Der Billionen-Dollar-Krieg

„Trump ist ein Mafiaboss“ – Experten streiten über US-Strategie am Hormus

Die USA blockieren die Straße von Hormus. Experten streiten über die US-Strategie und das Völkerrecht. Der Konflikt trifft die Weltwirtschaft hart.

Der Krieg der USA gegen den Iran entwickelt sich zu einer Belastungsprobe für den gesamten Welthandel. Friedensgespräche unter Vermittlung Pakistans sind vorerst gescheitert, und Donald Trumps Entscheidung, die Straße von Hormus zu blockieren, sorgt für hitzige Debatten – nicht nur unter Diplomaten, sondern auch unter Ökonomen, Sicherheitsexperten und Völkerrechtlern.

Wessen Dollars? Kritiker werfen Trump vor, mit dem Iran-Krieg vor allem eigene Geschäftsinteressen zu verfolgen.

Der US-Präsident selbst hatte noch am 15. April gegenüber Fox Business Network erklärt: „Wir haben sie [den Iran] militärisch vollständig geschlagen (…) Ich glaube, es ist fast vorbei.“ Der Iran wolle „sehr dringend“ einen Deal, so Trump weiter, und versprach: „Die Börse wird boomen.“ Gleichzeitig räumte er ein: „Wenn ich jetzt die Zelte abbräche, würde es zwanzig Jahre dauern, bis sie das Land wieder aufgebaut hätten – und wir sind noch nicht fertig.“

Jenseits dieser Selbstdarstellung bleibt die Lage jedoch unübersichtlich. Medien berichteten unter Berufung auf regionale Vertreter von einer „grundsätzlichen Einigung“ zur Verlängerung des fragilen Waffenstillstands – doch ein anonymer hochrangiger US-Regierungsvertreter widersprach gegenüber CNBC: „Die USA haben einer Verlängerung des Waffenstillstands nicht formell zugestimmt.“ Fest steht unterdessen: Das US Central Command bestätigte, dass die Blockade iranischer Häfen vollständig implementiert sei und Teherans internationalen Seehandel „vollständig“ abgeschnitten habe.

US-Blockade des Hormus: Was steckt wirklich hinter der Trump-Strategie?

In der Expertenrunde bei Phoenix diskutierten jüngst zu dieser Thematik der CDU-Bundestagsabgeordnete Prof. Reza Asghari, Wirtschaftswissenschaftler Prof. Rüdiger Bachmann, Bente Scheller von der Heinrich-Böll-Stiftung und der Sicherheitsexperte Hartwig Ross über die Hintergründe und Folgen des Konflikts. Und das mit teils sehr konträren Schlussfolgerungen.

Für Bachmann lässt sich Trumps Verhalten nur nachvollziehen, wenn man ihn durch zwei Linsen betrachte. „Er kombiniert zwei Dinge: Er kommt aus dem Reality-TV, das heißt, er ist ein Entertainer – und er ist ein kleptokratischer Real-Estate-Mafia-Boss“, so Bachmann wörtlich. Alle Aktionen – Venezuela, Grönland, die Auseinandersetzung mit dem Vatikan – folgten dieser Logik: „Ich nenne das Powertainment. Trump schreibt ständig Soap-Operas, mit der Bühne der ganzen Welt.“ Gleichzeitig, so Bachmann, mache Trump und seine Familie mit dem Iran-Krieg „großartige Geschäfte“ – das sei die kleptokratische Seite. „Wenn man Trump durch diese beiden Linsen sieht, dann hat das alles seine eigene Rationalität. Man darf Trump aber nicht als Staatenlenker, als Parteiführer oder als weltgeschichtlichen Visionär ansehen.“ Eine kohärente geopolitische Strategie? Fehlanzeige: „Klar gemacht wird die nicht. Die ändert sich ständig“, urteilt der Wirtschaftswissenschaftler.

Auch ein Detail aus den Verhandlungen in Islamabad stützt diese These: Laut Bachmann schickte Trump Jared Kushner sowie Vertreter seines Immobilien-Netzwerks – aber keine technischen Experten – nach Pakistan. Der Iran hingegen entsandte eine 70-köpfige Delegation mit Fachleuten. Die New York Times berichtete dazu aus internen Gesprächen im Oval Office, dass Trump an einem Regimewechsel im Iran nicht interessiert sei. Denn neben der forcierten Installation des in den USA ausgebildeten Kronprinzen Reza Pahlavi als neuen iranischen Machthaber, steht derzeit vor allem der Verdacht der Marktmanipulation in exorbitant geopolitischer Dimension im Raum.

Die US-Blockade am Hormus: Was sie bewirkt – und was nicht

Sicherheitsexperte Hartwig Ross erläuterte die technische Dimension: Auf beiden Seiten der Straße von Hormus stecken Schiffe fest, die weder hinein- noch herausfahren können. Der Verband Deutscher Reeder spricht laut Ross von bis zu 2000 betroffenen Schiffen, wenn man auch kleinere Küstenfahrzeuge mitzählt. Das Grundproblem ist, dass die USA eigentlich iranisches Öl blockieren wollen. Das trifft faktisch alle, auch die Deutschen an den Zapfsäulen. „Im Grunde ist es ja eine Widersinnung. Erst wollten sie, dass alles freigegeben wird. Jetzt ist das Ziel, iranisches Öl zu verhindern“, so Ross.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Iran mit Minen, Drohnen und Raketen reagieren könnte – auch in omanischen Gewässern, die die Durchfahrtsroute für Großtanker bilden. „Wenige Minen oder allein die Annahme, dass dort welche liegen, sorgt dafür, dass da keiner reinfährt“, warnte Ross. Zudem vermutet er, dass China im Hintergrund – vordergründig zurückhaltend – massiv intervenieren könnte.

