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Ölpreis bricht um 16 Prozent ein: Warum das an der Zapfsäule noch lange nichts ändert
Der Iran öffnet die Straße von Hormus wieder. Der Ölpreis fällt rasant. Doch wann findet der Domino-effekt auch seinen Weg zur Zapfsäule?
Der Ölpreis ist nach der Einigung auf eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran eingebrochen – um bis zu 16 Prozent innerhalb weniger Stunden. Doch wer jetzt hofft, schon bald günstig zu tanken, sollte die Euphorie bremsen. Zwischen dem Weltmarktpreis für Rohöl und dem Preis an der Zapfsäule liegen viele Hindernisse – und eine Bundesregierung, die im europäischen Vergleich hinterherhinkt.
Waffenruhe im Iran-Krieg: Was sich am 8. April 2026 ereignet hat
Am Vormittag des 8. April 2026 einigten sich die USA und der Iran auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand – noch vor Ablauf des 48-Stunden-Ultimatums, das US-Präsident Donald Trump dem Iran gesetzt hatte. Die Vereinbarung kam zustande, nachdem Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif als Vermittler aufgetreten war. Die Bedingung der USA: Der Iran öffnet die Straße von Hormus wieder vollständig für den Schiffsverkehr. Teheran stimmte zu. Irans Außenminister Abbas Araghtschi kündigte an, dass der Schiffsverkehr in der Meerenge „in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen“ wieder ermöglicht werden soll. Trump hatte zuvor mit heftigen Angriffen auf Irans Energiesektor gedroht, sollte keine Einigung zustande kommen.
Die Reaktion der Märkte war unmittelbar und heftig. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni fiel kurz nach der Ankündigung um bis zu 16 Prozent auf 91,70 US-Dollar – der niedrigste Wert seit Mitte März. Am Morgen erholte sich der Kurs leicht auf 95,12 Dollar, lag damit aber immer noch rund 13 Prozent unter dem Niveau des Vortags. Die US-Sorte WTI zur Lieferung im Mai verlor sogar noch etwas stärker. Wichtig zur Einordnung: Trotz dieses deutlichen Rückgangs kosten beide Ölsorten immer noch rund ein Drittel mehr als vor Beginn der Angriffe Israels und der USA auf den Iran Ende Februar. Seit Kriegsbeginn verteuerte sich die Brent-Referenzsorte um mehr als 50 Prozent, WTI sogar um rund 70 Prozent gegenüber dem Vorkriegsniveau.
Börsen im Aufwind: Warum die Straße von Hormus so entscheidend ist
Auch die Börsen weltweit reagierten nach der Flaute positiv: Der DAX legte zum Handelsstart am Mittwochmorgen um 4,8 Prozent auf 24.022 Punkte zu. In Tokio schoss der Nikkei um fünf Prozent nach oben, der südkoreanische Leitindex Kospi stieg um sechs Prozent – was sogar kurzzeitig zu einer Handelsunterbrechung führte, berichtete die Tagesschau.
Die Bewegungen an den Märkt zeigt, dass die Straße von Hormus zu den wichtigsten Energierouten der Welt zählt. Durch die nur rund 50 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel läuft ein erheblicher Teil des globalen Öltransports. Seit Kriegsbeginn war sie vom Iran faktisch blockiert worden – mit erheblichen Folgen für die weltweite Energieversorgung. Laut Daten der Tagesschau wurden dem Markt während der rund 40 Tage dauernden Blockade etwa 400 Millionen Barrel Öl entzogen. Ein gewaltiges Volumen – und ein Grund, warum Experten trotz der Waffenruhe zur Vorsicht mahnen: „Ebenso wie wir noch nie erlebt haben, dass die Meerenge geschlossen wurde, haben wir auch noch nie erlebt, dass sie wieder geöffnet wird“, erklärte die US-Energiebehörde EIA in ihrem kurzfristigen Energieausblick, der am Dienstag veröffentlicht wurde.
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Die EIA warnte zudem, dass eine vollständige Wiederherstellung der Öltransporte durch die Meerenge „auch nach einem Ende des Konflikts Monate dauern“ werde. Wegen der anhaltenden Unsicherheit über künftige Lieferausfälle dürften die Ölpreise demnach bis zum Jahresende über dem Vorkrisenniveau bleiben. Die Kraftstoffpreise könnten selbst nach einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus noch monatelang weiter steigen.
Die 12-Uhr-Regel: Gut gemeint, wenig bewirkt: Wann kommt die Entlastung an der Tankstelle an?
