Tankstellen-Mitarbeiterin packt aus: „Die Autofahrer flehen: ‚Wie lange wollt ihr uns das noch antun?‘“
Deutschlands Autofahrer leiden unter den astronomischen Spritpreisen. Eine Tankstellen-Mitarbeiterin packt nun aus: „Die Menschen drehen hier langsam durch!“
Bremen – Wer soll das noch bezahlen? An Deutschlands Tankstellen explodieren die Preise für Benzin und Diesel. Noch nie war Tanken so teuer wie jetzt. Deutschlands Autofahrer ächzen unter den Spritpreisen, jede Fahrt zur Tankstelle wird zum Horror-Trip. Ein Ende: ist nicht in Sicht.
Tagtäglich kämpfen unzählige Tankstellen-Mitarbeiter in ganz Deutschland an vorderster Front gegen den Benzin-Preis-Wahnsinn – und gegen blankliegende Autofahrer-Nerven. Wie erleben sie den Sprit-Schock an den Zapfsäulen?
Benzin-Horror an Deutschlands Tankstellen: „Die Autofahrer drehen langsam durch“
Ein Besuch in Bremen. Das kleinste Bundesland hat mit die höchsten Preise für Benzin und Diesel in Deutschland. Auch die Preis-Anzeige einer großen Tankstellen-Kette im Nord-Westen der Hansestadt lässt Schlimmes erahnen: Über 2 Euro kostet hier der Liter Benzin.
Es ist ein nasser Donnerstagvormittag, noch ist wenig los an den Zapfsäulen. Ein Mann saugt die Matten seines VW-Passats. Hinter dem Tresen steht eine Mitarbeiterin, sie arbeitet schon seit vielen Jahren in dem Beruf, doch so einen Wahnsinn hätte auch sie noch nicht erlebt: „Die Autofahrer drehen langsam durch“, sagt sie. „Sie flehen uns an: ‚Wie lange wollt ihr uns das noch antun?‘“
Preis-Schock an der Zapfsäule: „Von dem Geld hätte ich früher doppelt und dreifach tanken können!“
Oft würden die Leute hier mit einer Rechnung von knapp 100 Euro rausmarschieren. „Für eine Tankfüllung, das muss man sich mal vorstellen!“, sagt die Angestellte, die nicht mit Namen genannt werden möchte. „Viele sagen: Von dem Geld hätte ich früher doppelt und dreifach tanken können.“ Manche würden in Erinnerungen schwelgen, von den Preisen von früher erzählen.
Zum Tanken würden sie trotzdem alle kommen, sogar mehr als früher. „Wenn die Autofahrer jetzt tanken, dann gleich für eine ganze Füllung.“ Für 10 bis 20 Euro tanken, so wie früher, das würde keiner mehr machen. Aus Angst, dass es morgen bereits viel teurer ist. Autofahrer im benachbarten Niedersachsen haben es gerade besser, da ist der Sprit günstiger. Zwar nicht so billig wie in Polen, wo mit 1,25 Euro pro Liter gelockt wird, aber immerhin.
Tankstellen-Mitarbeiterin über Benzin-Preis-Wahnsinn: „Die Leute kotzen sich erstmal fünf Minuten aus“
Die Autofahrer-Wut könne sie verstehen, sagt die Frau von der Tankstelle in Bremen. Doch obwohl die Nerven bei vielen blank liegen würden, beschimpft wurde sie noch nie. „Die Leute kotzen sich erstmal fünf Minuten aus, sagen dann aber: Ihr könnt ja nichts dafür!“ Ein Kunde, der gerade an der Kasse bezahlt hat, scherzt beim Rausgehen: „Doch, daran sind nur ganz allein Sie schuld!“ Beide lachen.
Lesen Sie auch: Benzinpreise explodieren: Mit diesen Tricks sparen Sie bares Geld
Gewaltausbrüche hätte es wegen der Preise aber noch keine gegeben. „Einmal gab es eine Schlägerei, aber das war wegen der Maskenpflicht“, erinnert sich die Mitarbeiterin. Kunden rät sie, während der Abendstunden zu kommen, da sei Tanken deutlich günstiger. „Da kann man schon mal 5 bis 15 Cent pro Liter einsparen“. Für ein baldiges Ende des Spritpreis-Wuchers sieht sie derzeit wenig Hoffnung – im Gegenteil: „Es wird noch viel teuer. Wir haben bereits Ankündigungen, die Preise anzuziehen.“
Preise für Benzin und Diesel durch den Ukraine-Krieg nochmals gestiegen
Bereits vor dem Krieg in der Ukraine waren die Preise für Benzin und Diesel auf einem Allzeithoch. Jetzt sind sie nochmal angezogen. Von allen Bundesländern ist der Benzinpreis in Bremen mit am teuersten. Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) will sich angesichts der hohen Spritpreise dafür einsetzen, dass die Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr gesenkt werden können.
Auch im Bremer Umland explodieren die Spritpreise: In Niedersachsen sind Benzin und Diesel ebenfalls sehr teuer. Mit einem Wahnsinns-Preis von 2,37 Euro kletterten sie gar auf ein Rekordhoch. Jede Woche ein neuer Rekordwert: Deutschland ist bei Öl und Erdgas stark von Russland abhängig: Rund ein Drittel der Rohöl-Importe stammten 2020 aus Russland. Die hohen Benzinpreise hängen mit dem Rohöl-Preis zusammen.
Dieser war während der Corona-Krise eingebrochen, hatte sich dann stabilisiert und steigt aktuell stark an. Lag der Preis für ein Barrel (ca. 159 Liter) Rohöl der Sorte Brent im Januar noch bei unter 90 Dollar, muss man inzwischen über 120 Dollar bezahlen. (Mit dpa-Material) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.