Hohe Preise
„Steuer auf Steuer geht gar nicht“: Experten fordern, diese Abgabe beim Spritpreis sofort zu streichen
Die Spritpreise sind infolge des Iran-Kriegs explodiert. Die Merz-Regierung wirft den Mineralölkonzernen „Abzocke“ vor. Experten bemängeln dagegen die vielen Steuerabgaben beim Sprit.
Autofahrer in ganz Deutschland klagen über die hohen Spritpreise. Diese sind infolge des Iran-Kriegs in schwindelerregende Höhen gestiegen. Das iranische Militär hat die für den Ölhandel sehr wichtige Straße von Hormus, eine Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, blockiert. Die Folge: Weltweit steigen die Preise für Benzin und Diesel.
Momentan kostet laut NDR ein Liter Super im bundesweiten Durchschnitt etwa 2,12 Euro. Der Preis für einen Liter Diesel liegt demnach bei 2,18 Euro (Datenstand: 17.03.2026). Die schwarz-rote Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) müht sich, die Preise wieder zu dämpfen, und wirft den Mineralölkonzernen „Abzocke“ vor. SPD-Fraktionsvize Armand Zorn sagte, das Kartellrecht müsse nachgeschärft werden – „damit die Mineralölkonzerne nicht infolge der Krise auf dem Rücken der Verbraucher ihre Gewinne steigern können“.
Steuerabgaben auf Sprit: Experten fordern Entlastung angesichts hoher Spritpreise
Experten kritisieren aber auch die vielen staatlichen Abgaben, die im Spritpreis enthalten sind. Konkret geht es um die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die auf die CO₂-Abgabe von etwa 13 Cent je Liter Benzin anfällt. Autofahrer müssen also auf die Abgabe noch einmal eine Steuer zahlen. David Stadelmann, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, hält das für falsch – er fordert gegenüber der Bild-Zeitung, die Mehrwertsteuer auf die CO₂-Abgabe zu streichen.
Auch Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, sieht das ähnlich. „Steuer auf Steuer geht gar nicht“, sagte Holznagel der Bild: „Das ist eine Doppelbesteuerung, die der Staat unbedingt vermeiden sollte. Das wäre ein schneller und sinnvoller Beitrag, beim Benzinpreis für etwas Entlastung zu sorgen.“
Hohe Spritpreise: Ökonom Fuest warnt vor staatlichen Eingriffen
Andere Ökonomen sehen dagegen eine Steuersenkung sehr kritisch. Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat vergangene Woche eindringlich vor staatlichen Eingriffen zur Senkung der Öl- und Gaspreise für Verbraucher gewarnt. „Preissignale über Rabatte oder Steuersenkungen auszuschalten, ist volkswirtschaftlich schädlich“, erklärte der Ökonom.
Deutschland könne die Weltmarktpreise für Öl oder Gas nicht beeinflussen. Es könnte nur den Preis beeinflussen, den Konsumenten in Deutschland für Öl und Gas zahlen, denn in diesen Preisen sind heimische Steuern enthalten, wie der Ifo-Präsident erklärte. So könnte die Merz-Regierung zwar die Mineralöl- oder die Mehrwertsteuer auf Öl und Gas senken. „Das führt aber nicht dazu, dass die volkswirtschaftlichen Kosten für diese Energieträger sinken“, erläuterte Fuest. Würden die Steuern an dieser Stelle gesenkt, müssten sie entweder über andere Steuern oder über verminderte staatliche Leistungen gegenfinanziert werden.
Merz-Regierung gegen Steuersenkung: Negativbeispiel Tankrabatt
Auch in der Merz-Regierung sieht man Steuersenkungen kritisch. Dort hat man noch vor Augen, wie es der vorherigen Ampel-Regierung erging, die angesichts hoher Spritpreise nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine die Energiesteuer senkte. Denn damals strichen die Ölkonzerne die Senkung einfach ein, während für die Autofahrer die Preise kaum sanken.
Sepp Müller, Fraktionsvize der Union im Bundestag und Leiter der „Taskforce Energiepreise“ erklärt dazu laut MDR: „Wir haben das ja beim letzten Tankrabatt gesehen, dass es hier Mitnahmeeffekte gibt, insbesondere der Mineralölkonzerne, die am Ende den Verbraucher und die Verbraucherinnen und vor allem die mittelständischen Unternehmer nicht entlastet hat.“ Stattdessen setzt man neben einer Verschärfung des Kartellrechts darauf, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen. (Quellen: Bild-Zeitung, NDR, MDR, AFP, dpa)
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