Ölpreisschock, Inflation, Kursverluste

Unter Druck: Wie der Iran-Krieg die Börsen in Atem hält – und was Anleger jetzt tun können

USA, Israel, Iran – und mittendrin die Börsen. Der Krieg im Nahen Osten treibt Öl- und Inflationspreise hoch. Was Anleger jetzt wissen müssen.

Der Iran-Krieg hat die Finanzmärkte erschüttert, den Ölpreis nach oben getrieben und die Inflation befeuert. Mitten in diesem Sturm erlebte Gold einen der stärksten Preisrückgänge seit Jahren – und löste damit eine Kaufwelle aus, die Rekorde brach. Doch lohnt sich der Einstieg in das Edelmetall wirklich?

Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Goldpreis massiv eingebrochen und wieder gestiegen – private Anleger nutzten den Kursrutsch für Rekordkäufe.

Rekord-Kaufwelle nach Goldpreis-Einbruch

Der stärkste Goldpreisrückgang seit 13 Jahren führte im März 2026 zu einer Rekordzahl von Käufen auf dem weltweit führenden Edelmetall-Marktplatz BullionVault – und das ausgerechnet, als die USA und Israel in den Krieg mit dem Iran zogen. Laut BullionVault sank der Goldpreis um 9,7 Prozent in Euro, nachdem er zuvor neun Monate in Folge gestiegen war – Golds längste ununterbrochene Aufwärtsphase überhaupt. Dieser Einbruch löste Gewinnmitnahmen von Zentralbanken, institutionellen Investoren und Händlern aus, die Verluste bei Aktien und Anleihen ausgleichen mussten.

Doch private Anleger reagierten gegenteilig: Die Zahl der Goldkäufer auf BullionVault – das mittlerweile von 130.000 privaten Anlegern weltweit genutzt wird – sprang um fast ein Fünftel gegenüber Februar an (+18,2 %). Die Käufer übertrafen damit die Verkäufer nahezu im Verhältnis drei zu eins und brachen sogar den bisherigen Rekordwert vom Neujahrstag. „Private Anleger haben den Preisrückgang von Gold genutzt“, sagt Adrian Ash, Director of Research bei BullionVault. „Der plötzliche Rückgang des Goldpreises hat den Käufern die Chance gegeben, den Stand vor dem historischen Preisanstieg im Januar zurückzusetzen. Die Investmentstimmung in Gold war nur während der Höhepunkte der Finanzkrise und der Corona-Pandemie stärker.“

Gold-Investor-Index Deutschland auf Fünf-Jahres-Hoch

Messbar wird die Stimmungslage durch den Gold-Investor-Index, einen Indikator, der ausschließlich auf tatsächlichen Handelsentscheidungen basiert. Laut BullionVault stieg der Index in Deutschland im März 2026 auf 62,6 Punkte – ein Plus von 1,3 Punkten und der höchste Stand seit fünf Jahren. Ein Wert von 50,0 signalisiert dabei ein perfektes Gleichgewicht zwischen Käufern und Verkäufern. Zum Vergleich: Das Allzeithoch lag im September 2011 bei 82,4 Punkten. Der aktuelle Aufwärtstrend hatte bereits im Herbst 2024 vor der US-Präsidentschaftswahl begonnen.

