Big Cycle Theory

China plant Finanzstrategie gegen die USA: Ist Venezuelas Gold Trumps Rettung?

China kauft Gold in Rekordmengen. Die Dollar-Dominanz wankt unter dem Dedollarisierungsdruck. Geht es bei Venezuela wirklich um Öl – oder um Gold zur Rettung der US-Reservewährung?

Washington D. C. – Der Goldpreis erreichte Anfang Januar 2026 ein historisches Rekordhoch von über 4.600 US-Dollar pro Feinunze – auch aufgrund der instabilen Situation im Iran. Gleichzeitig fiel der US-Dollar. Als Donald Trumps Justizministerium ein Verfahren gegen Fed-Chef Jerome Powell eröffnete und damit die Unabhängigkeit der Zentralbank untergrub, reagierten die Märkte eindeutig: Gold stieg, der Dollar geriet unter Druck.

Die Süddeutsche Zeitung konstatierte kürzlich dazu: „Der Glaube der Kapitalmärkte, dass der amerikanische Dollar auch in zwanzig Jahren noch die Reservewährung der Weltwirtschaft sein werde, ist heute so gering wie nie zuvor.“ Und während China systematisch Gold akkumuliert und die USA mit einer Staatsschuldenquote von fast 130 Prozent kämpfen, rückt Venezuela mit seinen enormen Goldreserven plötzlich in den Fokus. Ergo könnte der wahre Grund für Washingtons Interesse an dem südamerikanischen Land weniger das Öl als vielmehr das Gold sein?

Gold: Die ultimative Währung in unsicheren Zeiten

Um zu verstehen, warum Gold in dieser geopolitischen Gemengelage eine so zentrale Rolle spielt, lohnt sich ein Blick auf die historische Bedeutung des Edelmetalls. Gold gilt seit Jahrtausenden als ultimative Absicherung gegen Währungsrisiken und staatliche Überschuldung. Anders als Papiergeld kann Gold nicht beliebig vermehrt werden. In der Geschichte der Menschheit wurden bisher über 210.000 Tonnen Gold gefördert, die als oberirdische Bestände existieren. Diese physische Begrenztheit macht das Edelmetall besonders in Zeiten fiskalischer Unsicherheit attraktiv. Jede Wette auf Gold ist automatisch auch eine Wette gegen den US-Dollar. Ein Blick auf die Märkte verdichtet den Verdacht: Der Goldpreis auf Rekordhoch signalisiert ein historisch geringes Vertrauen in die langfristige Stabilität des Dollar-Systems. Ray Dalio, der mit Bridgewater Associates den größten Hedgefonds der Welt aufgebaut hat und ein Privatvermögen von etwa zehn Milliarden US-Dollar besitzt, warnte gegenüber der Financial Times: Der Schuldenberg der USA würde in naher Zukunft zu einem „wirtschaftlichen Herzinfarkt“ führen.

Die fiskalische Situation der Vereinigten Staaten verschärft sich. Laut einer Untersuchung von KfW Research liegt die Staatsverschuldung momentan bei fast 130 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Um den wirtschaftlichen Schaden durch die Covid-Pandemie abzufedern, haben die USA 2020 Unmengen an Geld gedruckt, das zwei Jahre später die Inflation auf fast acht Prozent angehoben hat. Die US-Inflation verharrte im Dezember 2025 bei 2,7 Prozent, wie das Arbeitsministerium mitteilte.

Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern

Grönland
Donald Trump ist nicht der erste US-Präsident, der ein Auge auf Grönland geworfen hat. Schon in den 1860ern gab es einen ersten US-Vorstoß zum Kauf. So ließ Außenminister William Seward im Jahr 1868 einen „Bericht über die Ressourcen Islands und Grönlands“ erstellen. Es gebe dort Rohstoffvorkommen, die für die USA von Nutzen sein könnten, hieß es damals. Kurz zuvor hatte Seward bereits den erfolgreichen Kauf Alaskas vom russischen Zarenreich organisiert und wollte die Expansionspolitik fortsetzen. © Odd Andersen/AFP
Grönland
Der erste konkrete Kaufversuch scheiterte nicht an Dänemark, sondern am US-Kongress selbst. Dänemark hatte dem Verkauf Grönlands zugestimmt, doch der amerikanische Kongress wollte nicht schon wieder hohe Summen für nahezu unbewohnte „Eisregionen“ ausgeben. Die Abgeordneten waren nach dem teuren Alaska-Kauf skeptisch gegenüber weiteren kostspieligen Territorialerwerbungen in unwirtlichen Gebieten. © Odd Andersen/AFP
Expeditionen nach Grönland
Zwischen 1853 und 1909 führten die USA systematisch wissenschaftliche Expeditionen nach Nordgrönland durch, das damals noch staatsrechtliches Niemandsland war. Forscher wie Elisha Kent Kane, Isaac Israel Hayes und Robert Edwin Peary (dessen Basislager der Expedition von 1909 im Bild zu sehen ist) erkundeten das von den Inughuit bewohnte Gebiet und lieferten sich spektakuläre Wettläufe um die Erreichung des Nordpols. Diese Expeditionen legten den Grundstein für spätere amerikanische Gebietsansprüche. © Imago
Dänisch Westindien
1916/17 gelang den USA ein diplomatischer Schachzug: Dänemark verkaufte seine Kolonie Dänisch-Westindien in der Karibik an die Vereinigten Staaten, die daraufhin im Gegenzug die dänische Oberhoheit über ganz Grönland anerkannten. Dieser Handel war strategisch wichtig, da Dänemark bis dahin nur die grönländische Westküste kolonisiert hatte und Nord- sowie Ostgrönland Niemandsland gewesen waren. © Imago
Dänemark im Jahr 1940
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besetzung Dänemarks am 9. April 1940 flammte das US-Interesse an Grönland erneut auf. Washington befürchtete, Nazi-Deutschland könnte die gewaltige Insel unter seine Kontrolle bringen und damit eine strategische Bedrohung für Nordamerika darstellen. Grönland war durch die britische Seeherrschaft von dem besetzten Dänemark abgeschnitten. © Imago
Grönland
Der dänische Gesandte Henrik Kauffmann handelte am 9. April 1941 eigenmächtig einen Vertrag mit den USA aus, der die Errichtung amerikanischer Militärbasen in Grönland genehmigte. Kauffmann erklärte, dass er keine Weisungen aus dem deutsch besetzten Kopenhagen mehr entgegennehmen werde und sich zum alleinigen Vertreter der dänischen Interessen für Grönland erkläre. Diese „Entscheidung ebnete den Weg für die amerikanische Militarisierung Grönlands, die seither aufrechterhalten wurde.“ © Odd Andersen/AFP
Rostiges Fahrzeug ehemaliger US Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg Ikatek Grönland
Bis Kriegsende waren knapp 6000 US-Militärs auf vier Marine- und 13 Armeestützpunkten auf Grönland stationiert (im Bild: der ehemalige US-Luftwaffenstützpunkt im Zweiten Weltkrieg, Ikatek). Die Insel diente vor allem als Basis für atlantiküberwachende Flugzeuge auf der Suche nach deutschen U-Booten und wurde als Auftankstation für eigene Seemissionen genutzt. 1941 wurde zudem die Sirius-Schlittenpatrouille gegründet, um deutsche Versuche zur Errichtung von Wetterstationen der Wehrmacht in der Arktis zu verhindern. © Egmont Strigl/Imago
Harry Truman unterzeichnet NATO-Vertrag 1949
Nach dem Krieg wollte Dänemark die amerikanische Militärpräsenz auf der Insel wieder rückgängig machen, doch ohne Erfolg. US-Präsident Harry Truman (hier bei der Unterzeichnung des NATO-Pakts 1949) schlug Kopenhagen drei Optionen vor: entweder das Abkommen von 1941 fortzusetzen, die US-Stützpunkte für 99 Jahre zu leasen oder Grönland für 100 Millionen US-Dollar in Gold zu kaufen. Die dänische Antwort war eindeutig: „Absurd.“ © Imago
Frederik IX
„Wir verkaufen nicht!“ – Diese klare Absage stammte vom dänischen König Frederik IX (hier ein Gedenkstein in Nuuk) im Jahr 1960, nachdem US-Präsident Eisenhower wiederholt die Absicht geäußert hatte, Grönland von Dänemark kaufen zu wollen. 65 Jahre später sind die Aussagen Dänemarks und der USA zum gleichen Thema nahezu identisch, auch an den Motiven Washingtons hat sich im Wesentlichen nichts geändert. © Imago
Thule Air Base in Grönland
1951 gelang es den USA dennoch, ein Abkommen auszuhandeln, das ihnen gewährte, Grönland weiterhin militärisch zu nutzen, wenn sie dafür die Verteidigung Grönlands übernahmen. In diesem Jahr wurde die Thule Air Base als wichtigster militärischer Stützpunkt in Grönland errichtet. Bis 1958 nutzten die USA den Flughafen Narsarsuaq und bis 1992 den Flughafen Kangerlussuaq als Militärbasen. © Imago
Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968
Die amerikanische Militärpräsenz führte zu schweren diplomatischen Krisen und Problemen. Zu den bedeutendsten gehörten die Zwangsumsiedlung der Bewohnerinnen und Bewohner von Uummannaq direkt neben der Thule Air Base nach Qaanaaq im Jahr 1953 und der Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968 (im Bild). Mit diesem Vorfall musste Dänemark anerkennen, dass die USA heimlich Atomwaffen in Grönland lagerten. © Imago
Grönland
Nach Ende des Kalten Kriegs verminderten die USA ihre militärischen Aktivitäten und zogen sich 1991 aus Kangerlussuaq (im Bild) und Kulusuk zurück. Jedes Mal hinterließen sie das Gebiet mit Schrott verunreinigt und häufig mit umweltschädlichen Stoffen verseucht, weigerten sich aber dafür zu haften. Dänemark erklärte sich bereit, die Verantwortung für das Aufräumen zu übernehmen. © Sergi Reboredo/Imago
