Erst Iran, jetzt USA
Blockade der Straße von Hormus: Das sind die Folgen – Gewinner zeichnet sich schon ab
Die Straße von Hormus ist erneut gesperrt – erst durch den Iran, jetzt durch die USA. Für die Weltwirtschaft drohen massive Folgen. Doch es gibt auch Gewinner.
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Rund ein Fünftel der globalen Ölversorgung läuft durch diese rund 54 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Was sich seit Wochen dort abspielt, könnte die Spielregeln des Welthandels dauerhaft verändern – und dabei zeigt sich, wer am Ende möglicherweise profitiert.
Vom Iran-Gebührenplan zur US-Blockade: Rollentausch an der Meerenge
Nachdem der Iran die Handelsstraße von Hormus wieder freigegeben hatte, sind es nun die USA, die die Meerenge blockieren. Das wirft allerlei Fragen auf. Neben der forcierten Installation des in den USA ausgebildeten Kronprinzen Reza Pahlavi als neuem Machthaber im Iran steht nun vor allem der Verdacht der Marktmanipulation in exorbitant geopolitischer Dimension im Raum.
Ausgangspunkt der aktuellen Krise war eine iranische Forderung in den Friedensverhandlungen mit den USA: Teheran wollte künftig eine Transitgebühr von zwei Millionen US-Dollar pro Schiff erheben, das die Straße von Hormus passiert. Laut Berechnung könnten so mehr als acht Milliarden Euro pro Monat in die iranische Staatskasse fließen. Außerdem hatte der Iran eine generelle Waffenruhe der Region gefordert, was die völkerrechtswidrigen Angriffe Israels im Libanon implizierte. Doch Israel machte weiter.
Nach dem Scheitern der Verhandlungen drehte sich jetzt das Blatt. Denn nun sind es die USA unter Präsident Donald Trump, die ankündigten, die Meerenge für Schiffe zu sperren, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen wollen. Eine Blockade, deren Folgen nicht nur den Iran, sondern die gesamte Weltwirtschaft treffen würden. Gabriel Mitchell vom German Marshall Fund erklärte gegenüber der Wirtschaftswoche: „Im Kern läuft das auf eine Seeblockade gegen den Iran hinaus. Das würde die Lage weiter eskalieren lassen und kurzfristig erhebliche Schäden für Märkte und Weltwirtschaft verursachen.“ Mitchell warnte zudem: Es sei „zu erwarten, dass amerikanische Schiffe, die eine solche Blockade durchsetzen, unter iranischen Beschuss geraten.“
US military bases surrounding Iran.
— Kip Herriage (@KHerriage) April 15, 2024
Perspective helps. pic.twitter.com/Y7q0M1S0ET
Erst Iran, jetzt die USA: Was eine Blockade von Hormus für die Weltwirtschaft bedeutet
Die wirtschaftlichen Auswirkungen einer dauerhaften Blockade wären erheblich. Über die Straße von Hormus wird nicht nur Rohöl aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und dem Irak transportiert, sondern auch Flüssiggas aus Katar. Ein Ausfall dieser Route würde Energiemärkte weltweit unter Druck setzen und Lieferketten empfindlich stören.
Mitchell vom German Marshall Fund erklärte, dass China über „große strategische Öl- und Gasreserven“ verfüge, eine Verknappung sich „mit der Zeit aber bemerkbar machen“ werde. Gleichzeitig verwies er auf die geopolitische Dimension: Peking könnte „Vorteile darin sehen, dass sich die USA in einen möglicherweise aussichtslosen Krieg verstricken, während China als berechenbarer Akteur erscheint.“ Kurzfristige wirtschaftliche Nachteile könnten aus dieser Sicht „langfristige politische Gewinne“ wert sein.
Verdacht auf Marktmanipulation: Auffällige Trades vor Trumps Ankündigungen
Am 24. März 2026 – rund 15 Minuten bevor Trump auf Truth Social ankündigte, keine Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur mehr zu führen – wurden ungewöhnlich viele Öl-Terminkontrakte gehandelt. Zwischen 10:49 und 10:50 Uhr GMT wechselten 734 Ölkontrakte den Besitzer. In der folgenden Minute schnellte die Zahl auf 2168 – das 16-Fache des bis dahin beobachteten Tagesdurchschnitts. Bloomberg bezifferte den Wert der gehandelten Ölkontrakte in diesem Zeitraum auf 650 Millionen US-Dollar, berichtete das Finanz- und Investmentanalyseportal Barrons der Dow Jones & Company.