Von Maduro bis Milei: Die lange Liste der Populisten Lateinamerikas

Javier Milei (seit dem 10. Dezember 2023 Präsident Argentiniens) inszeniert sich als populistischer Revolutionär mit der Kettensäge als Symbol seiner radikalen Sparpolitik.
Javier Milei (seit dem 10. Dezember 2023 Präsident Argentiniens) inszeniert sich als populistischer Revolutionär mit der Kettensäge als Symbol seiner radikalen Sparpolitik. Er steht Elon Musk ideologisch nahe. Mileis „Kettensägen-Politik“ in Argentinien dient als Experimentierfeld für einen radikalisierten Anarchokapitalismus, der internationale Aufmerksamkeit von rechtslibertären Bewegungen erhält und als Teil einer neuen „internationalen Allianz“ zur Verteidigung des freien Marktes verstanden wird. © DIEGO LIMA/afp
Nicolás Maduro ist seit 2013 Präsident Venezuelas und führt das Erbe von Hugo Chávez fort.
Nicolás Maduro ist seit 2013 Präsident Venezuelas und führt das Erbe von Hugo Chávez fort. Aus dem ursprünglich linkspopulistischen Reformvorhaben seines Vorgängers ist unter Maduro ein autoritäres Projekt geworden. Er regiert heute als Diktator und setzt offen Wahlfälschung ein. Er verfolgt eine antiimperialistische Ideologie gegen die USA und erhält internationale Unterstützung durch China und Russland. © Pedro Mattey/afp
Kämpferisch: Venezueles Präsident Hugo Chavez.
Kämpferisch: Venezuelas verstorbener Präsident Hugo Chavez inszenierte sich als Retter Lateinamerikas gegen imperialistische Interessen aus den USA und wird in ganz Lateinamerika verehrt. © dpa
Jair Bolsonaro war von 2019 bis 2023 Präsident Brasiliens und wird als rechtsgerichteter Nationalist und Populist charakterisiert.
Jair Bolsonaro war von 2019 bis 2023 Präsident Brasiliens und wird als rechtsgerichteter Nationalist und Populist charakterisiert. Er äußerte etwa wiederholt Bewunderung für die brasilianische Militärdiktatur (1964 bis 1985), spricht sich gegen gleichgeschlechtliche Ehe aus und hält den menschengemachten Klimawandel für eine Lüge. © SERGIO LIMA/afp
Lula da Silva regierte Brasilien zwischen 2003-2011.
Während Bolsonaro die brasilianische Diktatur feiert, hat Luiz Inácio Lula da Silva unter den Militärs Verfolgung und Haft erlebt. Er regierte Brasilien von 2003 bis 2011. Das politische Projekt von Lula da Silva lässt sich als sozialdemokratische Synthese beschreiben, die eine Kombination aus Sozialpolitik zur Armutsbekämpfung, entwicklungsorientierter Wirtschaftspolitik und Umweltschutz mit dem Ziel verfolgt, Brasilien als gerechteren, ökologisch nachhaltigen und international respektierten Akteur zu positionieren. © EVARISTO SA/afp
Boliviens Ex-Präsident und Gewerkschaftsführer Evo Morales.
Boliviens Ex-Präsident Evo Morales, Regierungszeit 2006 bis 2019, war die Symbolfigur der einfachen Leute und positionierte sich gegen internationale Eliten. Er war der erste indigene Präsident Boliviens, kam aus ärmsten Verhältnissen und war Gewerkschaftsführer. © Jorge Saenz/AP/dpa
Ecuadors Präsidenten Rafael Corea (l.) und Cubas Fidel Castro.
Ecuadors Präsident Rafael Correa (links) war von 2007 bis 2017 im Amt und Teil der linkspopulistischen Welle zusammen mit Hugo Chávez und Evo Morales. In die Bild von 2009 ist er mit Fidel Castro, dem damaligen Máximo Líder von Kuba.  © dpa
Uruguays verstorbener Präsident José „Pepe“ Mujica
Uruguays im Mai 2025 verstorbener Präsident José „Pepe“ Mujica wurde oft als bescheidenster Präsident der Welt bezeichnet. Er saß als Guerilla-Kämpfer gegen die Militärdiktatur lange in Haft und verfolgte später als Präsident eher eine gemäßigt linke Politik. © Matilde Campodonico/dpa
Argentiniens Ex-Präsident Juan Domingo Perón.