Colin Powell, Per Stig Møller und Josef Motzfeldt
2004 wurde das sogenannte Igaliku-Abkommen von den Außenministern Colin Powell (USA, rechts), Per Stig Møller (Dänemark, links) und Josef Motzfeldt (Grönland, Mitte) unterzeichnet. Die USA verpflichteten sich zur Zusammenarbeit für den Umweltschutz und Grönland erhielt mehrere entwicklungsmäßige und finanzielle Vorteile von den USA. Das Abkommen wurde im Heimatort des grönländischen Außenministers geschlossen. © AFP
Klimawandel in Grönland
Das schmelzende Polareis verschärft die strategische Bedeutung Grönlands dramatisch. Die Arktis erwärmt sich laut einer Studie der Stiftung für Wissenschaft und Politik viermal so stark wie im globalen Durchschnitt. Das zurückgehende Meereis öffnet neue Seewege zwischen Asien und Europa und macht Lagerstätten von Rohstoffen an Land und auf dem Meeresboden besser zugänglich. © Jason Briner/dpa
Grönland
In der Arktis werden in Gebieten, die durch die Klimakrise zugänglich werden, riesige Mengen an unentdeckten Erdgas- und Erdölvorkommen vermutet. Diese beiden Faktoren - Kontrolle der neuen Seewege in der Arktis und Zugang zu den immensen Rohstoffvorkommen - sind die wesentlichen Gründe für den jetzigen, erneuten Vorstoß der USA, sich Grönland „anzueignen.“ © Steffen Trumpf/dpa
Anti-Trump-Demo in Kopenhagen 2019
Donald Trump hatte bereits während seiner ersten Amtszeit 2019 ein „gieriges Auge“ auf Grönland geworfen und einen Kauf der Insel ins Gespräch gebracht. Seine Begründung: Man benötige die strategisch gelegene Insel für die „nationale Sicherheit“ der USA. In Kopenhagen kam es deswegen schon damals zu Demonstrationen.  © Niels Christian Vilmann/Imago
Grönland und Trump
Doch so unverhohlen wie jetzt hatte Trump noch nie gedroht, Grönland „haben“ zu wollen. Trump verweist auf die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Arktis-Region und behauptet, Dänemark sei nicht in der Lage, Grönland ausreichend zu schützen. Sogar eine militärische Intervention schließt er nicht aus. Die große Mehrheit der rund 57.000 auf der Insel lebenden Menschen wollen dagegen mit den USA nichts zu tun haben: Grönland stehe nicht zum Verkauf, hieß es bei einer Demonstration im März 2025. © Christian Klindt Soelbeck/dpa
Vance in Grönland
Ende März 2025 reiste US-Vizepräsident JD Vance nach Grönland. Dort äußerte er vor den stationierten US-Soldaten scharfe Kritik am NATO-Verbündeten Dänemark, zu dem die riesige Eisinsel gehört. Das Land tue angesichts der Bedrohungen durch Russland und China zu wenig für die Sicherheit Grönlands, sagte Vance auf die US-Militärstützpunkt Pituffik im abgeschiedenen Norden Grönlands.  © Jim Watson/AFP
Die Frau von Trump-Berater Stephen Miller zündelt.
Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller stellte in einem CNN-Interview sogar infrage, ob Grönland rechtmäßig zum NATO-Partner Dänemark gehöre. „Nach welchem Recht hat Dänemark die Kontrolle über Grönland?“, fragte Miller provokativ. Ein Social Media Post seiner Ehefrau Katie Miller zeigte eine Karte von Grönland in US-amerikanischen Farben. © Screenshot X
Grönland-Konflikt
In der EU und in der NATO hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Donald Trump meint es ernst mit seinen Grönland-Ambitionen. Europas Spitzenpolitiker reagieren mit klaren Worten auf Trumps Forderungen. Deutschland und weitere Länder stellen sich nach Trumps Drohungen demonstrativ hinter Grönland und Dänemark. Erst im September 2025 hatten dänische Streitkräfte mit Hunderten Soldaten aus mehreren europäischen Staaten an einer NATO-Übung auf Gönland teilgenommen (im Bild). © Ebrahim Noroozi/dpa
Mette Frederiksen und Donald Trump
Dänemark hat Trumps Anspruch auf Grönland und die militärischen Drohungen entschieden zurückgewiesen. Regierungschefin Mette Frederiksen sagte: „Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann hört alles auf.“ Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur. © Christian Hartmann/AFP
Thule, Grönland
Mehrere NATO-Bündnisstaaten haben sich zuletzt für eine stärkere Präsenz des Bündnisses in der Region ausgesprochen – auch Deutschland. Im Gespräch ist dabei unter anderem der Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen „Arctic Sentry“ (deutsch etwa: Wächter der Arktis). Er soll den USA das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann. © Imago
US-Militärbasis Pituffik Space Base in Grönland
Die USA betreiben schon heute auf Basis von Abkommen mit Dänemark die Pituffik Space Base auf Grönland. Dieser Stützpunkt unterstützt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen. Dänemark hat grundsätzlich nichts gegen eine verstärkte US-Militärpräsenz auf der Insel, solange die Souveränität respektiert wird. Die dänischen Streitkräfte sind hauptsächlich über das Arktische Kommando in Nuuk auf der Insel präsent. © Thomas Traasdahl/dpa
Grönland
Dass die Trump-Regierung bislang auch militärischen Zwang nicht ausschließt, um die Kontrolle über Grönland zu erlangen, sorgt in Europa für große Beunruhigung. Tatsächlich ist der Fall, dass ein NATO-Land das andere überfällt, in den Statuten der Allianz nicht vorgesehen – der Feind kommt traditionell immer von außen. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Alpenglühen in Alaska
Trump hat im Streit um Grönland aber auch immer von einem „Erwerb“ gesprochen. Der Kauf zusätzlichen Territoriums ist in der US-Geschichte kein Novum. In der Vergangenheit haben die USA für bestimmte Gebietserweiterungen immer wieder Geld in die Hand genommen. Dazu zählt beispielsweise auch Alaska (im Bild), das die damalige US-Regierung im Jahr 1867 für einen Spottpreis von 7,2 Millionen Dollar von Russland erwarb.  © Al Grillo/dpa

