„Sicher ist, dass da gerade jemand große Gewinne macht“

Sprit-Abzocke im Iran-Krieg: Ökonom rechnet vor – Diesel müsste eigentlich viel billiger sein

Die Spritpreise an den Tankstellen in Deutschland sind stark gestiegen. Neue Berechnungen eines Ökonomen zeigen: Eigentlich müsste Diesel viel weniger kosten – trotz Ölpreiskrise.

Seit Beginn des Iran-Krieges schießen die Preise an den Tankstellen in die Höhe. Im bundesweiten Durchschnitt kostet ein Liter Super laut NDR aktuell 2,11 Euro. Der Preis für einen Liter Diesel liegt demnach bei 2,18 Euro (Datenstand: 18.03.2026). Grund dafür ist die Sperrung der Straße von Hormus, einer für den Ölhandel wichtigen Meerenge, durch das iranische Militär.

Nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur (IEA) ist dadurch rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasversorgung betroffen. Das jagt die Rohölpreise nach oben – und damit auch weltweit die Spritpreise. Auffällig ist aber, dass die Spritpreise in Deutschland stärker gestiegen sind als beispielsweise in anderen europäischen Ländern, die ja genauso betroffen sind.

Spritpreise schießen in die Höhe: Mittlerweile über zwei Euro pro Liter. (Archivbild)

Ökonom rechnet vor: Spritpreise müssten trotz Ölkrise günstiger sein

Berechnungen des Ökonomen Ferdinand Fichtner, VWL-Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, legen nahe, dass die Mineralölkonzerne die Situation tatsächlich für überzogene Preiserhöhungen nutzen. „Nur ein Bruchteil der Spritpreiserhöhungen lässt sich mit dem Ölpreis erklären“, so Fichtner gegenüber ntv.

Dafür analysierte der Ökonom vergangene Öl- und Spritpreisanstiege. Er kam zu dem Ergebnis, dass eine Erhöhung von zehn Euro pro Barrel den Dieselpreis langfristig um gut acht Cent steigen ließ. Bei einer Entspannung des Ölpreises sank der Dieselpreis wieder, allerdings viel langsamer, als er vorher angestiegen war. Wenn man diese Erkenntnisse auf die aktuelle Ölpreiskrise überträgt, wäre laut Fichtner eigentlich nur ein Dieselpreis von etwa 1,90 Euro zu erwarten. „Sicher ist, dass da gerade jemand große Gewinne macht“, sagte Fichtner zu ntv. Einen kritischen Blick auf die Machtstrukturen auf dem Markt halte er deshalb für sinnvoll.

Merz-Regierung wirft Mineralölkonzernen „Abzocke“ vor

Daran versucht sich gerade die schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU). Die Politiker werfen den Mineralölkonzernen „Abzocke“ vor. Die Koalition plant deshalb, die Preiserhöhungen beim Sprit zunächst mit der Verschärfung des Kartellrechts und einer Beweislastumkehr für die Mineralölkonzerne zu dämpfen. Diese dürfen zudem laut Gesetzentwurf, der noch diese Woche im Bundestag verabschiedet werden soll, die Preise nur noch einmal täglich erhöhen.

Die Koalitionsfraktionen hatten wegen der stark gestiegenen Öl- und Spritpreise eine Taskforce eingesetzt, geleitet von SPD-Fraktionsvize Armand Zorn und Unions-Fraktionsvize Sepp Müller. An der Sitzung des Gremiums am Montag in Berlin nahmen die Deutschland-Chefs der Mineralölkonzerne BP und Shell teil, dazu unter anderem der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, sowie Vertreter von Branchenverbänden, Verbraucherschützern und des ADAC.

Maßnahmen gegen „Preistreiberei der Mineralölkonzerne“ geplant

Zorn sagte nach der Sitzung: „Leider wurden unsere Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet. Den Mineralölkonzernen ist es nicht gelungen, glaubhaft zu erklären, wie die Preisgestaltung geschieht und vor allem auch, wie die Unterschiede im europäischen Vergleich zu erklären sind.“ Ähnlich äußerte sich Müller. Der CDU-Politiker sprach von einer „Preistreiberei der Mineralölkonzerne.“

Ob die Maßnahmen der schwarz-roten Koalition tatsächlich wirken, ist allerdings umstritten. Karsten Schulze, Verkehrs- und Technikpräsident von ADAC, sagte dazu: „Es ist gut, dass die Koalition die Preispolitik der Mineralölkonzerne in den Blick nimmt, denn in Deutschland sind die Kraftstoffpreise seit Beginn des Iran-Kriegs teilweise doppelt so stark gestiegen wie in anderen europäischen Ländern.“ Der ADAC sei aber skeptisch, ob sich dadurch niedrigere Preise erzielen lassen. (Quellen: ntv, Reuters, dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Rene Traut

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