Der Peronismus in Argentinien ist eine populistische Strömung, benannt nach Juan Domingo Perón, der zwischen 1946 und 1955 sowie 1973 und 1974 regierte. Zusammen mit seiner Frau Eva „Evita“ Perón war er prägend für den Peronismus. Bekannt war er für seine autoritäre Führung und seine Sozialpolitik. © imago
Eva Perón, liebevoll „Evita“ genannt
Seine Ehefrau Eva Perón, liebevoll „Evita“ genannt, hat heute in ganz Lateinamerika Kultstatus und steht für Grundrechte wie Wohnen, Bildung und öffentliche Gesundheitsversorgung für die Ärmsten. Doch während die einen sie als Heldin der Armen bewundern, kritisieren andere sie als „Populistin“, die das Land auf Irrwege geführt habe. Ihr Leben lieferte den Stoff für das Musical „Evita“ von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice, das mit Madonna verfilmt wurde. Evita Perón starb mit 33 Jahren an Krebs. © imago
Wahlkampf in Argentinien
Argentiniens linkspopulistischer Präsident Néstor Kirchner (im Amt von 2003 bis 2007) steht für Sojaboom und Aufschwung. Nach seinem Tod übernahm Cristina Kirchner (2007 bis 2015) das Amt der Präsidentin. Heute ist sie die populärste Kontrahentin des rechtspopulistischen Präsidenten Javier Milei. © Cezaro De Luca/dpa
Cristina Fernandez Kirchner
Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner setzte die linkspopulistische Politik ihres verstorbenen Mannes Néstor Kirchner fort. Das Ehepaar prägte die argentinische Politik so stark, dass der moderne Peronismus in Anlehnung an ihren Namen Kirchnerismus genannt wird. Heute sitzt sie wegen Korruption verurteilt in Hausarrest. © Victor R. Caivano/dpa
Carlos Menem, ehemaliger Präsident Argentiniens
Carlos Menem, ehemaliger Präsident von Argentinien. Regierungszeit: 1989 bis 1999. Peronist, der neoliberale Reformen durchdrückte. Beispiel für den „Neopopulismus“ der 1990er Jahre und aus heutiger Sicht widersprüchlich, da seine Politik dem Kettensägen-Kurs Javier Mileis ähnelt – doch die Parteien als Gegner gelten. © Natacha Pisarenko
In seiner Amtszeit ließ Fujimori Sicherheitskräfte rigoros gegen linke und angeblich subversive Kräfte vorgehen.
Perus Präsident Alberto Fujimori (Regierungszeit: 1990 bis 2000) kombinierte populistische Rhetorik mit neoliberaler Wirtschaftspolitik. Er führte 1992 einen „Selbstputsch“ durch und wurde später wegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen verurteilt. In seiner Amtszeit ließ Fujimori Sicherheitskräfte rigoros gegen linke und angeblich subversive Kräfte vorgehen.  © Martin Mejia/ap
Getúlio Vargas Präsident Brasiliens 1930-1945 und 1951-1954.
Getúlio Vargas (Brasilien). Regierungszeit: 1930-1945 und 1951-1954 Gilt als einer der Begründer des klassischen lateinamerikanischen Populismus und führte eine starke staatliche Industrialisierungspolitik ein. © imago
José María Velasco Ibarra (Ecuador), fünfmaliger Staatspräsident Ecuadors.
José María Velasco Ibarra (Ecuador), fünfmaliger Staatspräsident Ecuadors, gilt als einer der klassischen populistischen Staatschefs. Bis zu seinem Tod 1979 war er der wichtigste Politiker des Landes. © imago
Bild von Salvador Allende, Präsident von Chile.
Salvator Allende regierte Chile zwischen 1970 und 1973 als erster demokratisch gewählter sozialistischer Präsident der Welt mit populistischen Elementen. Die Erinnerung an ihn besteht fort – auch während eines Marsches zum 50. Jahrestag des Militärputsches unter der Führung von Augusto Pinochet, der Allende in Santiago gestürzt hatte.  © IMAGO/Matias Basualdo
José Antonio Kast, ultrakonservativer chilenischer Anwalt und Gründer der Republikanischen Partei
José Antonio Kast gründete 2019 die Republikanische Partei Chiles. Der ultrakonservative Anwalt wird als rechtspopulistisch, rechtsextrem und neofaschistisch beschrieben. 2021 unterlag er in der Stichwahl um das Präsidentenamt seinem Kontrahenten Gabriel Boric. © ANDRES PINA/ATONCHILE/imago
