Frist bis Montag
CDU-Landtagskandidatur: Gieschen mobilisiert gegen Holsten
Der CDU-Landtagsmandatsinhaber Eike Holsten aus Rotenburg muss sich einem parteiinternen Wettstreit stellen - und der mobilisiert die Unterstützer.
Rotenburg – Parteiinterne Machtkämpfe sind in der CDU in der jüngeren Vergangenheit auf höchster Ebene keine Seltenheit gewesen. Wenn es darum geht, wer die Parteibasis vor Ort vertritt, ist das aber eher selten. Insbesondere, dass das weitgehend öffentlich ausgetragen wird: Im Rennen um die Landtagskandidatur für die Wahl am 9. Oktober spitzt sich die Situation zwischen Mandatsinhaber Eike Holsten aus Rotenburg und Herausforderer Dirk Gieschen aus Quelkhorn nun zu.
Holsten, im Wahlkreis 53 bereits im September mit 100 Prozent Zustimmung nominiert, sieht sich nach der danach erst erfolgten Wahlkreisreform mit den zu den bisherigen Rotenburger Altkreiskommunen zugeschlagenen Gemeinden Ottersberg und Oyten im Kreis Verden einer völlig neuen Situation gegenüber. War im Kreis Rotenburg zunächst unbestritten, dass der Mandatsinhaber als Nachfolger von Mechthild Ross-Luttmann wieder antreten soll, stellt ihn die parteiinterne Konkurrenz vor eine schwierige Aufgabe. „Ich bin voll im Wahlkampfmodus“, sagt der 53-jährige Gieschen. Am 4. März wollen die beiden Kreisverbände die Parteimitglieder aus dem Wahlkreisgebiet über die Nominierung entscheiden lassen, idealerweise in einer Präsenzveranstaltung. Dort könnte es voll werden. „Rund 130“, antwortet Gieschen auf die Frage, wie viele Unterstützer er in den vergangenen Wochen dazu bewogen habe, neu in die Partei einzutreten – von Scheeßel bis Ottersberg, wie der Landwirtschaftsmeister sagt.
820 Mitglieder der CDU im neu zugeschnittenen Wahlkreis gibt es derzeit insgesamt. „Wir verzeichnen seit dem Bundesparteitag im Januar eine Reihe von Neuzugängen und Wiedereintritten. Im Zusammenhang mit der anstehenden Nominierungsveranstaltung nimmt die Zahl der Mitgliedsanträge tatsächlich erkennbar zu“, bestätigt Rotenburgs CDU-Kreisvorsitzender Marco Mohrmann. Das Urwahlprinzip mit dem Wettbewerb um die Mobilisierung von neuen wie langjährigen Mitgliedern gehöre zur Kern-DNA der CDU. „Bei uns entscheiden nicht einige ausgesuchte Delegierte wie bei der SPD. Bei uns entscheiden die Mitglieder“, ergänzt Verdens CDU-Chef Adrian Mohr. Bis Montagabend, 21. Februar, 18 Uhr, haben Interessierte die Möglichkeit, in die Partei einzutreten und dann am Abstimmungsprozess teilnehmen zu können. Wie gesund das für die Parteientwicklung ist, stellt mittlerweile auch Mohr infrage: „Kurz vor einer Nominierung eintreten, dann wählen, dann austreten – das begeistert mich natürlich nicht. Die CDU ist keine Drehtür! Es wird aber in einigen Fällen nicht zu vermeiden sein, zeigt meine Erfahrung.“ Er hoffe aber natürlich auf eine „Nachhaltigkeit bei der Mitgliedschaft“. Mohr: „Die CDU kann neue, motivierte Mitstreiter gut gebrauchen. Ich freue mich über neue Mitglieder für die CDU im Kreis Verden und natürlich auch im ohnehin schon recht mitgliederstarken Kreisverband Rotenburg.“
Die CDU ist keine Drehtür!
Im Emsland hatte bei einer vergleichbaren parteiinternen Konkurrenzsituation zur Landtagswahl unlängst der Neueintritt von 700 CDU-Mitgliedern kurz vor der Annahmefrist für die Abstimmung für Irritationen gesorgt, der Prozess wurde gestoppt. Mohr rechnet auch im Wahlkreis Rotenburg bis Montagabend mit weiteren Anträgen, aber wohl nicht in dieser Zahl. Rotenburgs CDU-Chef Mohrmann hatte 2017 für die parteiinterne Landtagskandidatur gegen den heutigen Landrat Marco Prietz auch von einem deutlichen Mitgliederzustrom vor allem aus der Bauernschaft profitiert.
Der Ottersberger Gemeindeverbandsvorsitzende Gieschen hatte seine Kandidatur bereits kurz nach der Kommunalwahl im September und damit vor der Wahlkreisreform öffentlich gemacht – eigentlich wollte er gegen den langjährigen dortigen Mandatsinhaber Axel Miesner im Wahlkreis Osterholz antreten. Nun also gegen den Rotenburger Gemeindeverbandsvorsitzenden Holsten, wobei Gieschen betont: „Ich trete nicht gegen jemanden an, sondern ich will in den Landtag.“ Einen Beigeschmack, anders als vielleicht in der CDU üblich parteiintern Konkurrenz auszurufen, empfinde er nicht: „Ich bin ja nicht die CDU, ich bin Dirk Gieschen. Ich mache das, was ich für richtig halte.“ Seine Unterstützerschaft ziehe er vor allem aus seinem beruflichen Umfeld und den Bauern-Aktionen von „Land schafft Verbindung“. Gieschen: „Es gibt keine Treckerdemo im norddeutschen Raum, wo ich nicht selbst bin.“ Für die CDU, nach der ganzen „Selbstbeschäftigung“ und dem „Gemurkse“ zuletzt, müssten wieder „Kandidaten aus dem wirklichen Leben“ antreten, „keine gelernten Politiker“.
Der 38-jährige Berufspolitiker Holsten aus Rotenburg kommentiert diesen Seitenhieb nicht und verweist stattdessen auf die vielen Projekte und Erfolge, die er in seinen ersten nun bald fünf Jahren im Landtag erzielt hat. „Meine enge Vernetzung an der Seite unserer Bürgermeister, mein Amt als Kreistagsfraktionsvorsitzender — vor allem aber die enge Vernetzung an der Basis hilft mir bei der Arbeit. Ich bin Abgeordneter der Region mit großer Leidenschaft und habe als Mandatsinhaber sicher die besten Chancen, das Direktmandat erneut für die CDU zu erringen.“ Schließlich mobilisiere auch er Mitstreiter: „Mit dem Zuspruch der vergangenen Tage blicke ich optimistisch auf die Nominierung Anfang März.“
Der aussichtsreichste Gegenkandidat ums Direktmandat ist Tobias Koch aus Vahlde. Er wurde am Wochenende von der SPD nominiert – ohne Gegenkandidaten.