„Eine Billion US-Dollar“ – Harvard-Expertin rechnet die wahren Kriegskosten durch

Während Trump dieser Tage von einem boomenden Aktienmarkt nach Kriegsende spricht, zeichnen Wissenschaftler ein weitaus nüchterneres Bild der Kosten. Laut eines Pentagon-Berichts an den US-Kongress beliefen sich allein die ersten sechs Kriegstage – die gemeinsame US-israelische Operation begann am 28. Februar 2026 – auf 11,3 Milliarden US-Dollar. Doch laut Prof. Linda Bilmes von der Harvard Kennedy School sind die tatsächlichen Kosten deutlich höher: „Diese Lücken sind ein Grund dafür, dass die gemeldeten 11,3 Milliarden US-Dollar eher bei 16 Milliarden US-Dollar liegen, und sie spiegeln eine anhaltende Diskrepanz zwischen den Echtzeitangaben des Pentagons und den tatsächlichen Kosten des Krieges wider“, so die Expertin in einem Interview mit CNBC.

Bilmes schätzt die kurzfristigen Kosten auf rund zwei Milliarden US-Dollar pro Tag während der 40 Tage andauernden aktiven Kampfhandlungen. Langfristig kommen hinzu: Entschädigungsleistungen für die rund 55.000 in der Region eingesetzten US-Soldaten, die Toxinen und Umweltgefahren ausgesetzt waren, sowie der Wiederaufbau von Militäranlagen und Infrastruktur der Golfstaaten. Das Weiße Haus hat den Kongress derweil um ein Verteidigungsbudget von 1,5 Billionen US-Dollar ersucht – die größte Militärausgabensteigerung seit dem Zweiten Weltkrieg. Zusätzlich fordert das Pentagon 200 Milliarden US-Dollar speziell für den Iran-Krieg. Bilmes Gesamtprognose gegenüber CNBC: „Ich bin mir sicher, dass wir für den Iran-Krieg die Marke von einer Billion US-Dollar erreichen werden.“

Zum Vergleich: Der Irakkrieg kostete insgesamt rund zwei Billionen US-Dollar – bei einer damaligen Staatsverschuldung von unter vier Billionen. Heute beträgt die öffentliche US-Schuld laut Bilmes über 31 Billionen US-Dollar. „Die USA nehmen Kredite zu höheren Zinsen auf, um diesen Krieg zu finanzieren, und das zusätzlich zu einer bereits viel höheren Schuldenlast“, warnte sie. „Das hat zur Folge, dass allein die Zinskosten die Gesamtkosten dieses Krieges um Milliarden US-Dollar erhöhen werden.“

Das nukleare US-israelische Narrativ: Seit 1996 „kurz vor der Bombe“

Als offizieller Kriegsgrund gilt nach wie vor das angebliche iranische Atomprogramm. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu begründete die Angriffe damit, einer geheimen iranischen Atombombe zuvorgekommen zu sein. Man muss dabei jedoch auf eine bemerkenswerte Kontinuität verweisen: Israel behauptet bereits seit 1996 oder länger, der Iran stehe kurz vor dem Bau einer nuklearen Bombe – eine Einschätzung, die Netanjahu in den Jahren 2002, 2012, 2015 und auch in Reden im Juni 2025 immer wieder wiederholte.

US-Geheimdienstdirektorin Tulsi Gabbard erklärte noch am 25. März 2025 vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats, die amerikanische Geheimdienstgemeinschaft sei zu dem Schluss gekommen, dass der Iran keine Atomwaffe aktiv anstrebe – wie aus dem veröffentlichten Schriftsatz der Sitzung hervorgeht. Auch die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hielt in ihrem 22-seitigen Bericht fest, der Iran stehe keineswegs kurz vor einer Nuklearwaffe.

Europa zwischen Ohnmacht und Initiative: Bundeskanzler Merz trifft Macron

Bundeskanzler Merz reiste nach Paris, um mit Frankreichs Präsident Macron eine internationale Mission zur Sicherung der Straße von Hormus nach einem möglichen Friedensschluss zu besprechen. Doch die Experten bleiben skeptisch: Ross wies in der Phoenix-Runde darauf hin, dass Deutschland nur noch sechs aktive Minenräumboote besitzt, während Belgien und die Niederlande ihre Kapazitäten stark reduziert haben. Prof. Bachmann sieht unterdessen kaum Hebel für Europa: „Vielleicht muss man einfach warten, bis [Trump] diese ganze Sache wieder langweilt und er eine andere Sache wieder toll findet.“ Eine Einschätzung, die wenig Trost bietet – aber die Realität des Moments scharf beschreibt. (Quellen: Phoenix-Runde, CNBC, Fox Business Network, US Senate, Tulsi Gabbard, IAEA-Bericht) (ls)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Zoonar / LNJS

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Kommentare