Kolumbiens aktueller Präsident Gustavo Petro
Kolumbiens aktueller Präsident Gustavo Petro ist ein ehemaliger Guerillakämpfer und Ex-Bürgermeister von Bogotá, der als linkspopulistisch beschrieben wird. Er wurde 2022 als erster linker Politiker in der Geschichte Kolumbiens zum Präsidenten gewählt. © STRINGER/afp
Rodolfo Hernández, kolumbianischer Bauunternehmer und Multimillionär.
Rodolfo Hernández, ein parteiloser Bauunternehmer und Multimillionär, kam bei den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien 2022 als rechtspopulistischer „TikTok-Opa“ überraschend in die Stichwahl gegen Gustavo Petro. Er erreichte mit einfachen Anti-Korruptions-Botschaften und Kampagnen auf den sozialen Medien fast 47 Prozent der Stimmen. © EVA MARIE UZCATEGUI
Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega
Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega (M.) während einer Kundgebung mit Sympathisanten in Managua 2018. Er ist seit 2007 amtierender, inzwischen diktatorisch regierender Präsident Nicaraguas und Vorsitzender der Frente Sandinista de Liberación Nacional, die früher selbst die Diktatur der Somoza-Dynastie stürzten. © Jorge Torres/imago
El Salvadors Präsident Nayib Bukele
Präsident Nayib Bukele regiert das kleinste mittelamerikanische Land E Salvador seit 2019 mit harter Hand und ist vor allem durch seine Megagefängnisse, seine ultraliberale Bitcoin-Politik und seine Beziehung zu Donald Trump in den Schlagzeilen gelandet. © Salvador Melendez/AP/dpa
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo stellt sich aktiv der imperialistischen Politik Donald Trumps entgegen.
Claudia Sheinbaum Pardo ist seit dem 1. Oktober 2024 Präsidentin Mexikos. Die Physikerin, die in Energietechnik promovierte, beteiligte sich an zwei Berichten des Weltklimarats, der 2007 für seine Bemühungen gegen den Klimawandel den Friedensnobelpreis erhielt. Sheinbaum stellt sich aktiv der imperialistischen Politik Donald Trumps entgegen. © IMAGO/Luis Barron
Lázaro Cárdenas, mexikanischer Militärführer und Präsident
Der mexikanische Militärführer Lázaro Cárdenas war von 1934 bis 1940 Präsident des Landes. Er gilt als einer der klassischen populistischen Staatschefs Lateinamerikas und ist bekannt für Nationalisierungen und Umverteilungspolitik. Hier ist er bei einem Treffen mit Gewerkschaftsführern der Ölindustrie in Tamaulipas im Jahr 1938 zu sehen. © IMAGO
Fidel Castros führte die kubanische Revolution.
Fidel Castro (1926 bis 2016) war ein kubanischer Revolutionär und Politiker, der nach dem Sturz der Batista-Diktatur 1959 fast fünf Jahrzehnte lang als autoritärer Staatschef den ersten kommunistischen Staat in der westlichen Hemisphäre regierte und Kuba aus der Abhängigkeit von den USA führte. © dpa
Che Guevara
Ernesto „Che“ Guevara (1928 bis 1967) war ein argentinischer Arzt und marxistischer Revolutionär, der als Guerillaführer und Anführer der Rebellenarmee maßgeblich an der Kubanischen Revolution (1953 bis 1959) beteiligt war. Später wurde er bei dem Versuch, eine Revolution in Bolivien zu entfachen, im Alter von 39 Jahren getötet. © dpa
Paraguayo Cubas ist der bekannteste rechtspopulistische Politiker Paraguays.
Paraguayo Cubas ist der bekannteste rechtspopulistische Politiker Paraguays. Cubas wird als „populistischer Anti-Establishment-Kandidat“ mit „extremen antidemokratischen Ansichten“ beschrieben. Er bezeichnete sich selbst als „romantischen, republikanischen und nationalistischen Anarchisten“. Nach der Wahl 2023 behauptete er Wahlbetrug und organisierte Proteste, was zu seiner Festnahme führte. © NORBERTO DUARTE/afp

