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China plant Finanzstrategie gegen die USA: Ist Venezuelas Gold Trumps Rettung?
China kauft Gold in Rekordmengen. Die Dollar-Dominanz wankt unter dem Dedollarisierungsdruck. Geht es bei Venezuela wirklich um Öl – oder um Gold zur Rettung der US-Reservewährung?
Die Süddeutsche Zeitung konstatierte kürzlich dazu: „Der Glaube der Kapitalmärkte, dass der amerikanische Dollar auch in zwanzig Jahren noch die Reservewährung der Weltwirtschaft sein werde, ist heute so gering wie nie zuvor.“ Und während China systematisch Gold akkumuliert und die USA mit einer Staatsschuldenquote von fast 130 Prozent kämpfen, rückt Venezuela mit seinen enormen Goldreserven plötzlich in den Fokus. Ergo könnte der wahre Grund für Washingtons Interesse an dem südamerikanischen Land weniger das Öl als vielmehr das Gold sein?
Gold: Die ultimative Währung in unsicheren Zeiten
Um zu verstehen, warum Gold in dieser geopolitischen Gemengelage eine so zentrale Rolle spielt, lohnt sich ein Blick auf die historische Bedeutung des Edelmetalls. Gold gilt seit Jahrtausenden als ultimative Absicherung gegen Währungsrisiken und staatliche Überschuldung. Anders als Papiergeld kann Gold nicht beliebig vermehrt werden. In der Geschichte der Menschheit wurden bisher über 210.000 Tonnen Gold gefördert, die als oberirdische Bestände existieren. Diese physische Begrenztheit macht das Edelmetall besonders in Zeiten fiskalischer Unsicherheit attraktiv. Jede Wette auf Gold ist automatisch auch eine Wette gegen den US-Dollar. Ein Blick auf die Märkte verdichtet den Verdacht: Der Goldpreis auf Rekordhoch signalisiert ein historisch geringes Vertrauen in die langfristige Stabilität des Dollar-Systems. Ray Dalio, der mit Bridgewater Associates den größten Hedgefonds der Welt aufgebaut hat und ein Privatvermögen von etwa zehn Milliarden US-Dollar besitzt, warnte gegenüber der Financial Times: Der Schuldenberg der USA würde in naher Zukunft zu einem „wirtschaftlichen Herzinfarkt“ führen.
Die fiskalische Situation der Vereinigten Staaten verschärft sich. Laut einer Untersuchung von KfW Research liegt die Staatsverschuldung momentan bei fast 130 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Um den wirtschaftlichen Schaden durch die Covid-Pandemie abzufedern, haben die USA 2020 Unmengen an Geld gedruckt, das zwei Jahre später die Inflation auf fast acht Prozent angehoben hat. Die US-Inflation verharrte im Dezember 2025 bei 2,7 Prozent, wie das Arbeitsministerium mitteilte.
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Chinas Goldoffensive als Dedollarisierungsstrategie – USA am fiskalischen Abgrund
KfW Research prognostiziert: „Ohne Gegenmaßnahmen könnte die Schuldenquote in den kommenden zehn Jahren auf 150 Prozent bis 170 Prozent des BIP ansteigen.“ Die Zinsausgaben haben sich seit 2020 verdreifacht. In 2024 wurden 18 Prozent aller Staatseinnahmen allein für die Tilgung von Zinsen verwendet. Anstatt den Schuldenberg abzutragen, hat Donald Trump in seinem jüngsten Haushalt die Aufnahme neuer Schulden beschlossen, mit denen vor allem das Budget des Militärs erhöht werden soll. Die Ratingagentur Moody‘s stufte Mitte Mai 2025 ihr Bonitätsrating für die USA herab und folgte damit Fitch und Standard and Poor‘s. Ein weiteres Warnsignal zeigte sich am 21. Mai 2025 bei der Auktion von 20-jährigen US-Staatsanleihen: Die Nachfrage blieb aufgrund zunehmender Bedenken hinsichtlich der langfristigen Fiskalstabilität deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Und während die USA mit diesen fiskalischen Herausforderungen kämpfen, nutzt China die Situation strategisch aus und verschärft seine Dedollarisierungsstrategie mit beispiellosen Goldkäufen. Laut Handelsdaten importierte das Land im November 2025 russisches Gold im Wert von 961 Millionen US-Dollar – der größte Goldhandel in der Geschichte der bilateralen Beziehungen. Von Januar bis November 2025 bezog China insgesamt russisches Gold im Wert von 1,9 Milliarden US-Dollar, fast neunmal mehr als im Vorjahreszeitraum.
