichtige Handelsroute. Der Kraftstoffmarkt steht nun Kopf – mit ungewissem Ausgang.
Tanker mit Diesel drehen auf dem Weg nach Europa ab – Reiche beruhigt
Mehrere Tanker mit Kraftstoffen, die schon auf dem Weg nach Europa waren, sind laut verschiedenen Medienberichten in den vergangenen Tagen abgedreht, um weiter nach Afrika zu fahren. So unter anderem der Tanker „Elka Delphi“ mit hunderttausend Fass Diesel, der kurz vor Erreichen seines eigentlichen Ziels in Amsterdam nach Durban in Südafrika umsteuerte. Wahrscheinlich, um die Kraftstoffe weiter nach Asien zu bringen. Die asiatischen Länder trifft die Hormus-Blockade viel härter als Europa und sie sind bereit, viel höhere Preise für Öl, Gas und Kraftstoffe zu zahlen.
Währenddessen zeichnet sich in Deutschland ein sehr widersprüchliches Bild ab: Einerseits ist unser Land immens von Öl- und Gasimporten abhängig. Andererseits versicherte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in einem Interview mit dem Focus, dass die Versorgung mit Sprit und Gas gesichert sei: „Unsere Energielieferketten sind diversifiziert. Weniger als acht Prozent des europäischen LNG-Imports kommen aus dem Persischen Golf, beim Öl sind es nur rund fünf Prozent.“ Auch bei Kerosin und Diesel gebe es ausreichend verfügbare Mengen. Engpässe seien daher aktuell nicht zu erwarten.
Daten zeigen: Deutschland exportiert Diesel – Experte äußert sich zur Lage
Nicht nur das, Deutschland exportiert sogar Diesel. Das zeigen Daten von Argus Media, einem Unternehmen, das den Handel mit Rohstoffen und deren Preis beobachtet. Demnach werden derzeit sogenannte Mitteldestillate wie Diesel und Heizöl in Dieselqualität in die Niederlande verkauft, wie ntv.de berichtet. Denn momentan verzeichne man hierzulande einen Überschuss,
Hagen Reiners, Experte für den deutschen Ölmarkt bei Argus Media, erklärt gegenüber ntv.de, dass dies daran liege, dass die Heizölnachfrage nach einem kurzfristigen Anstieg zu Kriegsbeginn „stark zurückgegangen“ sei. „Die anhaltend hohen Preise und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung halten Verbraucher vom Kauf ab“, sagte Reiners.
Währenddessen sind Händler andernorts aber bereit, diese hohen Preise zu zahlen, um Dieselbestände aufzubauen. Denn wenn die Straße von Hormus weiter blockiert bleibt, wird die Knappheit weltweit immer größer. Schon Ende dieser Woche soll laut Argus-Daten die letzte Dieselladung für Europa, die es vor der Blockade durch die Straße von Hormus geschafft hat, ankommen. „Danach könnte Diesel knapp werden“, sagte Reiners dem Nachrichtenportal. „Es sei denn, es treffen Schiffe mit Diesel beispielsweise aus den USA ein.“ Doch um den US-Diesel gibt es derzeit einen weltweiten Bieterstreit, wie der Fall des Tankers „Elka Delphi“ zeigt. (Quellen: dpa, AFP, ntv, Focus)
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