Korruption im Weißen Haus
1,408 Milliarden US-Dollar in die eigene Tasche: Wie sich Trump in seiner Präsidentschaft bereichert
Trump macht sein Amt zur Geldmaschine. Seit der Wiederwahl: mindestens 1,4 Milliarden US-Dollar. Kryptowährungen, Geschenke, Vergleiche – alles ist erlaubt.
Trump liebt Geld. Für den US-Präsidenten ist es das Allheilmittel sämtlicher Probleme. Normalerweise ist Geld ein Mittel zum Zweck. Bei Donald Trump ist es umgekehrt. Wenn Geld der Zweck ist, wird alles andere zum Mittel – und Macht zum Geschäftsmodell.
Laut einer Analyse des Editorial Boards der New York Times hat Trump seit seiner Wiederwahl mindestens 1,4 Milliarden US-Dollar durch sein Amt eingenommen. Die Summe basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen und ist lediglich eine Untergrenze – die tatsächlichen Profite könnten deutlich höher liegen. „Er hat seine Energie und Kreativität in die Ausbeutung der Präsidentschaft gesteckt“, konstatierte das Editorial Board.
Trumps Präsidentenamt als Milliarden-Business: Kryptowährungen als Haupteinnahmequelle
Der größte Anteil der präsidialen Bereicherung stammt aus verschiedenen Kryptowährungsprojekten: mindestens 867 Millionen US-Dollar. Die Trump-Familie hat mehrere digitale Währungen lanciert, darunter die Plattform World Liberty Financial, die etwa 390 Millionen US-Dollar eingebracht hat. Bloomberg beziffert das Gesamtvermögen der Trump-Familie aktuell auf 6,8 Milliarden US-Dollar, wobei Kryptowährungen mittlerweile ein Fünftel des Familienvermögens ausmachen. Laut Bloomberg haben die Trumps allein im vergangenen Jahr rund 1,4 Milliarden US-Dollar durch Krypto-Projekte verdient, die erst in seiner zweiten Amtszeit entstanden sind.
Besonders problematisch: Käufer dieser Krypto-Währungen müssen ihre Identität nicht offenlegen. Justin Sun, Gründer des Krypto-Netzwerks Tron, investierte rund 75 Millionen US-Dollar in World Liberty-Tokens. Eine Klage der Securities and Exchange Commission gegen Sun und seine Unternehmen wurde im Februar 2025 ausgesetzt – nur wenige Monate später speiste er als größter Inhaber von Trumps Meme-Coin mit dem Präsidenten. Die staatlich gestützte Investmentfirma MGX aus Abu Dhabi investierte zwei Milliarden US-Dollar in World Liberty Financial – nur zwei Wochen bevor das Weiße Haus ankündigte, dass die Vereinigten Arabischen Emirate Zugang zu fortschrittlichen Computer-Chips erhalten würden.
Gold, Rolex-Uhren, Vegleichszahlungen und ein Luxusjet: Geschenke und Zuwendungen in Millionenhöhe
Vergangenes Jahr schenkte Qatar Trump eine Boeing 747 im Wert von 400 Millionen US-Dollar, die er während seiner Präsidentschaft als Air Force One nutzt und anschließend an seine Stiftung für die Präsidentenbibliothek übergeben wird. Trump selbst räumte ein, dass das Geschenk seine Haltung gegenüber Qatar beeinflusst: Kurz nachdem Qatar das Flugzeug angeboten hatte, sagte Trump bei einem Besuch in Doha: „Wir werden dieses Land schützen.“ Ob ein Zusammenhang zwischen dem Geschenk und dieser Zusage besteht, lässt sich nicht belegen – die zeitliche Nähe wirft jedoch Fragen auf. Medienberichten zufolge war es allerdings die Trump-Administration, die Qatar zunächst bezüglich des Jets kontaktierte – entgegen Trumps Darstellung, Qatar habe das Flugzeug als „Geschenk“ angeboten. Im Mai 2025 akzeptierte das Pentagon das Flugzeug offiziell.
Auch andere Länder setzen auf teure Geschenke, um sich günstigere Konditionen zu sichern. Im November 2025 empfing Trump eine Delegation Schweizer Unternehmer im Oval Office – ohne Politiker. Die Gruppe brachte Geschenke mit: einen speziell geprägten Goldbarren und eine Rolex-Uhr im Wert von 20.000 bis 40.000 Franken (ca. 25-50.00 US-Dollar). Kurz darauf senkten die USA die Strafzölle für die Schweiz von 39 auf 15 Prozent.
Rechtliche Vergleiche mit Medienunternehmen: Wenn Gerichtsklagen zu Geldmaschinen werden
Doch Trump hat aus einer weiteren Business-Strategie ein lukratives Modell gemacht: dem Kampf mit den Medien. Nur zu gerne zieht er Unternehmen vor Gericht – und kassiert am Ende Millionen. Große Tech- und Medienunternehmen zahlten Trump seit seiner Wiederwahl 90,5 Millionen US-Dollar in Vergleichen. Die Zahlungen kamen von X, ABC News, Meta, YouTube und Paramount. Keiner dieser Vergleiche war laut der New York Times inhaltlich gerechtfertigt. Paramount etwa zahlte 16 Millionen US-Dollar, um einen langwierigen Rechtsstreit zu vermeiden. Trump hatte dem Sender irreführende Bearbeitung eines Interviews mit Kamala Harris vorgeworfen – Medienberichten zufolge waren die Vorwürfe unbegründet. Paramount zahlte dennoch.