Chinas Goldoffensive als Dedollarisierungsstrategie – USA am fiskalischen Abgrund

KfW Research prognostiziert: „Ohne Gegenmaßnahmen könnte die Schuldenquote in den kommenden zehn Jahren auf 150 Prozent bis 170 Prozent des BIP ansteigen.“ Die Zinsausgaben haben sich seit 2020 verdreifacht. In 2024 wurden 18 Prozent aller Staatseinnahmen allein für die Tilgung von Zinsen verwendet. Anstatt den Schuldenberg abzutragen, hat Donald Trump in seinem jüngsten Haushalt die Aufnahme neuer Schulden beschlossen, mit denen vor allem das Budget des Militärs erhöht werden soll. Die Ratingagentur Moody‘s stufte Mitte Mai 2025 ihr Bonitätsrating für die USA herab und folgte damit Fitch und Standard and Poor‘s. Ein weiteres Warnsignal zeigte sich am 21. Mai 2025 bei der Auktion von 20-jährigen US-Staatsanleihen: Die Nachfrage blieb aufgrund zunehmender Bedenken hinsichtlich der langfristigen Fiskalstabilität deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Und während die USA mit diesen fiskalischen Herausforderungen kämpfen, nutzt China die Situation strategisch aus und verschärft seine Dedollarisierungsstrategie mit beispiellosen Goldkäufen. Laut Handelsdaten importierte das Land im November 2025 russisches Gold im Wert von 961 Millionen US-Dollar – der größte Goldhandel in der Geschichte der bilateralen Beziehungen. Von Januar bis November 2025 bezog China insgesamt russisches Gold im Wert von 1,9 Milliarden US-Dollar, fast neunmal mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die offiziellen Zahlen könnten nur die Spitze des Eisbergs sein. Die französische Großbank Société Générale schätzte im Oktober, dass Pekings tatsächliche Goldkäufe zehnmal höher sein könnten als die Zahlen der chinesischen Zentralbank. Inoffizielle Schätzungen der australischen ANZ Bank beziffern Chinas Goldreserven auf bis zu 5.500 Tonnen – mehr als das Doppelte der offiziell gemeldeten 2.303,5 Tonnen. Falls korrekt, würde dies China von Platz sieben auf Platz zwei der Goldbesitz-Rangliste heben, über Deutschlands 3.350,3 Tonnen, aber hinter den 8.133,5 Tonnen der USA.

