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Gold und Silber im Aufwind: Was der US-Angriff auf Venezuela für Anleger bedeutet
Die US-Intervention in Venezuela sorgt an den Finanzmärkten für Bewegung. Während Edelmetalle zulegen, fällt der Ölpreis. Experten warnen vor wachsender Unsicherheit.
Frankfurt a. M. – Die Ereignisse in Venezuela haben die Nachfrage nach sicheren Anlagen angekurbelt. Gold verteuerte sich zum Wochenstart um rund drei Prozent auf bis zu 4456 US-Dollar je Feinunze. „Die Ereignisse in Venezuela haben die Nachfrage nach sicheren Anlagen wieder angeheizt, wobei Gold und Silber zu den Gewinnern zählen, da Anleger sich gegen geopolitische Risiken absichern wollen“, sagte Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade. Der Preis liegt damit nur knapp unter dem Rekordhoch von knapp 4550 US-Dollar.
Noch deutlicher fiel die Reaktion bei Silber aus. Der Silberpreis, der zum Jahresende stärker gefallen war, verteuerte sich am Montag um bis zu fünf Prozent. „Gold und Silber schlagen als geopolitisches Fieberthermometer an und steigen“, stellte Jochen Stanzl von der Consorsbank fest. Bereits im vergangenen Jahr hatten geopolitische Spannungen in Verbindung mit Zinssenkungen, robusten Käufen durch Zentralbanken und Zuflüssen in börsengehandelte Fonds den Goldpreis um 64 Prozent steigen lassen – der größte Jahresgewinn seit 1979.
Edelmetalle profitieren von geopolitischen Spannungen – Ölmarkt reagiert verhalten auf Venezuela-Krise
Ganz anders präsentiert sich die Lage am Ölmarkt. Während Anleger bei Gold und Silber zugreifen, gerieten die Ölpreise unter Druck. Die Nordsee-Rohölsorte Brent verbilligte sich je Barrel phasenweise leicht, US-Öl der Sorte WTI notierte zwischenzeitlich ebenfalls schwächer. Diese verhaltene Reaktion überrascht auf den ersten Blick. Schließlich verfügt Venezuela über die weltweit größten nachgewiesenen Rohölvorkommen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur besitzt das Land knapp 304 Milliarden Barrel Rohöl – rund 17 Prozent der globalen Reserven. Damit übertrifft Venezuela sogar Fördergiganten wie Saudi-Arabien und den Iran.
Doch die Realität sieht anders aus. Die venezolanische Ölindustrie befindet sich seit mehr als einem Jahrzehnt im freien Fall. Überausbeutung, Unterinvestitionen, Misswirtschaft und US-Sanktionen haben die Produktion kollabieren lassen. Zuletzt förderte Venezuela weniger als eine Million Barrel pro Tag – ein Bruchteil der mehr als drei Millionen Barrel aus den späten 1990er Jahren.
Warum die Märkte nicht in Panik verfallen: Langfristige Perspektiven für den Ölmarkt
Die gedämpfte Reaktion am Ölmarkt hat einen einfachen Grund: Überangebot. Das Angebot auf dem weltweiten Ölmarkt ist derzeit so üppig, dass auch kurzfristig kein starker Preisanstieg zu erwarten ist. Neue Barrels aus Brasilien, Guyana, Argentinien und den USA drücken auf den Markt. Zudem hat die OPEC+ begonnen, ihre freiwilligen Produktionskürzungen von insgesamt knapp vier Millionen Barrel pro Tag zurückzufahren. Ölhändler blicken bereits auf die Lage in drei bis sechs Monaten und bereiten sich auf fallende Preise vor. Denn sollte Venezuela seine Förderung unter US-Führung wieder hochfahren, könnte das ohnehin reichliche Angebot weiter steigen. Heute macht Venezuelas Produktion weniger als ein Prozent des weltweiten Angebots aus – zu wenig, um die Märkte nachhaltig zu bewegen.
Über die mittelfristigen Aussichten herrscht unter Experten Uneinigkeit. Analysten glauben, dass Venezuela mit einem politischen Wandel seine Ölproduktion von aktuell 800.000 Barrel pro Tag binnen zwei Jahren auf 1,3 bis 1,4 Millionen Barrel steigern könnte. In den nächsten zehn Jahren seien sogar 2,5 Millionen Barrel pro Tag erreichbar.
USA greifen Venezuela an: Bilder zeigen Zerstörung und Maduro in Gefangenschaft
US-Überfall ohne Interventions-Mandat: Geopolitische Unsicherheit wächst
Venezuela benötige enorme Kapitalmengen und technische Hilfe, um seine Produktion wieder hochzufahren. Selbst eine vollständige Rückkehr sanktionierter venezolanischer Barrel würde weniger als ein Prozent des globalen Angebots ausmachen. Die Märkte würden dies eher absorbieren, als davon überschwemmt zu werden.
Trotz der zunächst ruhigen Marktreaktionen warnen Analysten vor wachsender Unsicherheit. Besonders die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, dass die USA Venezuela zunächst regieren wollen, wirft viele Fragen auf – auch wenn Außenminister Marco Rubio diese Aussage am Sonntag relativierte. Jochen Stanzl von der Consorsbank warnt vor möglichen Dominoeffekten: „China könnte den Druck auf Taiwan erhöhen, Russland weniger geneigt sein, den Ukraine-Krieg zu beenden, und die Lage im Iran weiter eskalieren.“ Dennoch gibt er Entwarnung für Aktienanleger: Geopolitische Krisen böten oft Kaufgelegenheiten. In diesem Jahr könnte es einige solcher Gelegenheiten geben.
„Wir werden Venezuela für eine gewisse Zeit regieren“, kündigte US-Präsident Donald Trump nach der Festnahme von Nicolás Maduro an. Die Märkte reagieren unterschiedlich: Gold und Silber steigen, Öl fällt.
Geopolitische Risiken im Blick: Aktienmärkte bleiben gelassen
Die Börsen weltweit zeigten sich von den Ereignissen in Venezuela weitgehend unbeeindruckt. Der deutsche Leitindex Dax kletterte am Montag auf ein neues Rekordhoch von 24.825 Punkten – ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber Freitag. Besonders gefragt waren Rüstungsaktien, deren Branchenindex um vier Prozent zulegte. Auch in den USA stiegen die Kurse: Der S&P 500 und der Nasdaq gewannen jeweils ein Prozent. Selbst der Kryptomarkt profitierte von der Unsicherheit. Der Bitcoin verteuerte sich von Freitagabend bis Montagmorgen von knapp 90.000 auf über 93.000 US-Dollar – der höchste Stand seit Mitte Dezember. Viele Investoren betrachten die Kryptowährung als digitale Alternative zu Gold und greifen in unsicheren Zeiten zu. (ls)