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Merz will Syrer nach Hause schicken – dabei arbeiten Hunderttausende in Deutschland
Bundeskanzler Merz will die meisten Syrer zurückschicken. Zahlen der Arbeitsagentur zeigen nun, wie viele Syrer wirklich in Arbeit kommen – und wie viele nicht.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) möchte, dass ein Großteil der Syrerinnen und Syrer in Deutschland wieder in ihr Heimatland zurückkehrt. Das sagte Merz am Montag im Zuge des Besuchs des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin. Dazu planen die beiden Länder, eine gemeinsame „Taskforce“ einzurichten. Etwa 950.000 Syrerinnen und Syrer leben in Deutschland, die meisten von ihnen flüchteten wegen des 2011 begonnenen Bürgerkriegs. „In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre, das ist auch der Wunsch von Präsident Scharaa gewesen, sollen rund 80 Prozent der in Deutschland jetzt sich aufhaltenden Syrerinnen und Syrer zurück in ihr Heimatland kehren“, so der Bundeskanzler. Doch was machen diese Menschen in Deutschland überhaupt?
Ein neuer Bericht der Bundesagentur für Arbeit (BA) namens „Kohortenbasierte Verbleibsanalyse syrischer Staatsangehöriger“ zeigt anhand einiger Beispiele, wie die Arbeitssituation von Syrern in Deutschland ist. So werden darin etwa die Syrer betrachtet, die im Zuge der großen Fluchtbewegungen 2015 im Folgejahr in Deutschland erstmals als erwerbsfähige Leistungsberechtigte in die Grundsicherung gekommen sind. Ausgangspunkt für diese von 2016 bis 2024 beobachtete Jahreskohorte sind laut Bericht 213.000 Menschen. Die BA analysierte zweimal jährlich, wie viele dieser Menschen arbeiten und wie viele nicht.
Syrer in Deutschland: Wer arbeitet
Zu Beginn der Beobachtung waren im Juni 2017 nur rund 20.000 der syrischen Geflüchteten in Arbeit, 46.000 waren arbeitslos gemeldet und rund 140.000 Menschen wurden als „nicht-arbeitslose erwerbsfähige Personen“ geführt. Sie waren etwa in Sprachkursen oder Aktivierungsmaßnahmen.
Im Laufe der Jahre verschiebt sich dieser Anteil deutlich. Im Dezember 2024 (letzter beobachteter Stichtag) waren 111.000 der syrischen Geflüchteten in Arbeit. 34.000 waren arbeitslos, 22.000 nicht-arbeitslose erwerbsfähige Personen. Darüber hinaus finden sich knapp 45.000 Menschen in keiner der Kategorien mehr, werden also in keiner Form mehr von der Arbeitsagentur oder Jobcentern betreut. Entweder, so die Erklärung der BA, weil sie arbeiten, oder „durch vollständiges Ausscheiden aus den administrativen Systemen“, wie es im Bericht heißt.
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Was bedeuten diese vielen Zahlen also? Sie zeigen, dass die Beschäftigung der beobachteten Kohorte an Geflüchteten konstant anstieg. Der Bericht spricht von einer schrittweisen „Integration in den Arbeitsmarkt“. „Besonders stark ist das Wachstum in den ersten Jahren nach dem Zugang in die Grundsicherung, in denen viele Personen nach Abschluss von Sprach- und Integrationskursen, Qualifizierungsmaßnahmen oder schulischen Ausbildungen in den Arbeitsmarkt einmünden“, so der BA-Bericht.
Von den 111.000 Beschäftigten Ende 2024 arbeiteten 98 Prozent sozialversicherungspflichtig, zahlten also Beiträge. Auf der anderen Seite sind von den 2017 noch über 200.000 Menschen, die staatliche Leistungen bezogen, Ende 2024 nur noch 70.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte übrig.
Von den 213.000 erwerbsfähigen Menschen, die 2017 erfasst wurden, waren Ende 2024 noch 34.000 arbeitslos, das entspricht einer Quote von knapp 16 Prozent. Massiv gesunken sind auch die Zahlen der Syrerinnen und Syrer in Integrationskursen, in Schulen oder Sprachkursen. „Ein Grund hierfür könnte sein, dass ein wachsender Teil in Beschäftigung übergeht“, heißt es im Bericht der BA. „Die Zahl der arbeitslosen Personen reduziert sich im Zeitverlauf.“ Ein deutlicher Unterschied ist bei den Geschlechtern festzustellen: Während Männer zunehmend in Arbeit kommen, steigen die Werte bei Frauen deutlich langsamer und viele Frauen bleiben laut BA „länger in familienbezogenen oder sonstigen nicht-arbeitslosen Statuslagen“.
Der Bericht der Arbeitsagentur soll unter anderem zeigen, dass „die Integration in den Arbeitsmarkt nicht sprunghaft, sondern schrittweise erfolgt“, was sich am Beispiel dieser Kohorte ablesen lässt. Er ist aber nicht repräsentativ. Insgesamt sind laut Arbeitsagentur knapp 300.000 Syrerinnen und Syrer in Arbeit (Stand April 2025). Knapp 250.000 waren als arbeitssuchend gemeldet. Die Arbeitslosenquote liegt insgesamt bei rund 34 Prozent, wie der Mediendienst Integration meldet. Das Durchschnittsalter der Syrerinnen und Syrer in Deutschland beträgt laut Institut der Deutschen Wirtschaft 27 Jahre, ein großer Teil der 950.000 Syrerinnen und Syrer in Deutschland sind Kinder. Und etwa die Hälfte der Beschäftigten ist auf Fachkraftniveau, gut zehn Prozent auf Spezialistenniveau.
Die Arbeitslosenquote sinkt laut Mediendienst bei längerem Aufenthalt. So zeigt auch ein Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, dass Syrerinnen und Syrer, die sieben Jahre oder länger in Deutschland bleiben, in 61 Prozent der Fälle eine Arbeit haben. (Verwendete Quellen: Bundesagentur für Arbeit, BA Methodenbericht März 2026, Mediendienst Integration, Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, Institut der Deutschen Wirtschaft)