Zwar steht offiziell das Öl im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Doch angesichts von Chinas Dedollarisierungsstrategie und der wachsenden fiskalischen Zwänge in Washington gewinnt eine andere Ressource an strategischer Bedeutung: Gold.

Dollar verliert an Boden: Das Ende amerikanischer Dominanz?

Der Dollar-Anteil an den Zentralbankreserven sank laut IMF-Daten von 71 Prozent im Jahr 1999 auf 57,3 Prozent im Jahr 2024. Ende 2024 hielten nicht-amerikanische Zentralbanken 6,47 Billionen US-Dollar in Dollar-denominierten Vermögenswerten. Ein Forschungspapier von Otaviano Canuto für die Policy Research vom August 2025 analysiert, dass vier „Gravitationsfaktoren“ die zentrale Position des Dollars begünstigen: Skaleneffekte bei Transaktionen, das enorme Volumen an erstklassigen US-Staatsanleihen, die Suche nach Renditen im Reservemanagement und die Abwesenheit von Kapitalkontrollen in den USA.

Dennoch verstärkt China seine Bemühungen. Denn dessen Dedollarisierungsstrategie erhält durch neue Entwicklungen zusätzliche Dynamik: Im November 2025 meldete China die Entdeckung der größten Goldlagerstätte seit Gründung der Volksrepublik 1949: Die Dadonggou-Lagerstätte in der Provinz Liaoning enthält schätzungsweise 1.444 Tonnen Goldreserven. Beim aktuellen Preisniveau ist dieses Goldvolumen mehr als 166 Milliarden Euro wert.

El Dorado Venezuela: Geopolitisches Goldfieber im Petrolstate

Doch nicht nur China verfügt über bedeutende Goldreserven. Auch Venezuela rückt mit seinen gewaltigen Vorkommen in den Fokus – und damit in das strategische Kalkül der Großmächte. Nach Angaben von El Pais verfügt Venezuela nicht nur über die größten Ölreserven der Welt, sondern auch über die größten Goldvorkommen Lateinamerikas. Im Orinoco-Bergbaugürtel sollen laut Regierungsangaben mehr als 8.000 Tonnen Gold gefunden worden sein. Donald Trump erklärte kürzlich laut Euronews: „Sie haben uns unsere Energierechte genommen. Vor nicht allzu langer Zeit haben sie uns unser Öl weggenommen und wir wollen es zurück.“ Die venezolanische Regierung erklärte nach US-Angriffen: „Das Ziel dieser Aggression ist nichts Geringeres, als sich der strategischen Ressourcen Venezuelas zu bemächtigen, insbesondere des Öls und der Mineralien.“ Doch könnte hinter der Eskalation ein anderes Motiv stehen? Venezuela verfügt auch über bedeutende Vorkommen an Coltan und Thorium, auch als „blaues Gold“ bekannt. Transparency Venezuela berichtete, dass nur 14 Prozent des Wertes der im Jahr 2024 geförderten Mineralien die Zentralbank erreichten, während der Rest zwischen Unternehmen und kriminellen Netzwerken aufgeteilt wurde.

Die fiskalische Notlage der USA könnte eine neue Perspektive auf das Venezuela-Engagement eröffnen. Um den US-Dollar als Reservewährung zu stabilisieren, benötigen die USA eine solide Goldbasis. Mit Staatsschulden, die in zehn Jahren auf 150 bis 170 Prozent des BIP steigen könnten, und Goldreserven, die von China aufgeholt werden, steht Washington unter Druck.
Venezuelas Gold im Orinoco-Bergbaugürtel würden die US-Goldreserven, und damit den Dollar, erheblich stabilisieren, und Chinas Dedollarisierungsstrategie einen Strich durch die Rechung machen. In diesem Kontext erscheint Trumps Rhetorik über „unser Öl“ möglicherweise als Ablenkung von einem strategischeren Ziel: Gold als Absicherung für den wankenden Dollar. (ls)

Rubriklistenbild: © LNJS

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