Ash ordnet die Lage wie folgt ein: „Nachdem Gold während Trumps erstem Jahr zurück im Weißen Haus so stark gestiegen war, haben viele Beobachter nun durch den Iran-Krieg einen überraschenden Preisrückgang erlebt. Während Gold nun durch höhere Inflation und mögliche Zinserhöhungen Gegenwind bekommt, erhöht die Gefahr wirtschaftlicher Stagflation nur den Bedarf, Portfolios breiter abzusichern, da die geopolitische Ordnung auseinanderfällt.“

Ölpreisschock treibt Inflation – auch in Deutschland

Der geopolitische Hintergrund ist dabei entscheidend. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) lag die Inflationsrate in Deutschland im März 2026 bei plus 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – der höchste Stand seit Januar 2024. Destatis-Präsidentin Ruth Brand sagte dazu: „Die deutlichen Preissteigerungen bei den Energieprodukten treiben die Inflation. Insbesondere Kraftstoffe und Heizöl haben sich für die Verbraucherinnen und Verbraucher seit Beginn des Iran-Kriegs sprunghaft verteuert.“ Kraftstoffe verteuerten sich im März 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 20,0 Prozent, leichtes Heizöl sogar um 44,4 Prozent. Im Monatsvergleich stiegen die Energiepreise um 7,7 Prozent.

Für Anleger bedeutet das: Die Inflation ist zurück – und mit ihr die Frage, welche Anlageklassen noch realen Werterhalt bieten. Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management, äußert sich bei Morningstar zur weiteren Marktentwicklung. Er erwartet anhaltende Schwankungen: „Realistisch betrachtet dürfte der Ölpreis von hier aus wahrscheinlich etwas nachgeben, aber er wird nicht mehr das Vorkriegsniveau erreichen. Ich glaube nicht, dass er wieder auf 60 oder 70 US-Dollar zurückgehen wird. Ich halte 80 oder 90 US-Dollar für ein wahrscheinlicheres Szenario.“

Zu den Zinserwartungen, die viele Anleger beunruhigen, gibt Paolini Entwarnung: „Es wird zu einem Inflationsanstieg kommen. Ich glaube jedoch nicht, dass die Zentralbanken darauf reagieren werden, da es sich meiner Meinung nach um einen vorübergehenden Anstieg handelt und nicht um ein langfristiges Inflationsrisiko.“ Gleichzeitig betont er, dass das Aufwärtspotenzial für Aktien auch nach positiven Nachrichten über einen möglichen Waffenstillstand „recht begrenzt“ sei.

Stagflationsrisiko: Zwischen Wachstumsschwäche und Preisdruck

Der Kapitalmarktbericht für das erste Quartal 2026 des Vermögensverwalters Flossbach von Storch, der IPPEN.MEDIA vorliegt, zeichnet ein nüchternes Bild: Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran hat die Versorgung mit Öl, Gas, Helium und anderen Rohstoffen eingeschränkt und treibt Preise entlang ganzer Lieferketten in die Höhe. Laut Flossbach von Storch endete damit auch die anfängliche Gelassenheit der Börsen: Der marktbreite S&P 500 verlor im ersten Quartal gut vier Prozent, der DAX sogar rund sieben Prozent.

