Wegen Nahost-Krieg
Spritpreise in Deutschland explodieren: Warum ist es in Österreich so viel günstiger?
An den Tankstellen werden Spritpreise aufgerufen wie lange nicht. In Deutschland sind Benzin und Diesel aus einem Grund viel teurer als in Österreich.
München – Die Zwei-Euro-Marke ist mittlerweile gefallen. Mancherorts rufen Tankstellen für einen Liter Diesel oder Benzin einen Betrag jenseits der größten Münze auf, die die europäische Währung zu bieten hat. Der Nahostkrieg macht’s möglich. Denn weil die USA und Israel seit Samstag den Iran bombardieren und Teheran zurückschießt, sind die Preise für Öl und Gas nach oben geschnellt. Zu unsicher sind die Versorgungsrouten rund um die Straße von Hormus.
Nicht nur in Deutschland ist Sprit daher – wie seit Beginn des Angriffs befürchtet – so teuer wie lange nicht. Doch im Vergleich etwa zu Österreich sind die Preise hierzulande auf ein anderes Niveau angestiegen. Von der Zwei-Euro-Marke sind die Zapfsäulen in der Alpenrepublik noch ein gutes Stück entfernt. Der Preisunterschied zwischen den beiden Nachbarländern ist nicht neu, gerade für die Bundesbürger im Grenzgebiet hat sich der Tanktourismus schon seit Jahren bewährt.
Spritpreise in Deutschland: Mineralölsteuer macht den Unterschied zu Österreich
Warum aber sind Benzin und Diesel in Deutschland immer so viel teurer als in Österreich? Die Antwort in einem kurzen Satz: Es liegt insbesondere an der Mineralölsteuer.
Wie der ADAC betont, liegt diese bei 65,45 Cent pro Liter Benzin und bei 47,04 Cent pro Liter Diesel. Zum Vergleich: In Österreich werden laut der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) pro Liter Superbenzin 48,2 Cent und pro Liter Diesel 39,7 Cent Mineralölsteuer verlangt. Da klafft eine gewaltige Lücke, auch wenn die WKO betont, dass Kraftstoffe in Österreich zu den am höchsten besteuerten Produkten zählen.
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Hinzu kommt, dass in Österreich gesetzlich geregelt ist, dass der Spritpreis am Tag nur einmal erhöht werden darf. Im Bundesgesetzblatt ist festgeschrieben, dass an jedem Tag nur um 12 Uhr eine Preiserhöhung zulässig ist. Senkungen der Preise sind dagegen jederzeit erlaubt. Die Regel gilt seit 2011 und noch bis Ende 2028.
Wie setzt sich der Spritpreis zusammen: verschiedene Steuern und CO₂-Abgabe
Die Mineralölsteuer ist aber auch nur eine von mehreren Komponenten des Spritpreises. Da wäre noch die Umsatzsteuer, die in Deutschland mit 19 Prozent sogar um einen Prozentpunkt niedriger angesetzt ist als in Österreich. Hinzu kommt die CO₂-Abgabe, wobei der Preis pro Tonne in der Bundesrepublik mittlerweile zwischen 55 und 65 Euro liegt. Diesen CO₂-Preis müssen die Unternehmen zahlen, können ihn aber an die Kunden weitergeben.
Nicht zu vergessen die Kosten für das Produkt, die vom Ölpreis abhängen. Und letztlich wollen auch die Mineralölkonzerne mitverdienen.
Da kommt schnell eine hohe Summe zusammen. Mit Blick auf das Jahr 2025 nennt der ADAC hinsichtlich der Zusammensetzung zwei konkrete Zahlenbeispiele. 1,69 Euro für einen Liter E10 ergab sich demnach aus 65,45 Cent Mineralölsteuer, 61 Cent Kosten und Gewinn, 26,9 Cent Mehrwertsteuer und 15,7 Cent CO₂-Abgabe. Bei 1,61 Euro für einen Liter Diesel sah die Verteilung so aus: 71 Cent Kosten und Gewinn, 47,04 Cent Mineralölsteuer, 25,7 Cent Mehrwertsteuer und 17,3 Cent CO₂-Abgabe.
Steuer und Abgaben auf Benzin und Öl: Staat verdient beim Tanken ordentlich mit
Ein Jahresfazit des Automobilclubs lautet: „Im Jahr 2025 betrug der Steuer- und Abgabenanteil bei Spritpreisen rund 64 Prozent bei Benzin und rund 56 Prozent bei Diesel.“ Das österreichische Pendant ÖAMTC liefert für Januar 2026 diese Werte: Der Steueranteil aus Mineralölsteuer, CO₂-Bepreisung und Mehrwertsteuer lag in jenem Monat bei Benzin bei rund 58 Prozent und bei Diesel bei rund 53 Prozent. In beiden Fällen verdient der Staat also in besonderem Maße mit.
Der aktuelle Preissprung hat aber eben mit dem Posten Kosten und Gewinn zu tun. Deswegen befürchtet Christian Laberer, Kraftstoffmarkt-Experte beim ADAC: „Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch über die nächsten Tage anhalten.“
Höhe der Energie- und Stromsteuer in Deutschland
Erdgas (CNG, LNG): 34,98 Cent pro Kilogramm
Flüssiggas (Autogas): 22,09 Cent pro Liter
Diesel: 47,04 Cent pro Liter
Benzin: 65,45 Cent pro Liter
Strom: 2,05 Cent pro Kilowattstunde
Quelle: ADAC
Er stimmt die Autofahrer schon einmal darauf ein, dass Geduld gefragt sein wird: „Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger.“
Regierung und teurer Sprit wegen Nahost-Krieg: Union und SPD setzen Arbeitsgruppe ein
In der Politik werden bereits staatliche Maßnahmen diskutiert. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) betonte am Rande der Handwerksmesse in München jedoch laut der Nachrichtenagentur Reuters, eine Spritpreisbremse „steht nicht auf der Agenda“.
Als Reaktion auf die steigenden Sprit- und Energiepreise setzten die Koalitionsfraktionen im Bundestag allerdings eine Arbeitsgruppe ein. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, einigten sich die Vorsitzenden Jens Spahn (CDU) und Matthias Miersch (SPD) sowie CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann darauf. Im engen Austausch mit der Regierung sollen die Entwicklung analysiert und Handlungsmöglichkeiten überprüft werden.
Laut Welt verwiesen Spahn und Hoffmann in einer SMS an die Mitglieder ihrer Fraktion darauf, dass völlig offen sei, ob es zu Lieferengpässen und Langzeitfolgen kommen werde. Weiter schrieben sie demnach: „Aktionistische Schnellschüsse der Opposition sind deshalb unseriös. Wir bleiben besonnen und bereiten uns vor.“
Die Ampel-Regierung hatte 2022 nach dem drastischen Öl- und Energiepreis-Anstieg infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine unter anderem mit einem vorübergehenden Tankrabatt reagiert. Zu dem Maßnahmenpaket von SPD, Grünen und FDP gehörte seinerzeit auch das Neun-Euro-Ticket, um die Nutzung des ÖPNV attraktiver zu gestalten. (Quellen: ADAC, WKO, Bundesgesetzblatt, ÖAMTC, Reuters, dpa, Welt) (mg)
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