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Standort-Krepierer Deutschland – Ökonomen fordern radikalen Kurswechsel für Start-ups
Der Standort Deutschland wird immer mehr zum Sorgenkind. Experten fordern eine wirtschaftspolitische Agenda, um gezielt Start-ups als Wachstumsmotor zu fördern.
München – Deutschland gilt als Land der Tüftler und Ingenieure. Doch während es an innovativen Ideen und klugen Köpfen nicht mangelt, hapert es an den Rahmenbedingungen für Start-ups – immer mehr Unternehmen meiden Deutschland bei Investitionen. , viele Gründer klagen über eine problematische Start-up-„Kultur“ und einer überbordenden Bürokratie. Unternehmer und Ökonomen fordern darum einen Mentalitätswechsel – und warnen: Wenn sich nichts ändert, wird Deutschland als Innovationsstandort weiter an Bedeutung verlieren.
Der Standort Deutschland wird immer mehr zum Sorgenkind. Unternehmer fordern eine wirtschaftspolitische Agenda, um auch Start-ups als Wachstumsmotor zu fördern.
„Zehnfaches Geld für dieselbe Idee“ – was für Start-ups in den USA anders läuft
Der Unternehmer Carsten Puschmann ist viel in den USA unterwegs und investiert in Frühphasen-Startups – sowohl dort als auch in Deutschland. Im ntv-Podcast „So techt Deutschland“ beschreibt er den Unterschied deutlich: „Du kriegst in Amerika mit der gleichen Idee und mit dem gleichen Team das zehnfache Geld zu der zehnfachen Bewertung.“ Studien belegen die Finanzierungskrise bei Start-ups.
Schon in der Ideenphase fließe in den USA deutlich mehr Kapital, so Puschmann. Der Grund sei ein ganz anderer Umgang mit Risiko und Unternehmertum: „Fundraising und Exit-Szenarien sind in den USA leichter“. Viele Gründer richteten sich deshalb direkt auf einen Verkauf an US-Unternehmen aus.
Internationale Investoren attestieren Deutschland schwindende Stärken und sinkende Attraktivität
In Deutschland hingegen sehen auch internationale Investoren zunehmende Herausforderungen. Eine Umfrage von KPMG unter 350 CFOs internationaler Konzerne aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass inzwischen 46 Prozent der befragten Entscheidungsträger andere Länder als wachstumsstärker einschätzen und ihre Investitionen in den kommenden fünf Jahren vorrangig dort tätigen wollen.
Als größte Investitionshemmnisse in Deutschland wurden genannt:
Überbordende Bürokratie (61 Prozent)
Hohe Energiekosten (57 Prozent)
Mangelhafte Digitalisierung (44 Prozent)
ESG-Regulierung (35 Prozent)
Fehlende Technologieoffenheit (31 Prozent)
Selbst die Forschungslandschaft wurde kritisch eingeschätzt: Nur noch 43 Prozent der Befragten zählen Deutschland hier zu den Top 5 in der EU, zum Vergleich: 2017 waren es noch 64 Prozent.
Innovative Gründerinnen und Gründer bringen wichtige Wachstumsimpulse, leider behindern aber die Rahmenbedingungen in Deutschland noch die Umsetzung zu vieler guter Ideen.
Auch der Wirtschaftsexperte Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, warnt in einem am Donnerstag (15. Mai) veröffentlichten Bericht, dass innovativen Gründerinnen und Gründern eine große Chance für Wachstumsimpulse seien: „Leider behindern aber die Rahmenbedingungen in Deutschland noch die Umsetzung zu vieler guter Ideen.“ Im Artikel, der gemeinsam mit Experten von UnternehmerTUM, das im vergangenen Jahr von der Financial Times zum besten Gründungszentrum Europas gekürt wurde, fordert Fuest, dass Deutschland sein Start-up Potenzial besser nutzen müsse, um im internationalen Vergleich nicht noch weiter abzufallen.
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Deutschland hinkt hinterher – trotz steigender Gründungszahlen: Unternehmen wandern ins Ausland ab
Zwar sei die Zahl erfolgreicher Start-ups und das Investitionsvolumen in den letzten Jahren gestiegen, im Vergleich bleibe Deutschland dennoch zurück, so die Experten: 2023 habe die Venture-Capital-Quote nur bei 0,06 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gelegen – weit hinter Ländern wie etwa Großbritannien oder Israel. „Gleichzeitig wandern viele junge Unternehmen ins Ausland ab, weil sie in Deutschland kein gutes Umfeld für Wachstum finden“, so Helmut Schönenberger, Geschäftsführer von UnternehmerTUM.
Die neue Bundesregierung hat Start-ups im Koalitionsvertrag als Zukunftsträger benannt, aber es braucht mehr als das.
Nötig ist aus Sicht der Autoren eine umfassende wirtschaftspolitische Agenda: Gründungen sollten digital, schnell und unbürokratisch möglich sein, Visa- und Anerkennungsverfahren müssten vereinfacht, der Kapitalzugang verbessert und Start-ups stärker in staatliche Aufträge eingebunden werden. „Auch der Transfer von Forschung in Unternehmen sollte systematisch gefördert werden, etwa durch Entrepreneurship-Zentren an Hochschulen”, rät Fuest.
Start-ups als Wachstumsmotor: Experten fordern wirtschaftspolitische Agenda
Schöneberger ergänzt: „In der aktuellen Lage braucht Deutschland nicht nur neue Ideen, sondern auch die richtigen politischen Entscheidungen, damit daraus wirtschaftliche Dynamik werden kann“. Immerhin: Im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Koalition sind Strategien für den „Innovationsschub für die Wirtschaft“ festgehalten. Sie sollen deutsche Start-ups künftig davon abhalten, in die USA zu gehen.
Bei aller Kritik gibt es aber auch Hoffnung: Die Zahl der sogenannten Unicorns – Start-ups mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar – ist in Deutschland von einem im Jahr 2014 auf 32 im Jahr 2024 gestiegen. Doch um international wirklich mithalten zu können, muss sich eben weit mehr ändern als die bloße Zahl erfolgreicher Start-ups. Unter anderem sei dies auch eine strategische KI-Gründungsförderung, rät der ifo-Bericht. Puschmann kann das bestätigen: „Im Silicon Valley gibt es kein Funding mehr ohne KI-Strategie.“