Auch die Europäische Zentralbank hat laut Flossbach von Storch drei Szenarien für die Inflationsentwicklung im Euroraum präsentiert. Im ungünstigsten – dem sogenannten „Severe Scenario“ – geht die EZB davon aus, dass die Öl- und Gasexporte aus dem Persischen Golf im zweiten Quartal 2026 um 60 Prozent gegenüber dem Vorkriegsniveau einbrechen könnten. Das könnte die Inflationsrate längere Zeit über vier Prozent und in der Spitze auf bis zu sechs Prozent treiben. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach von einem „erheblichen Schock“ und betonte, man werde alles Notwendige tun, um die Preisstabilität zu sichern. Die Terminmärkte preisen inzwischen zwei bis drei Zinserhöhungen der EZB ein.

Gold als Portfolioabsicherung – aber kein Allheilmittel

Genau in diesem Umfeld gewinnt Gold als Absicherungsinstrument wieder an Bedeutung. Laut Flossbach von Storch beendete der Goldpreis das erste Quartal 2026 mit einem Plus von 8,1 Prozent (knapp zehn Prozent in Euro), trotz einer zwischenzeitlichen Korrektur von fast 20 Prozent vom Jahreshoch. Das Investmenthaus betont: „Gold ist ein verlässlicher Liquiditätsgarant“ und „vielen ökonomischen Risiken, die andere Anlagen prägen, gar nicht erst ausgesetzt“ – kein Kreditrisiko, kein Liquiditätsrisiko, keine technologische Disruption.

Dennoch warnen die Analysten von Flossbach von Storch vor überzogenen Erwartungen: „Was Gold langfristig aber nicht bietet, sind das inhärente Wachstum von Aktien erfolgreicher Unternehmen oder die verlässlichen Zinserträge bonitätsstarker Anleihen. Deshalb ist Gold kein Ersatz für andere Anlageformen, sondern eine Ergänzung, die je nach Preisniveau und Anlegertyp fünf bis fünfzehn Prozent des Vermögens ausmachen sollte.“ BullionVault-Experte Ash sieht das ähnlich: „Die breite Nachfrage zeigt, dass Gold in der heutigen unsicheren und zunehmend gefährlichen Welt weiterhin eine attraktive Anlage bleibt.“

Chancen in China und Europa – trotz Unsicherheit

Wer über den Tellerrand des Goldmarktes hinausblickt, findet laut Pictet-Chefstratege Paolini noch weitere Gelegenheiten. Chinesische Aktien und Anleihen könnten sich in Zeiten von Marktstress vergleichsweise gut entwickeln, da China über eigene Energiequellen wie Kohle verfüge und im Bereich der Elektrifizierung führend sei. „Wenn es anderswo immer riskanter wird, wird China relativ gesehen etwas sicherer“, sagte Paolini gegenüber Morningstar.

Für europäische Aktien sieht Paolini ebenfalls moderates Aufwärtspotenzial, sollte der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran halten. Auch Anleihen schätzt er kurzfristig positiver ein, da der Markt seiner Einschätzung nach übermäßige Zinserhöhungssorgen einpreise: „Wir sind daher der Ansicht, dass der Markt zum gegenwärtigen Zeitpunkt etwas zu große Bedenken hinsichtlich Zinserhöhungen hegt.“ (Quellen: BullionVault / fischerAppelt, relations GmbH (Liljana Petrovic), Statistisches Bundesamt, Flossbach von Storch, Morningstar / Karen Gilchrist) (ls)

Disclaimer: Die bereitgestellten Informationen stellen keine Anlageberatung, keine sonstige Empfehlung und kein Angebot zum Kauf von Wertpapieren oder zur Vornahme bestimmter Investitionen dar.

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