Die offiziellen Zahlen könnten nur die Spitze des Eisbergs sein. Die französische Großbank Société Générale schätzte im Oktober, dass Pekings tatsächliche Goldkäufe zehnmal höher sein könnten als die Zahlen der chinesischen Zentralbank. Inoffizielle Schätzungen der australischen ANZ Bank beziffern Chinas Goldreserven auf bis zu 5.500 Tonnen – mehr als das Doppelte der offiziell gemeldeten 2.303,5 Tonnen. Falls korrekt, würde dies China von Platz sieben auf Platz zwei der Goldbesitz-Rangliste heben, über Deutschlands 3.350,3 Tonnen, aber hinter den 8.133,5 Tonnen der USA.
Zwar steht offiziell das Öl im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Doch angesichts von Chinas Dedollarisierungsstrategie und der wachsenden fiskalischen Zwänge in Washington gewinnt eine andere Ressource an strategischer Bedeutung: Gold.
Dollar verliert an Boden: Das Ende amerikanischer Dominanz?
Der Dollar-Anteil an den Zentralbankreserven sank laut IMF-Daten von 71 Prozent im Jahr 1999 auf 57,3 Prozent im Jahr 2024. Ende 2024 hielten nicht-amerikanische Zentralbanken 6,47 Billionen US-Dollar in Dollar-denominierten Vermögenswerten. Ein Forschungspapier von Otaviano Canuto für die Policy Research vom August 2025 analysiert, dass vier „Gravitationsfaktoren“ die zentrale Position des Dollars begünstigen: Skaleneffekte bei Transaktionen, das enorme Volumen an erstklassigen US-Staatsanleihen, die Suche nach Renditen im Reservemanagement und die Abwesenheit von Kapitalkontrollen in den USA.
Dennoch verstärkt China seine Bemühungen. Denn dessen Dedollarisierungsstrategie erhält durch neue Entwicklungen zusätzliche Dynamik: Im November 2025 meldete China die Entdeckung der größten Goldlagerstätte seit Gründung der Volksrepublik 1949: Die Dadonggou-Lagerstätte in der Provinz Liaoning enthält schätzungsweise 1.444 Tonnen Goldreserven. Beim aktuellen Preisniveau ist dieses Goldvolumen mehr als 166 Milliarden Euro wert.
El Dorado Venezuela: Geopolitisches Goldfieber im Petrolstate
Doch nicht nur China verfügt über bedeutende Goldreserven. Auch Venezuela rückt mit seinen gewaltigen Vorkommen in den Fokus – und damit in das strategische Kalkül der Großmächte. Nach Angaben von El Pais verfügt Venezuela nicht nur über die größten Ölreserven der Welt, sondern auch über die größten Goldvorkommen Lateinamerikas. Im Orinoco-Bergbaugürtel sollen laut Regierungsangaben mehr als 8.000 Tonnen Gold gefunden worden sein. Donald Trump erklärte kürzlich laut Euronews: „Sie haben uns unsere Energierechte genommen. Vor nicht allzu langer Zeit haben sie uns unser Öl weggenommen und wir wollen es zurück.“ Die venezolanische Regierung erklärte nach US-Angriffen: „Das Ziel dieser Aggression ist nichts Geringeres, als sich der strategischen Ressourcen Venezuelas zu bemächtigen, insbesondere des Öls und der Mineralien.“ Doch könnte hinter der Eskalation ein anderes Motiv stehen? Venezuela verfügt auch über bedeutende Vorkommen an Coltan und Thorium, auch als „blaues Gold“ bekannt. Transparency Venezuela berichtete, dass nur 14 Prozent des Wertes der im Jahr 2024 geförderten Mineralien die Zentralbank erreichten, während der Rest zwischen Unternehmen und kriminellen Netzwerken aufgeteilt wurde.
Die fiskalische Notlage der USA könnte eine neue Perspektive auf das Venezuela-Engagement eröffnen. Um den US-Dollar als Reservewährung zu stabilisieren, benötigen die USA eine solide Goldbasis. Mit Staatsschulden, die in zehn Jahren auf 150 bis 170 Prozent des BIP steigen könnten, und Goldreserven, die von China aufgeholt werden, steht Washington unter Druck. Venezuelas Gold im Orinoco-Bergbaugürtel würden die US-Goldreserven, und damit den Dollar, erheblich stabilisieren, und Chinas Dedollarisierungsstrategie einen Strich durch die Rechung machen. In diesem Kontext erscheint Trumps Rhetorik über „unser Öl“ möglicherweise als Ablenkung von einem strategischeren Ziel: Gold als Absicherung für den wankenden Dollar. (ls)