Für eine Dokumentation über Melania Trump zahlt Amazon laut Wall Street Journal 40 Millionen US-Dollar – wobei mindestens 28 Millionen direkt an die Trumps gehen. Das sei deutlich mehr als das höchste konkurrierende Angebot und weit mehr, als das Unternehmen zuvor für ähnliche Projekte gezahlt habe. Jeff Bezos, Vorsitzender von Amazon und einer der reichsten Menschen der Welt, hat viele Gründe, sich mit der Regierung gutzustellen: Kartellrecht, Verteidigungsverträge von Amazon und Bundesaufträge seiner Raumfahrtfirma.
Ausländische Lizenzdeals: Golfplätze, Hotels und Immobilien
Die Trump Organization verfolgt mehr als 20 Auslandsprojekte, darunter ein Hotel im Oman, einen Büroturm in Westindien und einen Golfplatz bei Riad. Diese Deals haben den Trumps seit der Wiederwahl mindestens 23 Millionen US-Dollar eingebracht. Oft ist dabei die Kooperation mit ausländischen Regierungen erforderlich. Ein Beispiel: Die Regierung senkte die angedrohten Zölle auf Vietnam etwa einen Monat, nachdem ein Trump-Organization-Projekt mit dem Bau eines 1,5-Milliarden-Dollar-Golfkomplexes außerhalb von Hanoi begonnen hatte. Vietnamesische Beamte ignorierten ihre eigenen Gesetze, um das Projekt zu beschleunigen.
Als wäre das nicht genug fordert Trump vom Justizministerium eine Entschädigung von rund 230 Millionen US-Dollar für vergangene Bundesermittlungen gegen ihn. Über die möglichen Zahlungen müssen ausgerechnet hochrangige Beamte innerhalb des Justizministeriums entscheiden, die zuvor als Anwälte für Trump oder sein Umfeld tätig waren. Der stellvertretende Justizminister Todd Blanche, der Vergleiche über vier Millionen Dollar genehmigen muss, war Trumps ehemaliger Hauptverteidiger in Strafverfahren. Auch Stanley Woodward Jr., Chef der Zivilabteilung des Ministeriums, vertrat zuvor Trumps Mitangeklagten Walt Nauta. Trump selbst räumte zu dem Sachverhalt im Weißen Haus schmunzelnd ein: „Es ist ziemlich seltsam, eine Entscheidung zu treffen, bei der ich mich selbst bezahle.“
Trumps Board of Peace: Frieden als Geschäftsmodell
Im Januar 2026 stellte Trump in Davos sein „Board of Peace“ vor – eine Organisation, die ursprünglich für den Wiederaufbau des Gazastreifens gedacht war, sich aber laut Trump zu einem Gremium entwickeln soll, das „so ziemlich alles tun kann, was wir tun wollen“, wie Al Jazeera berichtete. Das Narrativ ist auch hier, wie so häufig, humanitär, der Beweggrund bleibt monitär: Eine Mitgliedschaft kostet eine Milliarde US-Dollar. Trump selbst ist auf Lebenszeit Vorsitzender des Gremiums und hat laut der Charta Vetorecht über zentrale Entscheidungen. Besonders das Gaza-Projekt offenbart, wie Trump Geopolitik und Geschäft vermischt. Trump selbst bezeichnete sich bei seiner Rede in Davos als "im Herzen ein Immobilienmensch" und schwärmte von der Lage Gazas am Meer.
Seine Vision für Gaza präsentierte Trump bereits im Februar 2025 in einem KI-generierten Video, das er in den sozialen Medien teilte. Der Clip zeigt den Gazastreifen vom zerstörten Kriegsgebiet verwandelt in einen Luxus-Resort namens „Trump Gaza“ – mit goldenen Trump-Statuen, Hochhäusern im Dubai-Stil und Strandresorts. Im Video sind Trump und der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu zu sehen, wie sie halbnackt am Pool entspannen. Sein Schwiegersohn Jared Kushner, ein Immobilienentwickler und Mitglied des Board of Peace, stellte kürzlich in Davos einen „Masterplan“ für Gaza vor, der Strandentwicklungen und Luxusgebäude vorsieht.
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King Trump: Präzedenzlose Korruption und die Aushöhlung der Demokratie
Die New York Times bringt es in einem Artikel auf den Punkt: „Es ist unmöglich zu wissen, wie oft Trump offizielle Entscheidungen trifft, teilweise oder ganz, weil er reicher werden will. Und genau das ist das Problem.“ Eine Kultur der Korruption sei heimtückisch, weil sie nicht nur eine Abweichung von der Regierung im öffentlichen Interesse darstelle, sondern auch die Zerstörung der demokratischen Legitimität des Staates. Das Editorial Board zieht einen historischen Vergleich: Als Präsident Harry Truman 1953 sein Amt verließ, besaß er nicht einmal ein Auto. Er und seine Frau kehrten per Zug nach Missouri zurück und lebten eine Zeit lang von seiner Militärpension. Er weigerte sich, einen Job anzunehmen, den er als Kommerzialisierung seines öffentlichen Dienstes ansah.
Die Zeitung warnt: „Die Vereinigten Staaten laufen Gefahr, in diese zynische Spirale zu fallen, während Trump die Institutionen der Regierung zu persönlichem Gewinn aushöhlt.“ Aristoteles, der vor mehr als 2.000 Jahren schrieb, habe klar gesehen und gewarnt: Wenn das Ziel der Regierung sich vom öffentlichen Wohl zum privaten Gewinn verschiebt, wird ihre Verfassung zu einer leeren Hülle. Die Regierung ist dann nicht mehr für das Volk da. (ls)
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