Für Autofahrer in Deutschland ist der Preisrutsch am Ölmarkt zunächst nur ein erstes Signal. Ob und wann die Preise an der Zapfsäule sinken, hängt von vielen Faktoren ab: dem Euro-Dollar-Kurs, den Großhandelsmargen und dem Wettbewerb zwischen den Tankstellen. Das Bundeskartellamt weist in seinem aktuellen Kraftstoffbericht ausdrücklich darauf hin, dass sinkende Rohöl- und Großhandelspreise im Iran-Krieg an den Tankstellen zuletzt nur mit deutlicher Verzögerung ankamen. Dieser sogenannte „Rakete-und-Feder-Effekt“ ist bekannt: Preise steigen schnell wie eine Rakete – und sinken langsam wie eine Feder, so die Bundesregierung selbst. Seit Kriegsbeginn hat sich Diesel um rund 70 Cent verteuert, E10 um mehr als 40 Cent.
Bereits seit dem 1. April 2026 gilt an deutschen Tankstellen die neue Regel: Preiserhöhungen sind nur noch einmal täglich erlaubt – um 12 Uhr mittags. Preissenkungen hingegen sind jederzeit möglich. Doch die Wirkung blieb aus. Laut ADAC-Zahlen war Superbenzin eine Woche nach Einführung der Regel fast neun Cent teurer, Diesel sogar fast 13 Cent teurer als zuvor. Teils verzeichnete der ADAC bundesweite Durchschnittspreissprünge von mehr als zehn Cent zur Mittagszeit. „Die neue Tankregel hat sich als Enttäuschung erwiesen“, sagte Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands. ADAC-Kraftstoffmarkt-Experte Christian Laberer urteilte ebenfalls: „Das österreichische Modell mit einer Preiserhöhung pro Tag funktioniert nicht. Die Realität straft den Namen Spritpreis-Bremse hier Lügen.“ Die Befürchtung, dass Mineralölkonzerne mit deutlichen Risikoaufschlägen auf die eingeschränkte Flexibilität reagieren würden, habe sich bestätigt.
Deutschland hinkt Europa hinterher – Taskforce unter Druck
ADAC-Technik- und Verkehrspräsident Karsten Schulze fordert: „Die Politik hat das Bundeskartellamt mit höheren Befugnissen ausgestattet. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass davon nicht Gebrauch gemacht wird und die Behörden in der Beobachterrolle bleiben.“ Die Mineralölbranche verweist unterdessen auf externe Faktoren: „Ursache für die Preisentwicklung ist weiterhin der Iran-Krieg, der zu einer erheblichen Störung der globalen Versorgung mit Mineralöl und Mineralölprodukten geführt hat“, erklärte ein Sprecher des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie. „Die Tankstellenpreise folgen den Beschaffungskosten an den internationalen Märkten für die Produkte Benzin und Diesel.“
Und während Deutschland noch auf die Wirkung seiner neuen Tankregel wartet, haben viele europäische Nachbarländer längst konkretere Maßnahmen ergriffen, um die kriegsbedingt gestiegenen Spritpreise zu dämpfen: Österreich und Italien haben die Mineralölsteuer gesenkt, um Verbraucher direkt an der Zapfsäule zu entlasten. Spanien plant eine deutliche Reduzierung der Steuern auf Benzin und Strom. Polen hat Steueranpassungen eingeführt, um dem Tanktourismus entgegenzuwirken. Ungarn und die Slowakei setzen auf Preisbremsen und staatliche Regulierungen. Belgien und Luxemburg gehen noch einen Schritt weiter: Dort legt der Staat Höchstpreise für Kraftstoffe fest – in Belgien berechnet das Wirtschaftsministerium sogar an jedem Werktag die maximal erlaubten Preise für Benzin und Diesel anhand verschiedener Faktoren.
Benzinpreisbremse: Wann diskutiert der Bundestag über eine Steuerentlastung?
Eine vergleichbare Diskussion über eine Senkung der Kraftstoffbesteuerung hat im Deutschen Bundestag bislang nicht einmal ernsthaft begonnen. Stattdessen hat eine von den Koalitionsfraktionen eingesetzte Benzinpreis-Taskforce die Bundesregierung aufgefordert, bis diesen Freitag konkrete Prüfergebnisse vorzulegen. Auf dem Tisch liegen unter anderem: eine temporäre Entlastung über die Pendlerpauschale, eine Pauschalentlastung über Kfz-Steuerdaten, eine befristete Senkung der Energiesteuer sowie ein Spritpreisdeckel nach belgischem oder tschechischem Vorbild.
Zusätzlich wird eine sogenannte „Übergewinnsteuer“ geprüft – eine Sonderabgabe auf kriegsbedingte Zusatzgewinne der Mineralölkonzerne. VZBV-Chefin Ramona Pop brachte es auf den Punkt: „Die Mineralölkonzerne dürfen die Krise nicht ausnutzen und auf dem Rücken der Verbraucherinnen und Verbraucher Extragewinne einfahren.“ Doch auch hier fehlt in der Koalition der Konsens: Finanzminister Lars Klingbeil ist für eine solche Steuer, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche dagegen. (ls mit dpa)