Trumps Ankündigung ließ die Rohölpreise anschließend um mehr als 14 Prozent einbrechen. Wer zuvor auf fallende Preise gesetzt hatte, dürfte Dutzende Millionen US-Dollar eingestrichen haben. Stephen Innes, Analyst bei SPI Asset Management, sagte gegenüber AFP: „Was hier auffällt, ist nicht nur die Größe der Trades, sondern das Timing.“ Und weiter: „Trader sind keine Hellseher. Wenn sich Positionierungen Minuten vor einer marktbewegenden Schlagzeile verschieben, bedeutet das in der Regel, dass jemand auf Basis von Informationen handelt, bevor die Geschichte publik wurde.“ Auch ungewöhnliche Aktivität in S&P-500-Futures wurde rund 15 Minuten vor Trumps Post registriert, wie CNBC berichtete. Der demokratische Senator Chris Murphy kommentierte auf X einen gemeldeten Kauf von S&P-500-Futures im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar kurz vor der Ankündigung: „Wer war es? Trump? Ein Familienmitglied? Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses? Das ist Korruption. Unfassbare Korruption.“
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Muster oder Zufall? Vorherige auffällige Wetten
Dabei blieb es nicht bei einem Einzelfall. Laut Barrons hatten sechs Konten auf der Wettplattform Polymarket bereits 1,2 Millionen US-Dollar mit Wetten gewonnen, dass die USA den Iran am 28. Februar 2026 – dem Tag, an dem der Krieg begann – angreifen würden. Die Wetten seien laut einer Analyse der Blockchain-Analysefirma Bubblemaps nur Stunden vor den Bombenangriffen platziert worden. Einen ähnlichen Fall gab es bereits Anfang Januar: Eine Person gewann über 400.000 US-Dollar auf Polymarket mit einer Wette, dass Venezuelas Präsident Nicolás Maduro gestürzt werde – nur Stunden, bevor US-Kräfte ihn tatsächlich festnahmen.
Einen Beleg für direkte Beteiligung von Trump oder Mitarbeitern des Weißen Hauses gibt es bisher nicht. Doch Jordan Libowitz, Vizepräsident der Ethik-Kontrollorganisation CREW, sagte gegenüber Barrons: „Das ist die Art von Sache, die Menschen fragen lässt, ob ihre Regierung in ihrem besten Interesse handelt oder versucht, bestimmte Personen zu bereichern.“
Kein Einzelphänomen: Trumps Präsidentschaft als Geschäftsmodell
Der Verdacht auf Marktmanipulation im Hormus-Kontext fügt sich in ein größeres Bild. Laut einer Analyse des Editorial Boards der New York Times hat Trump seit seiner Wiederwahl mindestens 1,4 Milliarden US-Dollar durch sein Amt eingenommen – basierend auf öffentlich zugänglichen Informationen. Den Löwenanteil davon – mindestens 867 Millionen US-Dollar – machen verschiedene Kryptowährungsprojekte aus.
Das Editorial Board der New York Times kommentierte: „Er hat seine Energie und Kreativität in die Ausbeutung der Präsidentschaft gesteckt.“ Die Zeitung warnte: „Die Vereinigten Staaten laufen Gefahr, in diese zynische Spirale zu fallen, während Trump die Institutionen der Regierung zu persönlichem Gewinn aushöhlt.“ Mark Neuman, Chief Investment Officer bei Hero Asset Management, brachte das strukturelle Problem gegenüber Barrons auf den Punkt: „Wenn man eine Transaktion durchführt, muss man den Börsen Details angeben – es gibt kein Geheimnis. Wenn es in diesem Land strengere Regulierer gäbe, würden wir die Identitäten herausfinden. Aber es scheint, dass diese Regierung weniger Regulierung bevorzugt. Es ist wirklich traurig, denn die Integrität der Märkte wird in Stücke gerissen.“
Wer von der Krise profitiert: China und Russland als stille Gewinner
Während die USA und der Iran um die Kontrolle der Straße von Hormus ringen, schaut China zu – und rechnet. Mitchell vom German Marshall Fund bringt es auf den Punkt: Peking könnte die Krise als Chance nutzen, sich als stabiler, berechenbarer Akteur auf der Weltbühne zu positionieren, während Washington mit sich selbst und einem militärischen Abenteuer beschäftigt ist. Kurzfristige wirtschaftliche Nachteile könnten aus Pekings Sicht langfristige politische Gewinne wert sein.
Auch Russland zählt zu den stillen Profiteuren der Krise: Laut dem Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) stiegen Russlands tägliche Exporteinnahmen aus fossilen Brennstoffen eine Woche nach den israelisch-amerikanischen Luftangriffen auf geschätzte 510 Millionen Euro pro Tag – 14 Prozent mehr als der Februardurchschnitt. Je länger die Straße von Hormus gesperrt bleibt, desto wertvoller wird russisches Öl als Ersatzlieferant für Asien.
Denn das eigentliche Kalkül Chinas ist nicht nur wirtschaftlicher Natur – es ist strategisch. Je tiefer sich die USA in den Konflikt um die Meerenge verstricken, desto stärker profiliert sich Peking als verlässliche Alternative in einer zunehmend unberechenbaren Weltordnung. Am Ende könnte ausgerechnet jene Macht als Sieger aus der Hormus-Krise hervorgehen, die nie ein einziges Schiff in die Meerenge geschickt hat. (ls)Verwendete Quellen: Gabriel Mitchell (German Marshall Fund), Interview, WirtschaftsWoche, 13. April 2026, AFP/Agence France-Presse, Datenanalyse zu Öl- und Aktienhandel, veröffentlicht bei Barron‘s, 24. März 2026, Thomas Urbain, „Fishy Trades Before Major News Spark Insider Trading Allegations“, Barron‘s, 27. März 2026
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