Neue Parteispitze

Nach Abgang von Habeck: Das Erbe der Grünen lastet schwer auf Nouripour

Omid Nouripour
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Omid Nouripour plant, den vergangenen Wahlkampf auszuwerten und daraus Schlüsse für die Zukunft der Grünen zu ziehen. (Archivbild)

Führungswechsel bei den Grünen: Omid Nouripour will gemeinsam mit Ricarda Lang die Partei fit machen für kommende Wahlkämpfe. Veränderungen nicht ausgeschlossen.

Berlin – Das Erbe, das die neuen Grünen-Vorsitzenden Omid Nouripour und Ricarda Lang von ihren Vorgängern Annalena Baerbock und Robert Habeck hinterlassen bekommen haben, ist gewaltig: Nach 16 Jahren Oppositionsarbeit sind die Grünen erstmals wieder an einer Bundesregierung beteiligt, die Partei ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen und gibt auch auf Landesebene in vielen Bundesländern den Ton an. Von außen betrachtet ist unlängst klar, dass die einstige Protestpartei erwachsen geworden ist. Doch mit der neuen Rolle kommen auch neue Aufgaben einher. Nouripour kündigte indes an, seine Partei strukturell für die Zukunft ausrichten zu wollen.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Omid Nouripour
Geboren:18. Juni 1975 (Alter 46 Jahre), Teheran, Iran
Partei:Bündnis 90/Die Grünen
Amt: Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2021

„Wir werden kommende Woche in einer Arbeitsklausur einen Prozess erarbeiten, wie wir diese Nachlese gestalten wollen“, sagte der Grünen-Politiker im Interview mit der FAZ in Bezug auf eine Auswertung des vergangenen Wahlkampfes zur Bundestagswahl 2021. Der neue Vorsitzende kündigte im gleichen Zuge an, im Anschluss mit den Landesverbänden die Ergebnisse diskutieren und für künftige Wahlen umsetzen zu wollen. Auch wenn er strukturelle Änderungen für die nächsten Wahlkämpfe nicht ausschloss, sagte er, dass es nicht um mögliche Schuldzuweisungen, etwa gegen die ehemalige Kanzlerkandidatin Baerbock, gehen würde.

Sie sei die richtige Kandidatin gewesen, so Nouripour – die Partei müsse jetzt aber für den nächsten Wahlkampf fit gemacht werden. Er bezeichnete den vergangenen Wahlkampf als eine Achterbahn der Gefühle. Dennoch: „Wir haben ein historisches Ergebnis, aber sind trotzdem unterhalb dessen ge­blieben, was wir hätten erreichen können“, sagte der neue Grünen-Vorsitzende der FAZ.

Nouripour und Lang sind neue Grünen-Vorsitzenden – Umfragewerte sprechen gegen sie

Während Nouripour die Vorgaben der kommenden Wochen für die Grünen ankündigt, schneiden Ricarda Lang und er bei den Anhängerinnen und Anhängern ihrer Partei nicht besonders gut ab. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey hervor, die im Auftrag des Spiegels durchgeführt wurde. Demnach gab etwa nur die Hälfte der Grünen-Wähler an, dass Nouripour und Lang die richtigen Personen für den Parteivorsitz der Grünen sind. Für 16 Prozent sind sie eine falsche Besetzung, ein Drittel der Befragten gab als Antwort „Unentschieden“ an.

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Parteiübergreifend stimmten nur insgesamt 20 Prozent der Umfrageteilnehmer für das Spitzen-Duo. 51 Prozent antworteten mit „Nein“ oder „Eher nein“. Mögliche Gründe für die Skepsis gegenüber den neuen Grünen-Vorsitzenden Nouripour und Lang werden indes nicht genannt. Möglicherweise könnte es allerdings daran liegen, dass beide Politiker bisher während vergangener Legislaturperioden kaum in Erscheinung getreten waren.

Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang regt Reform der Jobcenter an

Ricarda Lang, die auch eine Impfpflicht befürwortet, hat indes angekündigt, nachdem sie sich bereits für eine Reform der deutschen Jobcenter ausgesprochen hatte, dass die Bundesregierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) bei der Entlastung von Geringverdienern Tempo machen müsse. Angesichts stark steigender Strompreise und Gaspreise in Deutschland halte sie es für notwendig, dass die EEG-Umlage noch im laufenden Jahr abgeschafft werde. Die Grünen-Politikerin warb am Montag zudem um ein mögliches Klimageld. Damit sollen Einnahmen aus dem CO₂-Preis, der den Verbrauch fossiler Energie teurer machen soll, an die Bürgerinnen und Bürger zurückerstattet werden.

Details für ein mögliches Klimageld würden gerade in den Ministerien ausgearbeitet, sagte Lang. „Es ist klar, das wird nicht mehr in diesem Jahr kommen. Dafür braucht es zu viel Vorarbeit.“ Neben sozialen Forderungen hat Ricarda Lang gemeinsam mit Nouripour unlängst klargemacht, dass sie die Grünen diverser und breiter aufstellen und in neue Milieus vordringen wollen. Auch wenn derzeit die Umfrage noch nicht für sie sprechen, sollte durch ihre Vorhaben klar sein, dass Nouripour und Lang in den kommenden Monaten viel mit den Grünen vorhaben und den jüngsten Höhenflug, den Baerbock und Habeck eingeleitet, weiter ausbauen wollen. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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